Der Gottesdienst zum Auftakt der Interkulturellen Wochen stand unter dem Motto "Einheit im Himmel - Vielfalt auf Erden" und wurde von Gemeindepädagogin Anja Hartmann bestritten, die das zur Kirchengemeinde Finow gehörende Gemeindehaus im Brandenburgischen Viertel leitet. Unterstützung fand sie in Pfarrerin Elisabeth Kruse aus Lobetal, die etliche Asylbewerber mitgebracht hatte, und in Marieta Böttger, der Beauftragten für Gleichstellung, Migration und Integration im Kreis Barnim. Sowie von Marwan Hassan aus Eberswalde, der nicht nur gemeinsam mit seinem Sohn Hassan den Gottesdienst auf der Gitarre begleitete. Der Kuwaiter, der in Ägypten aufgewachsen ist, übersetzte zudem die wichtigsten Abschnitte der Predigt und weitere Wortmeldungen ins Arabische.
In ihrer Predigt hob Anja Hartmann hervor, dass nicht kluge Argumente oder ehrenamtliches Engagement die wirksamsten Mittel seien, auf die latent spürbare Angst vor Fremden zu reagieren. "Was wirklich hilft, und das ist auch so etwas wie das Erfolgskonzept der Interkulturellen Wochen, sind Begegnungen zwischen den Kulturen", betonte die Gemeindepädagogin. Während sie predigte, wurden die Zettel auf der Pinnwand neben ihr ausgetauscht. Waren dort zunächst Worte wie "Asylantenflut", "Abschieben" oder "Das Boot ist voll" zu lesen, hieß es bald "Menschlichkeit", "Verständnis" und "Nächstenliebe".
Eine weitere starke Geste hatte es kurz nach dem Beginn des Gottesdienstes gegeben: Wer wollte, konnte ein Teelicht entzünden und still für sich oder für alle hörbar seine Wünsche äußern. Die Lobetaler Pfarrerin widmete ihr Licht allen Kindern, die in Kriegsgebieten um ihr Leben bangen, eine Besucherin bat um unkonventionelle Lösungen, Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit zu bringen.
Die Gedenkaktion war von Marieta Böttger gestartet worden. "Es scheint, die Welt ist aus den Fugen geraten", sagte sie. Der Landkreis nehme aktuell in jeder Woche mehr Flüchtlinge auf als im gesamten Jahr 2011. Derzeit leben demnach 1300 Asylbewerber im Barnim, davon sind 740 in diesem Jahr gekommen. Mit weiteren 1200 bis 1300 müsse 2015 noch gerechnet werden.