Mit einem Nachtglas, das wie ein handliches Fernrohr aussieht, und einem alten DDR-Schulbuch über Astronomie hat alles angefangen. 40 Jahre später besitzt Peter Wandelt eine eigene Sternwarte und eine Bibliothek voller Fachbücher, die er immer auf dem neuesten Stand hält. "Am Anfang war es einfach schön, sich ab und zu die Sterne anzugucken. Da gab es keinen tieferen Hintergrund", berichtet der drahtige Mann mit den lebendigen Augen und den schneeweißen Haaren. Doch je mehr sich der 77-Jährige mit Astronomie beschäftigt, desto größer wird sein Interesse.
Peter Wandelt fängt an, zahlreiche Sternwarten wie die Archenhold-Sternwarte in Berlin zu besichtigen. Auf den heutigen Tag, an dem er Besuch in seiner eigenen empfängt, hat er sich gut vorbereitet. Vor ihm auf dem Gartentisch befindet sich sein Laptop, auf dem er mithilfe einer speziellen Software durchs Universum flanieren kann wie der Normalbürger mit einer digitalen Karte durch ferne Länder. Außerdem liegt dort sein kleines Notizbuch. Darauf steht in feinsäuberlicher Schrift "Erklärungen - GSW 75" geschrieben, die Abkürzung für seine Gartensternwarte, die er - unglaublich, aber wahr - von seiner Familie und Freunden zum 75. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Damit die Sterne für ihn zum Greifen nah sind.
Wandelt biegt um die Hecke. Sein Himmelshaus befindet sich mitten in seinem idyllischen Garten. Es ist von Hecken und Bäumen umsäumt und gegenüber eines kleinen runden Schwimmbeckens aufgebaut. Mit den rotbemalten Holzlatten sieht es von außen nicht wie eine Sternwarte, sondern wie die Miniversion eines schwedischen Landhauses aus. "Ich habe ungefähr ein Jahr recherchiert, bis ich wusste, welche Art von Sternwarte ich bauen möchte", berichtet er. Dann entscheidet er sich für eine Dachkonstruktion, die er zum Sternegucken nach hinten schieben kann. Weil sie technisch einfacher umzusetzen ist als ein Klappdach. Das Wichtigste aber ist das Fundament, das die verstellbare Halterung für das Teleskop trägt. "Bei seiner Errichtung musste alles stimmen, damit ich das Fernrohr exakt auf meine Untersuchungsobjekte ausrichten kann", erklärt Wandelt. Den Rest der Sternwarte baut er mit der Hilfe von Familienmitgliedern und Freunden einfach um die Halterung herum. Ein Jahr dauert es, bis alles fertig ist.
Mit dem stattlichen Spiegelteleskop kann Wandelt die Himmelskörper in vielfacher Vergrößerung betrachten. Dies bewirke aber nicht, dass man die Sterne oder Planeten auch viel größer sehe, erklärt der Hobbyastronom. Dafür seien die Himmelskörper einfach zu weit entfernt. "Der Nordstern beispielsweise mehr als 432 Lichtjahre." Dennoch sei die Vergrößerung sinnvoll, da man damit wesentlich detaillierter sehen könne.
Jedes Teleskop muss auf den Nordstern ausgerichtet sein, erklärt Wandelt, damit es sich parallel zur Erdachse befindet. Von diesem Ausgangspunkt aus kann er mittels eines kleinen mit dem Fernrohr verbundenen Computers 13 400 Objekte ansteuern. Wandelt drückt einige Knöpfe auf einer Tastatur. Das Objektiv bewegt sich in die jeweils gewünschte Position. Bei einer derart großen Auswahl muss er sich genau überlegen, was er sich angucken will. "Ein Menschenleben reicht nicht aus, um alles zu betrachten."
Hinzu kommt, dass Wandelt sich genau informieren muss, an welchem Tag welcher Himmelskörper besonders gut zu sehen ist. Befindet sich der Planet etwa hinter der Sonne, sei er natürlich nicht sichtbar, so Wandelt. Zudem sei alles eine Frage der Sichtverhältnisse, und damit der Jahreszeiten und des Wetters. "Jetzt im Sommer ist es zu hell. Am besten sieht man in den Wintermonaten", berichtet er. Dann sitze er oft stundenlang in seinem kleinen Häuschen mit weggeschobenem Dach. Dick eingepackt und mit heißem Tee versorgt.
Ein Astronomiekalender zeigt ihm, wann welches Himmelsspektakel stattfindet. "Als Astronom braucht man viel Geduld", sagt er. Wandelts bisheriger Höhepunkt war der Merkurtransit im Mai, als der Planet vor der Sonne vorbeizog. Dieses Naturschauspiel jedoch betrachtet er damals nicht durch sein riesiges Spiegelteleskop, sondern durch ein frei stehendes Linsenteleskop vom Garten aus. Denn lediglich für dieses besitzt er den speziellen Sonnenschutz, ohne den man beim Blick in die Sonne sofort blind werden würde. "Für das Spiegelobjektiv wäre ein solcher Schutz zu teuer."
Die Beobachtung des Universums, wie alles mit allem zusammenhängt und Fragen wie die nach der Entstehung der Sterne oder des Wassers auf der Erde lassen ihn nicht mehr los. "Das alles fasziniert mich einfach", erklärt er.