Hannes Sturm fährt seit Jahren nach Schweden. Am liebsten im Juli, kurz nach Mittsommer, wenn nordwestlich von Stockholm eine ganz spezielle Musikwoche steigt, in der an jedem Tag ein anderer kleiner Ort sein eigenes Fest ausrichtet. "Bei diesen Festivals musizieren Profis gemeinsam mit Laien in der freien Natur", erklärt der Lichterfelder. "Man spielt so, wie und wo man gerade ist." Rund um die Uhr erklingt schwedische Volksmusik - dennoch ist das nicht nur eine Angelegenheit für ältere Semester: "Auch junge Leute spielen die alten Lieder, aber auf ihre Weise", sagt der 64-Jährige.
Wie eine Karawane zieht der Pulk aus Musikern und Besuchern von einem Dorf zum nächsten - manchmal bis zu 20 000 Menschen, wie Hannes Sturm berichtet. Dabei knüpft man Kontakte, im Fall des Schorfheiders sogar einen mit Folgen: "Im vergangenen Jahr haben drei Mal hintereinander drei Musikerinnen neben meinem Bus gezeltet", berichtet er. Ihre Namen: Emma Ahlberg, Johanna Karlsson und Lena Jonsson, drei hochdekorierte Geigerinnen, die allesamt an der Königlichen Musikhochschule Stockholm studiert haben.
Hannes Sturm ist von ihrem Können derart angetan, dass er sie kurzerhand fragt: "Mensch, wollt ihr nicht mal in Deutschland auftreten?" Und tatsächlich: Die Drei willigen ein. Über Mittsommer, vom 19. bis 25. Juni, kehren sie ihrer Heimat nun den Rücken und geben hierzulande unter dem Namen Limbohofvet sieben Konzerte, vier im Barnim und drei in der Uckermark. Alle organisiert von Hannes Sturm. "Ich habe Leute angesprochen, zu denen ich einen direkten oder indirekten Draht habe", sagt er.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Berufsschul-Lehrer, der mittlerweile im Ruhestand ist, Konzerte organisiert. "Das macht mir schon Spaß", erklärt Sturm. So hat er in der Vergangenheit wiederholt den Kantor der Stettiner Jakobi-Kathedrale, Michal Wozniak, nach Lichterfelde und Friedrichswalde geholt. Für 2017 plant er wieder einen Coup: einen Barnim-Besuch der polnischen Weltmusik-Band Kroke, die schon mit Größen wie dem Geiger Nigel Kennedy eine Platte aufgenommen hat.
Doch dieses Jahr erst einmal Limbohofvet. Was bedeutet dieser seltsame Name eigentlich genau? "Das ist ein Wortspiel und ein bisschen schwer zu übersetzen", erklärt Bandmitglied Johanna Karlsson auf Englisch. "Es bedeutet: der Hof des Limbo, also des Tanzes Limbo, und kommt ursprünglich von einem Stück, das wir zusammen geschrieben haben." Eigene Kompositionen im klassisch schwedischen Stil und traditionelle Stücke vom Beginn des 20. Jahrhunderts halten sich bei ihren Konzerten die Waage. Außerdem suchen die drei Geigerinnen den Kontakt zum Publikum und erzählen Geschichten über die Musik, die sie spielen.
Kennengelernt haben sich Emma Ahlberg, Johanna Karlsson und Lena Jonsson auf dem Folkmusik-Festival "Spelmansstämmor". Im Laufe der Jahre sind sie immer wieder zum "Jammen", zum gemeinsamen Musizieren, zusammengekommen. "Und als wir mit dem Studium an der Königlichen Musikhochschule Stockholm anfingen, haben wir entschieden, eine Band zu gründen", sagt Johanna Karlsson. Während des Studiums haben sie auch Hanna Andersson kennengelernt. Die wird auf der Tour Emma Ahlberg ersetzen, die bereits andere musikalische Verpflichtungen hat.
Dass die Musikerinnen diesmal das schwedische Mittsommerfest verpassen werden, finden sie nicht so schlimm. "Da wir traditionelle Musik spielen, sind wir sowieso rund um Mittsommer meist unterwegs und geben Konzerte", sagt Johanna Karlsson. Anfang Juli, wenn zur Musikwoche erneut Zehntausende in den Dörfern nordwestlich von Stockholm einfallen, werden sie dann wieder dabei sein und ihr Zelt aufbauen. Vielleicht auch diesmal in direkter Nachbarschaft zum Bus von Hannes Sturm.
Termine im Barnim: 22. Juni, 19 Uhr, Schinkelkirche Joachimsthal, Vorverkauf unter Tel. 033361 64646; 24. Juni, 19 Uhr, Kirche Lichterfelde, Eintritt frei, Spenden erbeten; 25. Juni, 15 Uhr, Wehrkirche Neuendorf, Oderberg, Eintritt frei, Spenden erbeten; 25. Juni, 19 Uhr, Forstbotanischer Garten, Eberswalde, Vorverkauf unter Tel. 03334 657476