Die Augen von Nicos Kulitzscher rasen. Sie rasen entlang des Torgestänges, nach links, rechts, oben, unten. Wo ist das Licht? Welche der roten LED-Lampen leuchtet als nächte? Da, rechts unten, Kulitzscher hastet los, ein schneller Schritt, schon schnappt er nach dem Licht wie ein Tiger nach der Beute. Mit einer flinken Handbewegung wischt er über die LED-Lampe. Treffer! Das rote Licht erlischt. Und weiter. Die nächste Lampe leuchtet auf, Mitte oben, Kulitzscher hat sie, ein kurzer Wischer, wieder ein Treffer.
So geht das 1:14 Minuten lang, bis Kulitzscher die erforderlichen 30 Treffer erzielt hat, oder "Hits", wie es beim Trainingssystem "Fitlight" heißt. Kulitzscher schnauft. "Boah, anstrengend."
Seit vier Wochen arbeiten die Torhüter des 1. SV Eberswalde, der am Sonnabend im Brandenburgderby den Grünheider SV im Sportzentrum Westend (18 Uhr) erwartet, nun mit dieser neuartigen Trainingsmethode.
"Wir steigern damit die Reaktionsfähigkeit und schulen das periphere Sehen", sagt der Eberswalder Optiker René Hoffmann, der das Training mit "Fitlight" möglich gemacht hat. Hoffmann hat das High-Tech-Gerät eigentlich für ein Visualtraining, das er als Optiker anbietet, besorgt. Doch er ist zugleich Sponsor des Klubs. Deshalb bringt er den neuesten Technik-Schrei nun auch bei den Handballern mit ein. Jeden Dienstag ist Hoffmann für 45 Minuten in der Halle und betreut die Sondereinheit.
Bei der aktuellen Übung befestigt Optiker Hoffmann insgesamt acht LED-Lampen, die mit Klettverschlüssen ausgestattet sind, an verschiedenen Positionen am Torpfosten. Die Farbe, in der sie aufleuchten, kann Hoffmann auf dem Controller, den er in der Hand hat, einstellen. Rot, blau, grün, alles ist möglich, auch die Helligkeit kann er steuern. Welche LED-Lampe aufleuchtet, entscheidet der Zufallsgenerator.
SVE-Torwart Kulitzscher geht in die Ausgangsposition, zentral vor dem Kasten, etwa einen halben Meter vor der Torlinie. Dann gibt Hoffmann das Startzeichen. "Los!"
Kulitzschers Augen beginnen, zu rasen.
Trainer Ron Jordan steht daneben und ist sehr angetan. "Damit setzen wir neue Reize", sagt er über das Training mit dem Fitlight-System.
Einziges Manko: Kulitzscher ist der einzige Keeper des 1. Teams, der derzeit in den Genuss des neuen Spezial-Trainings kommt. Der Grund: Carsten Meyer, der zweite Stamm-Keeper, ist aktuell wegen Knieproblemen außer Gefecht. Und Thomas Wachtel, vor der Saison als dritter Torhüter verpflichtet, hat das Team praktisch im Stich gelassen und kommt höchstens noch einmal im Monat zum Training.
Beim Training zuletzt war mit Igor Yezhov nur der Torwart des Reserveteams mit dabei. Er und Kulitzscher duellierten sich nach Leibeskräften.
Die Frage ist natürlich: Hilft dieses spezielle Training den Torhütern des 1. SV, der derzeit Vorletzter ist und in akuter Abstiegsgefahr steckt, dabei, im Kampf um den Klassenerhalt ein paar Bälle mehr als sonst zu parieren?
Durchaus, glaubt Optiker Hoffmann. "Ein Effekt ist schon jetzt messbar", sagt er. Das sieht man an den Zeiten, die werden immer besser."
Und was sagt Torwart Kulitzscher? "Es macht Spaß", so der 35-Jährige, "weil auch ein spielerischer Anteil dabei ist und man gegen die Teamkameraden um eine bessere Zeit kämpft."
Und, hält er dadurch mehr Bälle? "Es hilft auf jeden Fall", sagt Kulitzscher.