Elf Jahre lang, zwischen 1978 und 1989, galt das damalige Max-Reimann-Viertel als aufstrebende Wohngegend. Die industriell gefertigten Plattenbauten waren begehrt, es gab Wartelisten, auf die sich potentielle Mieter ungeduldig setzen ließen. Seit der Wende hat das heutige Brandenburgische Viertel deutlich an Beliebtheit eingebüßt. Dem Andrang von einst ist besorgniserregender Leerstand gewichen. Die Vermieter reagieren auch mit Abriss - aktuell an der Kyritzer Straße 10 bis 18. Von den fünf Aufgängen sind fast nur noch Schuttberge übrig geblieben, die Erdgeschossreste verdecken.
Auftraggeber des Abbruchs ist die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG), die in Eberswalde über rund 3900 Wohnungen verfügt, von denen sich nicht ganz 1800 im Brandenburgischen Viertel befinden. "Leicht haben wir uns die Entscheidung für den Abriss nicht gemacht", betont Horst Gerbert, Vorsitzender des Vorstands der WBG. Aber ein Leerstand von 19 Prozent sei auf Dauer nicht verkraftbar.
Mit den Arbeiten ist das Unternehmen 3S aus Schwedt betraut. "Bis Ende des Monats werden wir die Plattenbauten zu rund 5500 Tonnen Beton zerlegt haben", sagt Thomas Patzwall, Betriebsleiter von 3S.
Der Einsatz der Bagger bleibt nicht unbeobachtet. "Ich schiebe mehrmals am Tag den Kinderwagen am Bauzaun vorbei", sagt eine junge Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will und von sich nur preisgibt, dass sie in der Nachbarschaft wohnt. Den Abriss sieht sie gelassen. Die leer stehenden und verfallenden Blocks seien kein toller Anblick mehr gewesen. "Wenn die WBG hier eine Grünfläche anlegt, hat mein Kind einen Spielplatz im Freien mehr", freut sich die Mama.
Um Gelassenheit bemüht sich auch Horst Gerbert. Der Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft ist froh, dass Eberswaldes Volksvertreter dem Abriss zugestimmt haben, der die Stadt kein Geld kostet. Das Räumkommando wird von Bund und Land mitfinanziert, die dafür auf das Förderprogramm für den Stadtumbau Ost, Teilprogramm Rückbau, zurückgreifen. "Die Zuschüsse belaufen sich auf 149 000 Euro", sagt Horst Gerbert. Alles in allem aber habe die WBG einschließlich Vor- und Nachbereitung für den Abriss 250 000 Euro aufzubringen.
Zudem hat die Naturschutzbehörde des Kreises Barnim Auflagen erlassen: Die leer stehenden Blocks waren nach und nach unter anderem zur Heimstatt von Mauerseglern, Fledermäusen und Haussperlingen geworden. "Jetzt müssen wir für die unterschiedlichen Tierarten mehr als 60 Nistkästen anschaffen und aufstellen", verrät der WBG-Vorstandsvorsitzende.