Der kurze, leicht zu merkende Name steht für "Solidarität für Asylbewerber*innen". 2012 als Initiative gestartet, hat sich die lose organisierte Gruppe der SofA-Aktivisten vor vier Wochen dem afrikanischen Kulturverein Palanca angeschlossen und zum Projekt deklariert. Mit der Vereinsebene im Rücken lassen sich die bestehenden Angebote und die vielen Vorhaben besser koordinieren - auch der Konversationskurs.
Mit den ersten Besuchern, Elham Jawid und Hassan Hassanzade aus Afghanistan, geht es los. Die ehrenamtliche Helferin Johanna Regenbogen setzt sich mit den beiden in eine Sitzecke und beginnt, Wortarten zu erklären. "Ich habe lange Haare", sagt sie in etwas verlangsamtem Deutsch, "er hat kurze Haare", und deutet auf Hassanzade. "Lang und kurz sind Adjektive."
Vor ihnen auf dem Tisch liegt ein Wörterbuch, das die drei aber kaum anrühren. Eher greifen sie auf Gestik, Mimik und den eigenen Wortschatz zurück. Ein Jahr lang hat Hassan Hassanzade einen richtigen Sprachkurs besucht. Momentan darf er das nicht, da er noch keine Papiere bekommen hat. Jetzt lerne er zu Hause, erklärt der Afghane. Und am Mittwoch kommt er zum SofA-Konversationskurs. Diesmal zum zweiten Mal.
Doch was ist der Unterschied zu einem Sprachkurs? "Es geht darum, Hemmungen zu überwinden und die Sprache auch zu sprechen", sagt der Projektverantwortliche Felix Gähler. "Wir sind eher darauf bedacht, auf konkrete Bedürfnisse einzugehen." Johanna Regenbogen ergänzt: "Jeder bringt seins mit; die Dinge, die ihn beschäftigen."
So ist es auch bei den übrigen Besuchern des Treffens, die nach und nach dazustoßen. Meist kommen um die 15 Flüchtlinge, berichtet Gähler, die sich dann auf drei bis vier Freiwillige verteilen. Viele Gäste stammen aus Syrien, aber auch Menschen aus Eritrea und Somalia sind wichtige Gruppen in der Region.
Bald hat sich eine zweite Runde gebildet, die gemeinsam das Alphabet durchgeht. Eine schwierige Angelegenheit. "Alphabetisierungskurse sollten von der Volkshochschule angeboten werden", stellt Felix Gähler klar. Dort gäbe es aber lange Wartelisten. Ehrenamtliche Gruppen wie das SofA-Projekt dürften das staatliche Angebot dennoch nur ergänzen. "Wir wollen keine Verschiebung", erklärt er. "Der Staat soll nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden."
Außerdem seien die Helfer gar nicht qualifiziert, einen richtigen Sprachkurs zu geben. Mit Hilfe der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) soll sich das in Zukunft ändern. "Die Ehrenamtlichen sollen die Möglichkeit bekommen, sich über die Hochschule zu qualifizieren", sagt Gähler. Auch sonst werden die Aktivitäten an der HNE ausgebaut. Und nicht nur das.
In den vergangenen Monaten hat die Gruppe gespürt, wie das öffentliche Interesse wächst. "Wir haben bisher aber nicht die Strukturen, das große Potential auch zu koordinieren", sagt der Projektverantwortliche. Deswegen wird nun die Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Runden Tisch "Willkommen in Eberswalde" forciert und gleichzeitig eine Koordinierungsstelle aufgebaut. Sie soll die Vielzahl der Angebote, die vom Konversationskurs über Kulturveranstaltungen bis hin zum begleiteten Behördenbesuch reichen, unter einen Hut bringen. Wer sich auf die ein oder andere Weise engagieren will, ist dem SofA-Projekt sehr willkommen.
Anmelden per Tel. 0174 8287718 oder E-Mail sofa@hnee.de; Teilnahme für Flüchtlinge gern auch ohne vorherige Absprache
Deutsche Sprache, schwere Sprache: Die ehrenamtliche Helferin Fania Taeger geht mit Jane Wangari aus Kenia und anderen Besuchern des Kurses die Satzstruktur durch.Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
SofA-Projekt bietet Konversationskurs für Flüchtlinge an / Teilnehmer sollen ihre Hemmungen überwinden