Hanni und Jule sind Geschwister. Anders, als der Name es vermuten lässt, ist Hanni aber ein Junge. Und irgendetwas an ihm ist komisch. So haben beide schlechte Karten, als sie an eine neue Schule kommen. Denn da sind Emmy und die anderen von der Ameisenbären-Clique.
"Emmy ist so eine Fiese", erläutert Tonka Schmidt. Die Elfjährige hat sich die Story ausgedacht, die ihre Klasse, die Fünf/Sechs an der Freien Montessori-Schule Barnim, jetzt verfilmen wird. Tonka hat auch eine Vermutung, warum Emmy andere mobbt. "Ihre Mutter ist gestorben, ihr Vater ist Alkoholiker, der sich nicht um sie kümmert." Und sie weiß, dass hier zwei Kinderrechte verletzt werden: Gleichberechtigung und das Recht auf elterliche Fürsorge.
Acht Kurzfilme zum Thema Kinderrechte entstehen zur Zeit an Brandenburger Grundschulen. Der Landesverband Kinder- und Jugendfilm Berlin (kijufi) richtet das Projekt, in dem Profis den Kindern einen Crashkurs im Filmhandwerk bieten, aus. Am 27. Januar präsentiert kijufi alle Filme auf dem Kinderrechte-Filmfestival Brandenburg im Potsdamer Thalia-Kino. Die Vorstellung eröffnet den Eberswalder Schülern auch die Chance auf einen Filmpreis.
Die wichtigsten Kinderrechte haben die 19 Fünft- und Sechstklässler am Dienstagvormittag in Rollenspielen kennengelernt. Am Nachmittag steigt die Spannung nochmal. Filmemacherin Tanja Brzakovic erklärt ihnen, wie aus dem Stoff ein Film werden kann. Die gebürtige Serbin, die Film- und Fernseh-Regie unter anderem in Belgrad, Hamburg und Los Angeles studiert hat und in Berlin lebt, hat selbst einige Preise gewonnen und zeigt ihre Filme auf internationalen Festivals. Sie dreht Dokumentarfilme, bereitet aber auch Spielfilme vor, berichtet sie. Soziale Themen sind es, die sie interessieren. "Und die Geschichten mit den Jugendlichen", sagt sie. Workshops für Schüler gibt sie ebenfalls in verschiedenen Städten und Ländern.
"Das Schlimmste, was einem im Kino passieren kann, ist, dass man sich langweilt", schärft sie den Elf- und Zwölfjährigen in der Montessori-Schule ein. Wichtig ist deshalb, einiges über Einstellungen von "Totale" bis "Groß", verschiedene Perspektiven und etwas darüber zu erfahren, wie man ein Drehbuch schreibt und sich auf einzelne Szenen konzentriert. Hat etwa ein Harry-Potter-Film weit über 300 Szenen, werden es im Eberswalder Kinderrechte-Film gerade einmal fünf bis acht sein. Gedreht wird in der kommenden Woche. Am Freitag bringt Tanja Brzakovic das notwendige Material mit. Sie schneidet den Film später. Vor und hinter der Kamera machen die Schüler aber alles selbst. Auch am Plot haben sie gearbeitet. Tonkas Geschichte haben sie aus insgesamt sechs selbstentwickelten Stoffen ausgewählt. "Das ist immer interessant", sagt Filmemacherin Tanja Brzakovic. "Was herauskommt, hängt davon ab, wo man gerade ist: Man sieht genau, was Thema an der Schule ist."
Tonka Schmidt kennt zwar keine Kinder, die so schlimm dran sind wie Emmy. "Aber an unserer Schule gab es auch mal Schüler, die die Coolen waren und die anderen waren in ihren Augen hässlich."