Das Land Brandenburg hat für zwei Bahnhöfe auf der Verbindung der Regionalbahn 63 "Optimierungsbedarf" ausgemacht: für den Kaiserbahnhof Joachimsthal und die Station Golzow. Lothar Wiegand, Pressesprecher im Infrastrukturministerium, appelliert an die Akteure, die Attraktivität der Bahnhöfe zu erhöhen. Dafür, so Wiegand, stünden auch Fördermittel zur Verfügung. Dies sei eine Möglichkeit, um die Fahrgastzahlen zu steigern. In beiden Fällen liegen die derzeit nach Angaben Potsdams unter 50 Ein- und Aussteigern pro Tag.
Der Kaiserbahnhof, schon vor einigen Jahren liebevoll von der Stadt Joachimsthal saniert, gilt als einer der schönsten im Land. Doch wie sieht es in Golzow aus? MOZ sah sich um an der Station im Choriner Ortsteil.
Allein der Weg zum Bahnhof gleicht einem kleinen Abenteuer. Denn: Die Station liegt außerhalb des Ortes. Später messen wir eine Entfernung ab Dorfzentrum (Kirche Golzow) von 1500 Metern. Zwischen Ortsausgang in Richtung Senftenhütte und Bahnhof sind es mithin noch 600 Meter. Einen Wegweiser gibt es allerdings nicht. Der Ortsunkundige muss sich durchfragen. Auf der Rücktour entdecken wir ein kleines, abgebrochenes Schildchen an der Gabelung Alte Handelsstraße/Zum Moospfuhl/Senftenhütter Straße. Der Schriftzug ist nicht mehr vollständig. Ein Bus verkehrt nicht zum Bahnhof. Bleiben nur das eigene Auto, das Fahrrad oder per pedes.
"Oben von der Hauptstraße läuft man bestimmt eine halbe Stunde zu Fuß", schätzt ein junger Golzower, der am Bahnhof hockt und auf den Zug um 10.10 Uhr nach Eberswalde wartet. Er habe den Bus der Linie 922 in die Kreisstadt verpasst, zeigt er auf sein lädiertes Bein. "Ich kann im Moment nicht so schnell laufen", fügt er erklärend hinzu. Früher habe man im Bahnhofsgebäude noch Fahrkarten kaufen können, erinnert sich der junge Mann. Doch das sei lange her.
Das Empfangsgebäude ist offenbar seit Jahren verwaist, es hat die besten Zeiten hinter sich. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt. Die Dachpappe zerbröselt, die Dachrinnen lösen sich, das Unkraut sprießt. Vor dem Bahnhofsgebäude steht ein einfaches, "modernes" Wartehäuschen. Beschmiert mit Graffiti, ebenso wie der Bahnhof selbst. Parkplätze oder Fahrradständer? Fehlanzeige. Kein einladender Ort. Kein Service, nichts.
Dafür ist die ODEG pünktlich. Der junge Mann steigt ein, ebenso wie seine Begleiterin. Mehr Reisende gibt es nicht. Kein Passagier, der aussteigt. Es sind Schulferien. Auch im Zug scheint die Zahl der Fahrgäste übersichtlich.
Gleichwohl haben sich Amtsverwaltung und Amtsausschuss bereits 2011/12 für den Erhalt der Bahnstrecke Eberswalde - Joachimsthal und des Haltepunktes Golzow stark gemacht. Sowohl Berufspendler als auch Oberschüler und Lehrlinge seien auf den Zug angewiesen, heißt es in einem Schreiben. Vor 6.50 Uhr und nach 16.30 Uhr verkehre nämlich kein Linienbus von bzw. nach Golzow. Zudem sei ein Arztbesuch ohne Bahn kaum möglich. Problematisch sei es auch an den Wochenenden. Da sei die Bahn überhaupt die einzige Option. Für die Golzower wie für Touristen. Dank der neuen Ortsverbindungsstraße Golzow - Senftenhütte, mit Radweg, dürfte sich das Fahrgastaufkommen erhöhen, so die Hoffnung der Kommunalpolitiker.
Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn jetzt auf Anfrage erklärt, will das Unternehmen das ehemalige Empfangsgebäude verkaufen. Voraussetzung dafür sei eine Vermögenszuordnung der Zufahrt zur Immobilie und zum Gleis. Dies werde gerade durch das Amt Britz-Chorin-Oderberg geprüft, heißt es. Für das Gebäude gebe es bereits einen Interessenten, teilt DB weiter mit. Unabhängig davon werde man nach der Klärung des Wegerechts die Immobilie öffentlich ausschreiben. Das zweite zum Bahnhof Golzow gehörende Gebäude war bereits vor einigen Jahren veräußert worden, wissen Einheimische zu berichten.