Gut 4,5 Millionen Kubikmeter Erdgas sind aktuell nötig, um Nordend, das Leibnizviertel sowie das Martin-Gropius-Krankenhaus mit Fernwärme zu versorgen. Dabei werden mehr als 8800 Tonnen CO2 ausgestoßen. Etwa 21 Prozent des Jahresbedarfs könnten durch Solarthermie, also durch erneuerbare Energie, ersetzt werden. Was wiederum weniger CO2 verursacht. Um rund 2000 Tonnen könnten die Kohlenstoffdioxid-Emissionen reduziert werden.
Seit etwa drei Jahren beschäftigt sich die EWE mit diesem Vorhaben. Ein Projekt, mit dem Eberswalde zu einer Art Vorreiter werden könnte, wie Oliver Ruch und Heiko Seelig am Dienstag beim Energieforum erklärten. Das Duo sprach von einem Baustein auf dem Weg zu einer "dekarbonisierten Energieversorgung", einem möglichen Einstieg im Wärme-Sektor. Dies vor dem Hintergrund des ambitionierten Zieles der Bundesregierung, bis 2050 deutschlandweit den Gebäudebestand weitestgehend klimaneutral zu gestalten.
Warum ausgerechnet Eberswalde als Pilotprojekt, als EWE-Premiere? In der Barnimer Kreisstadt verfügt die im niedersächsischen Oldenburg ansässige Aktiengesellschaft mit dem Grundstück am Rosengrund, an dem bis in die 1990er-Jahre hinein (auf Braunkohlebasis) ein Heizhaus betrieben wurde, über einen nahezu idealen Standort. Gut 20 000 Quadratmeter groß, nicht belastet, Leitungsnetz in unmittelbarer Nähe. Kurz: "Eine Industriebrache mitten in der Stadt", so Ruch. Fast perfekte Voraussetzungen, um genau dort eine solarthermische Anlage zu installieren. Das Potenzial habe man im Vorfeld u. a. mit dem Geoforschungszentrum geprüft. Mit Blick auf die angestrebte Effizienz wolle EWE von der Stadt Eberswalde ein benachbartes Grundstück mit etwa 6500 Quadratmetern erwerben. Der Beschluss dazu, so ergänzte Baudezernentin Anne Fellner, soll noch im April gefasst werden.
Weitergehende Studien würden folgen, so Ruch und Seelig. Vor allem sei zu prüfen, welche Solarmodule zum Einsatz kämen, ob eine Kombination mit Photovoltaik möglich ist und welche Speicher sinnvoll sind. Stehe die technische Lösung im Detail fest, könnte es sehr schnell gehen. "Die Anlage könnte innerhalb von drei Monaten aufgebaut sein", so das EWE-Duo auf Nachfrage. Wobei man für die Kollektoren mit einer Standzeit von 20 Jahren rechnet. Eine planerische Voraussetzung ist vorab noch zu schaffen: die Ausweisung des Standortes als Sondergebiet Erneuerbare Energien im Flächennutzungsplan, ergänzte Fellner.
In puncto Wärmepreis, so versicherte das Duo auf Nachfrage aus dem Publikum, sei es das erklärte Ziel, dass dieser für die Mieter "nicht steigt". Die EWE versorgt über das Blockheizkraftwerk (BHKW) an der Neuen Straße Tausende Verbraucher in Nordend, im Leibnizviertel sowie das Martin-Gropius-Krankenhaus mit Fernwärme. Von insgesamt 96 Objekten ist die Rede. Analoge Lösungen (per Fernwärme) gibt es in Finow sowie im Brandenburgischen Viertel.
Mit dem Projekt Rosengrund wolle und müsse das Unternehmen der Energiewende Rechnung tragen und sukzessive die fossilen Brennstoffe weiter ablösen, betonte Ruch. Dabei arbeite die EWE durchaus auch mit großen Wohnungsunternehmen zusammen. Etwa mit der städtischen WHG in Eberswalde. Aktuell realisiere man beispielsweise im Bebel-Quartier in der Altstadt ein Projekt gemeinsam – ein kleines BHKW für das Ensemble.
Das Projekt Rosengrund passe "hervorragend zu Eberswalde, zur Stadt der Nachhaltigkeit", befand Anne Fellner. Eigenen Angaben zufolge ist die EWE das fünftgrößte Energieunternehmen in Deutschland. In Brandenburg ist es u. a. mit Gas- und Wärmenetzen vertreten.
Öffentliche Sitzung des Hauptausschusses: 17. April, 18.15 Uhr, im Bürgerbildungszentrum, Puschkinstraße