Die Ausstellung ist Teil der Einweihungsfeier für die sogenannten Lichtloft-Ateliers. Auf der obersten Etage entstehen langfristig fünf helle Räume, wie geschaffen für Kreative, die auf der Suche nach einem ausgefallenen Arbeitsumfeld sind. Ein erster Mieter ist Basti Geiker. "Ich sammle so viele Eindrücke hier, die muss ich erst einmal verarbeiten", sagt der Dichter, der vor einem Monat eingezogen ist.
Doch er ist nicht nur nach Spechthausen gekommen, um Inspiration zu sammeln. Er muss auch mitanpacken. "Wir haben die letzten vier Wochen viel an den Ateliers gearbeitet", sagt Geiker. 300 Quadratmeter umfasst die Etage insgesamt. Vieles ist noch roh und unfertig, aber auch eindrucksvoll und schön im Sonnenlicht, das durch die Deckenfenster fällt.
Seit dem 18. Jahrhundert sind in der ehemaligen Spechthausener Mühle Banknoten und Wertpapiere gedruckt worden - bis in die 1950er-Jahre hinein, in denen sich die Produktion in den Wolfswinkel nach Finow verlagert hat. Anschließend haben erst die NVA und dann die Bundeswehr das Gebäude als Lagerplatz genutzt.
2009 ersteigert Bernhard Haselmaier die Papierfabrik mitsamt eines knapp fünf Hektar großen Areals drum herum. Seine Vision: Er will daraus ein Kultur- und Innovationszentrum machen. Mittlerweile leben dort rund 50 Bewohner. Eine von ihnen ist Jennifer Agin.
Die ehemalige Studentin der Hochschule für nachhaltige Entwicklung hat die oberste Etage des Fabrikgebäudes von Haselmaier gemietet, um sie ihrerseits weiterzuvermieten. Und auch die übrigen Etagen des weitläufigen Gebäudes werden genutzt: "Ein Antiquitätenhändler hat dort sein Lager", berichtet Jennifer Agin, "und eine Feuerkünstlerin probt für ihre Auftritte."
Die Einweihung der Lichtloft-Ateliers fällt zusammen mit Jennifer Agins Geburtstag. Da ist es kein Wunder, dass das Jazz-Konzert und die anschließende Party bis in den frühen Sonntagmorgen andauern. Nur Stunden bevor Jill Tegan Doherty aus Berlin nach Spechthausen kommt.
Die britische Malerin stellt am Sonntag ihre Arbeiten in Öl in der großen Eingangshalle der Fabrik aus - das erste Mal im Berliner Umland, wie sie sagt. Direkt daneben: Werke von Künstlern aus Japan, Bolivien und den Niederlanden, die immer wieder das Vogel-Motiv aufnehmen. Was wohl die Schwalben von Spechthausen dazu sagen?
Fragen zu Ateliers per E-Mail an jennifer_sara_agin@posteo.de