Der Schrottverwerter Theo Steil wird auf dem Areal des ehemaligen Walzwerks Finow ein Logistikzentrum aufbauen und einen Umschlagplatz für Seecontainer einrichten. Zudem sollen dort ausgemusterte Eisenbahnwaggons zerlegt werden.
Ende März war mit einer Betriebsversammlung vor dem Haupttor das Walzwerk zu Grabe getragen worden. Der älteste Industriebetrieb Eberswaldes hatte nach der zweiten Insolvenz in nicht einmal zwei Jahren seine Produktion eingestellt, die nur noch 145 von vor der Wende mehr als 2500 Beschäftigten hatten ihre Kündigungen erhalten. Seither herrschte Friedhofsruhe auf dem Gelände, das bloß noch von Schrottdieben heimgesucht wurde.
Jetzt aber gibt es so etwas wie einen Neuanfang - wenn auch in kleinem Rahmen. "Ja, wir haben die Liegenschaft aus der Insolvenzmasse übernommen", bestätigt Christian Satlow, in der Unternehmensgruppe Theo Steil mit Hauptsitz in Trier Geschäftsführer für Technik, Produktion und Logistik, Gerüchte, die in Eberswalde bereits seit August kursierten, bisher aber nicht kommentiert wurden. Zum Kaufpreis macht der Sprecher aus der Führungsriege keine Angaben. Das Unternehmen habe sich erst spät entschlossen, für das Grundstück einen Kaufantrag zu stellen. "Wir hatten keine Pläne in der Schublade", betont Christian Satlow. Zunächst sei auf Seiten des Insolvenzverwalters von mehreren Interessenten die Rede gewesen, da habe Theo Steil keinen Grund gesehen, in einen Wettbewerb einzusteigen. "Ziemlich spät erreichte uns dann die Kunde, dass auf der Fläche in Größenordnung Photovoltaikanlagen aufgestellt werden sollten und die Stadt Eberswalde dies auf jeden Fall verhindern wollte", sagt der Geschäftsführer. Da habe sich die Führungsriege von Theo Steil erneut mit der Option befasst, die Liegenschaft zu übernehmen, für die vor allem ihre prima ausgebaute Infrastruktur und die Bahnanbindung spreche.
So sei die Idee gereift, eine oder mehrere Hallen des einstigen Walzwerkes für die Demontage von Waggons zu nutzen, die im Auftrag der Bahn erfolge.
Zudem biete sich das Grundstück für ein Logistikzentrum und einen Umschlagplatz an. "Das Schrottgeschäft wird schließlich immer internationaler - und wir sind zum Beispiel auch in Indien, Vietnam und China am Ball. Da können wir einen Ort gut gebrauchen, an dem wir den weiteren Versand von Containern koordinieren, die aus Seehäfen wie Bremerhaven und Hamburg auf die Schiene gebracht werden", erklärt Christian Satlow.
Für den erst im Aufbau befindlichen zusätzlichen Standort in Eberswalde habe Theo Steil bereits zwei ehemalige Walzwerker eingestellt, teilt der Geschäftsführer mit. Deren aktuelle Aufgabe sei es, eine genauere Bestandsaufnahme von den Hallen und der Technik zu erarbeiten, als dies durch Blicke in die Unterlagen gelinge. Angestrebt werde, ab April kommenden Jahres auf dem alten Walzwerk-Gelände Waggons auszuschlachten und Container umzuschlagen. "Wir rechnen mit bis zu 15 Beschäftigten, die wir dafür zusätzlich einstellen könnten", sagt der Geschäftsführer, der davon ausgeht, dass Theo Steil um die 500 000 Euro investieren muss, bevor die Produktion startet. Aktuell zähle das Unternehmen in Eberswalde 120 Beschäftigte.
"Durch den Kauf des Walzwerk-Geländes wird nicht nur brachliegendes Industrieareal wieder genutzt, sondern auch der traditionsreiche Metallstandort Eberswalde weiter gestärkt", begrüßt Jan König, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung und Tourismus im Rathaus, das Ansinnen des Schrottverwerters. Jedoch sei sich die Stadt der möglichen Auswirkungen für die Anwohner bewusst und habe diese in den Gesprächen mit dem Investor auch thematisiert.
"Wir sind froh über jeden ehemaligen Walzwerker, der eine neue Arbeit findet", sagt Peter Ernsdorf, Bevollmächtigter der IG Metall für Ostbrandenburg. Die Ansiedlung sei erfreulich.