Unter einem Wochenmarkt verstehen viele eine Ansammlung fahrender Händler, die frische und bestenfalls regionale Lebensmittel anbieten. Den kleinen Wochenmarkt, der immer mittwochs auf dem Potsdamer Platz aufgebaut wird, bestreiten jedoch vor allem Verkäufer, die für kleines Geld Kleider, Taschen und Haushaltswaren an den Kunden bringen wollen. Dies scheint nicht schlecht zu funktionieren. Von den vereinzelten Besuchern über die Mittagszeit kramen viele in den mit Wolle, Nagelfeilen und Besteck vollgestopften Boxen.
In zweiter Reihe aber findet man ihn doch: den klassischen Gemüsestand vom Spargelhof Giese aus Tempelfelde. Da stehen die Kunden schon mal Schlange. Denn die fröhlichen Obst- und Gemüsehändlerinnen Tanja Giese (45) und Sabine Jörissen (53) sind im Viertel beliebt. Da gehen Tomaten und Gurken aus dem Oderbruch ebenso gut über den Tresen wie die XL-Eier aus Wriezen. "Die sind so groß, von denen reicht mir ein halbes", berichtet eine ältere Kundin erfreut. "Ich kaufe hier ein, weil immer alles so frisch ist und gut schmeckt", fügt sie hinzu. Standinhaberin Tanja Giese muss lächeln - wer hört so ein großes Lob nicht gern.
In der Zwischenzeit lässt sich Wanda Ziesmann aus Eberswalde von Mitarbeiterin Sabine Jörissen ein paar richtig schön mürbe Äpfel heraussuchen. "Darf es noch etwas sein?", fragt die Verkäuferin. Da muss die Rentnerin nicht lange überlegen. Himbeeren und Blaubeeren gehen schließlich immer. Außerdem nimmt sie eine Tüte von den regionalen Tomaten mit. "Lassen Sie die ruhig noch ein paar Tage bei Zimmertemperatur liegen", rät die Händlerin. Denn sie weiß, Wanda Ziesmann isst am liebsten reife Tomaten.
Wenn die Spargel- und Erdbeersaison vorbei ist, kommen von Tanja Gieses Hof die selbst gekochten Marmeladen. Den Rest kauft sie dazu. Und zwar am liebsten Produkte aus der Region, berichtet sie. Damit das Sortiment möglichst abwechslungsreich ist, besorgt ihr Mann darüber hinaus Weintrauben, Nektarinen und Co. auf dem Großmarkt. "Er ist unser Chefeinkäufer und probiert jedes Stück Obst, bevor er es kauft."
Die Händlerinnen mögen ihren Job, erzählen sie. "Die Arbeit auf dem Markt ist kurzweilig, wir verkaufen Produkte, hinter denen wir stehen, und haben nette Stammkunden", sagt Sabine Jörissen. "Einige kennen wir mittlerweile so gut, dass wir uns Sorgen machen, wenn sie mal nicht kommen." Deshalb freuen sich die Frauen, wenn ihre Kunden ihnen Bescheid geben, dass sie in den Urlaub fahren.
Gleich daneben duftet es nach Speck. Die Lunower Landfleischerei hat allein 50 verschiedene Sorten Aufschnitt im Angebot. An diesem Tag bedienen Irene Bardelt (51) und Christian Stein (35). "Wir schlachten noch selbst", berichten sie. Das weiß Anneliese Melcher aus Finow zu schätzen. Sie kommt jede Woche. "Ich bin in Lunow aufgewachsen und kenne die Fleischerei, seitdem ich klein war. Der Altmeister kam zu uns nach Hause und schlachtete unsere Schweine." Dieses Mal bestellt die 64-Jährige durchwachsenen Speck, den sie zum Kochen verwenden möchte. Für Schmorgurken, die dank des Specks ein bisschen nach Kindheit schmecken.