"Auf uns" von Andreas Bourani auf Platz drei, Helene Fischers "Atemlos" auf Platz zwei - was sollte diese Rekordhits noch toppen können? Etwas, was nur Friedrichswalder verstehen können: "Eine weiße Rose" von den Kastelruther Spatzen. Doch Sänger Matthias "Kuschi" Kusch weihte die auswertigen Gäste des Holzschuhmachertags ein. Vor Jahren lag die Fußballmannschaft des FSC bei einem Auswärtsspiel schon zur Halbzeit 0:6 hinten. In ihrem Galgenhumor begannen sie, in der Umkleidekabine "Eine weiße Rose" zu singen. Seither ist das Lied von keiner Feier mehr wegzudenken. Zum Finale des Auftritts des Heimatvereins stimmten Hunderte auf dem Dorfplatz mit ein.
40 Aktive im Alter zwischen zwei und 70 Jahren imitierten bei der "Chartshow" ihre Lieblingsstars. Dabei stimmten nicht nur die bunten Kostüme, sondern auch die Tanzbewegungen, Gestik und Mimik. So ließ der Heimatverein Udo Jürgens und Amy Winehouse wieder auferstehen, sang Cora über "Rosen aus Amsterdam" und AC/DC über den "Highway to hell" und deckte damit die ganze Bandbreite des Musikgeschmacks ab. Moderatorin Simone Wendt überbrückte die Umziehpausen, indem sie mit den "Stars" auf dem roten Sofa plauderte. Die gebürtige Friedrichswalderin Rosemarie Gepel war begeistert. "Wir sind jedes Jahr da, es ist immer wieder anders und immer toll. Die geben wirklich alles, was sie können."
Einen Vorgeschmack hatten zuvor schon die Kinder der Kita "Haus der Grünschnäbel" gegeben, die sogar selbst sangen. Die Tanzgruppe "Lady Devils" aus Prenzlau ließ sich bei ihren Showtänzen von der Hitze nicht bremsen. Eröffnet hatte das Programm der Friedrichswalder Chor unter der Leitung von Thomas Rommenhöller. Angelika Ströbele und Wolfhard Schulz zeigten, wie leichtfüßig man in Holzschuhen tanzen kann.
Denn natürlich war es der Holzschuh, der gefeiert wurde. Bürgermeister und Holzschuhmacher Bernhard Ströbele führte in der Schauwerkstatt vor, wie das Traditionsschuhwerk hergestellt wird, das 1748 die Kolonialisten aus der Pfalz mitbrachten. Im Zweiten Weltkrieg stand in Friedrichswalde die einzige Holzschuhfabrik Deutschlands. Anke Schallock aus Pasewalk kaufte zwei Paar, für sich und ihren Mann. "Toll, was die hier in ihrer Freizeit auf die Beine stellen", sagte sie. Der Bürgermeister gab noch Tipps zum Laufen in Holzschuhen ("Fußgelenke anspannen, ein besseres orthopädisches Schuhwerk gibt es nicht") und zur Pflege ("Sandpapier ist Schuhputzzeug").
Alfred Boutens aus Holland war vor 72 Jahren als Zwangsarbeiter in die Schuhfabrik gekommen. Doch die Familie Hafenstein und das ganze Dorf nahmen ihn so herzlich auf, dass der mittlerweile 91-Jährige das nie als Strafe empfand und ganze 30 Mal zu Besuch kam. Als die ganze Festgesellschaft dem "kleinen Holländer" auf der Bühne applaudierte, flossen bei Alfred Boutens die Tränen der Rührung. "Das kommt von Herzen, die Friedrichswalder sind wundervolle Menschen."