In Silage-Mieten werden Getreide wie Mais und Hirse haltbar gemacht, bis sie etwa in Biogasanlagen Verwendung finden. Angesichts des Umfangs ist es nicht überraschend, dass sie Unmut erregen können. Bei der Ortschaft Blütenberg ist das nicht anders. Die Biogasanlage Lichterfelde hat dort eine Mais- und eine Hirse-Silage-Miete angelegt, die gut vier Meter hoch, rund 50 Meter lang und 15 Meter breit sind.
Das geschah auf einem Gelände, das der Biogasanlage gehört, das sich jedoch in Nachbarschaft eines Naturschutzgebietes befindet. Genau das hat Anwohnerin Yvonne Conrad zum Nachfragen veranlasst. Inwiefern ist die Anlage genehmigt? Wie lange wird sie dort liegen? Wofür ist sie gedacht? Und entstehen schädliche Sickerwässer?
Fragen, die der Geschäftsführer der Biogasanlage, Wolfgang Kasten, zu beantworten sucht. "Was dort lagert, ist nicht umweltschädlich", sagt Kasten und erklärt, was sich unter den Planen befinde. Noch vor der Ernte werde geprüft, ob der Wasseranteil in den Pflanzen stimme. Sobald es soweit ist, wird das Getreide geerntet, gehäckselt, Schicht für Schicht aufgebracht und von einer Raupe angewalzt. "Die Luft muss raus", erklärt Wolfgang Kasten die Prozedur, sodass nach Möglichkeit nur organische Substanz übrig bleibt.
Die Masse wird mit Planen und Netzen luft- und wasserdicht abgedeckt und mit Gewichten beschwert. Auf diese Weise ist der Haufen vor Wind, Wetter und Wildtieren geschützt, bis er abgetragen und in die Biogasanlage zur Energiegewinnung gebracht wird. Im konkreten Fall Blütenberg werde wohl im Frühjahr damit begonnen, die Silage-Mieten abzutransportieren. "Dann kommt einmal am Tag ein Trecker mit Hänger", kündigt Kasten an. Rund 90 Tage dauere es, bis eine Miete aufgebraucht ist.
Was die Feuchtigkeit darin angeht, ist der Zeitpunkt der Ernte entscheidend: Wenn man das Getreide zu früh vom Feld nehme, dann komme es zu Sickerwässern, erklärt Kasten. Die Biogasanlage aber warte, bis der Anteil an Trockensubstanz bei 34, 35 Prozent liege, so der Geschäftsführer.
Belege dafür will Wolfgang Kasten direkt an der fraglichen Silage-Miete erbringen. Er weist darauf hin, dass trotz der Hanglage kein Modder neben der Miete steht. Außerdem habe seine Firma im Vorfeld darunter Rasen ausgesät, als natürliche Festigungsschicht. Auch vonseiten der Behörden sei das alles genehmigt worden. "Wir haben ausreichend Abstand zu fließenden und zu stehenden Gewässern", sagt er.
Trotz mehrmaliger Presseanfrage war bisher keine Stellungnahme vom Kreis Barnim zu bekommen. Für heute wurde jedoch eine umfangreiche Äußerung in Aussicht gestellt.
Yvonne Conrad hat es ihrerseits vor zwei Wochen bei der Unteren Wasserbehörde versucht - ohne Erfolg. Auskunftsfreudiger war da ihr gegenüber die Untere Naturschutzbehörde. Von dort erhielt sie per Email die Antwort: "Ihre Besorgnis ist unbegründet. Die Silos schädigen den Naturhaushalt definitiv nicht." Im Anhang fand sie einen Auszug aus dem Brandenburger Landesrecht, der darauf hinweist, dass ein Trockensubstanzgehalt von mindestens 30 Prozent und eine vollständige Abdeckung ausschlaggebend seien. Yvonne Conrads Anfrage, ob die Zusammensetzung überprüft worden ist, blieb unbeantwortet.