"Eberswalde hat am Finowkanal eine ganze Perlenkette wertvoller Denkmale. Die Borsighalle ist der Diamant darin", kommt selbst Uta Schaubs, Gebietsreferentin praktische Denkmalpflege beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf, ins Schwärmen. Die Borsighalle, sagt sie, sei ein ganz wesentlicher Bestandteil der Industriearchitektur. Alfred Borsig, der in Berlin-Moabit die Borsigwerke gründete, habe als Autodidakt versucht, neue innovative Konzepte zu entwickeln. Dabei sei auch der Prototyp für große Produktionshallen, die ohne Mittelstütze auskommen, entstanden.
Eben jene Borsighalle, die um 1900 von Berlin-Moabit nach Eberswalde umgesetzt wurde. "Sie ist so genial konstruiert, dass sie zum Vorbild für alle danach kommenden großen Hallen wurde", verweist Uta Schaubs weltbekannte Bauwerke wie den Leipziger Hauptbahnhof als größter Sackbahnhof Europas, die Londoner St. Pancras Station oder die Bahnhofshalle Berlin-Alexanderplatz. Genial an der Borsighalle sei auch das Material. Der hohe Kohlenstoffgehalt der Eisenkonstruktion sorge dafür, dass sich der Rost nur oberflächlich angesetzt hat, der Halle selber aber bislang wenig anhaben konnte. "Eberswalde hat einen echten Schatz. Was das Schiffshebewerk in Niederfinow als technisches Denkmal für alle anderen Hebewerke der Welt ist die Borsighalle für alle Hallenkonstruktionen", sagt Uta Schaubs.
Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner ist sich der Bedeutung der zwischen 1847 und 1849 erbauten Borsighalle durchaus bewusst. Mit dem Einsatz des städtischen Bauhofs soll das Denkmal nicht nur aus dem Dornröschenschlaf geweckt, sondern vor allem vor weiterem Schaden bewahrt werden. Besonders die wildgewachsenen Bäume und deren Wurzeln sowie Sträucher sind es, die die Substanz der Halle zunehmend gefährden. "Wir sind mit acht Leuten vor Ort, um das Unterholz aus der Halle zu entfernen.", sagt Marco Woller vom Bauhof. Holz und Strauchwerk werden sofort geschreddert. Das so gewonnene Häckselmaterial wird spätestens im Frühjahr zum Mulchen eingesetzt. Ein paar Tage werden die Männer vor Ort zu tun haben, um die Konstruktion einschließlich Dach frei zu schneiden. Mancher Baum erweist sich als schwierige Herausforderung und kann nur mit Hilfe einer Hebebühne gestutzt werden.
"Ziel ist es, die Borsighalle langfristig zu sichern und als Skulptur erlebbar zu machen", so Anne Fellner, die sich die Halle als Ausstellungsort für Schiffe oder auch für Kunstwerke vorstellen kann. In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden des Landes Brandenburg und des Landkreises Barnim hat sie bereits im September vergangenen Jahres den Antrag gestellt, die Borsighalle in das Denkmalpflegeprogramm "National wertvolle Kulturdenkmäler" aufzunehmen. Der Eingang in dieses Programm wäre mit Zuschüssen von Bund und Land über einen Zeitraum von fünf Jahren verbunden.
"Damit wäre dann die Voraussetzung für die Suche nach privaten Investoren gegeben, die dafür sorgen könnten, neues Leben in dieses wichtige Stück Eberswalder Industriegeschichte zu bringen", gibt auch Pressesprecher Harald Händel den Standpunkt der Stadt wieder. "Unser Haus hat den Antrag um eine deutlich befürwortende Stellungnahme ergänzt", sagt Denkmalpflegerin Uta Schaubs. Eine Entscheidung steht noch aus. Die Kommission, ein bundesweites Gremium von Experten, hat noch nicht getagt, soll aber voraussichtlich im Februar zusammenkommen.