Sie schreiben: "Eigentlich müssen sich kommunale, also unterstaatliche Tätigkeiten auf zwingende Bereiche der Daseinsvorsorge beschränken. Im Barnim hingegen wurde ein Netz aus Firmen aufgebaut, an deren Spitze ein CDU-Mitglied als Geschäftsführer gesetzt wurde, dessen Arbeit nur durch einen nicht-öffentlich tagenden Aufsichtsrat kontrolliert wird." Zuletzt übernommen wurde die Firma Kommunal- und Infrastrukturservice GmbH, "über deren finanzielle Situation der Gebührenzahler nichts erfahren würde".
Die Kreiswerke mit ihrer Tochtergesellschaft "Barnimer Dienstleistungsgesellschaft" zeichneten laut der drei Autoren verantwortlich, "dass im Barnim die Müllgebühren galoppieren". Vor zehn Jahren sei versprochen worden, "dass die Müllgebühren stabil bleiben. Seitdem sind sie um etwa zwei Drittel gestiegen – eine Erhöhung, die sich mit allgemeiner Inflation nicht erklären lässt."
Strese, Vida und Weller stellen in ihrer Mitteilung fest: "Zuletzt wurde mit der Einführung derBiotonne ein weiter Umweltfrevel begangen. Während in ländlichen Orten sehr viele Bürger ihre Bioabfälle kompostieren, wurde vor Kurzem eine Abfalltonne bereitgestellt, die als vorgeblich kostenlos angepriesen wurde. Durch die vermeintliche Gebührenfreiheit wurden viele verleitet, sich diese anzuschaffen. Die Folge ist, dass nun Dieselfahrzeuge den gesamten Landkreis abfahren, um den Biomüll einzusammeln, während er bisher umweltfreundlich vor Ort kompostiert wurde."
Die Kosten für die Tonne wurden demnach "in die Restmüllgebühren eingerechnet, um so ihre Kosten zu verschleiern und ihre vermeintliche Attraktivität zu erhöhen, was zu einem ökonomisch und ökologisch bedenklichen Ergebnis führte". Auch an der Barnimer Energiegesellschaft geht die Kritik nicht vorbei, die die Kreistagsfraktion vorbringt. Die Kreiswerke-Tochter habe ihren Ursprung in dem "vom Kreis zu verantwortenden Kaufversuch des Holzkraftwerks (Hokawe). Dieses sollte eine Energielieferung aus Holzeinschlag bringen – hierzu wären Wälder in einem Radius von 100 Kilometern in Beschlag genommen worden." Vida und seine Fraktionskollegen erinnern an die Geschichte. Nach der Insolvenz des Hokawe, 2014 dann der Versuch des Landkreises, das durch einen Brand beschädigte Werk zu kaufen. "Hierzu wurde die Barnimer Energiegesellschaft gegründet und mit Personal ausgestattet. Doch der Kauf des Hokawe scheiterte unter hohen Kosten für den Landkreis", heißt es in der Mitteilung. Sogar neue Aufgabenbereiche seien "erfunden" worden. Eine Anfrage an den Landtag habe die Landtagsfraktion außerdem gestellt, um Kosten zu klären.

Pachteinnahmen durch Private

Ein Vorwurf an die Kreiswerke folgt zur Errichtung von Windrädern. Dazu würden Privatinteressen einzelner Investoren bedient. "Die Verpachtung von Grundstücken zur Errichtung eines Windrades bringt dem Grundbesitzer 30 000 bis 40 000 Euro Pacht im Jahr, die dann gemäß Erneuerbare-Energien-Gesetz auf den Strompreis und somit alle Verbraucher umgelegt wird", so die drei Abgeordneten. Überkapazitäten blieben unberücksichtigt. BVB/Freie Wähler rechnen vor, dass durch nicht speicherbare Zusatzmengen an Strom – sogenannten Phantomstrom – und die Abschaltung der Windräder kein Beitrag zur Versorgung geleistet werde: "Für dieses energetische Nichts sind allein im Jahr 2019 rund eine Milliarde Euro an die Investoren der Windräder geflossen." Brandenburg habe den höchsten Strompreis Europas. "Ein angebliches Null-Emissions-Ergebnis" der Kreiswerke werde damit nicht erreicht.
Vida, Strese und Weller fordern: "Wenn die Kreiswerke bürgerschaftliches Engagement fördern wollten, sollten sie Bewohnern der ländlichen Räume Unterstützung beim Bau und Betrieb ökologischer Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen geben."
Die Fraktion wolle mit ihrem Schreiben "auf die ökologischen und gebührenbezogenen Probleme der Kreiswerke aufmerksam machen". Gebühren würden nicht unkritisch abgenickt.
Jedoch: Die Abfallgebührensatzung 2020 im Barnim wurde vom Kreistag Barnim mit großer Mehrheit beschlossen.