Wenn Kinder sich auffällig entwickeln, haben Eltern viele Fragen und brauchen oftmals Hilfe. Im Barnim finden sie Unterstützung bei der Frühförder- und Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt. In Eberswalde hat die Einrichtung zum Jubiläum jetzt ihre Türen zu den neuen Räumen auf dem Bahnwerksgelände geöffnet.
Hängematten baumeln von der Decke. Gymnastikbälle sind aufgetürmt. Es gibt Kletterwände, Trampoline, Riesenbausteine aus Schaumstoff und vieles mehr – ganz klar, in der Frühförderstelle geht es vor allem um Spiel und Bewegung.
Kinder mit Auffälligkeiten in der Entwicklung oder Behinderungen lernen hier unter pädagogischer Anleitung, was sie weniger gut können als die Mehrzahl ihrer Altersgenossen. Rund 160 sind es zur Zeit an den beiden Standorten in Eberswalde sowie Bernau. „Es sind Kinder von der Geburt bis zur Einschulung, die mindestens einmal wöchentlich eine Förderung bei uns bekommen“, sagt Andrea Bubnow, die die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) leitet.
Der Bedarf ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2013 hatte die Stelle noch circa 120 Frühförderkinder. Vor allem die Zahl der Kinder, die von Behinderung bedroht sind, weil sie aus von Armut bedrohten und überforderten Elternhäusern kommen, denen Bildung weniger zugänglich ist, nehme zu. „Uns fällt auch auf, dass Eltern einen immer höheren Beratungsbedarf haben, immer unsicherer werden im Umgang mit ihren Kindern“, sagt die Frühförderchefin.
Seit 1993 gibt es das Angebot im Landkreis, anfangs mit nur einer Mitarbeiterin in Bernau. Drei Jahre später entstand in Eberswalde ein zweiter Standort, zunächst in einer Kita, dann in eigenen Räumen im Leibnizviertel. „Im Juni sind wir umgezogen“, berichtet Andrea Bubnow. Zu finden ist die Frühförderstelle nun im Ärztehaus auf dem Bahnwerksgelände an der Eisenbahnstraße 37a.
„Jetzt haben wir wirklich den letzten Nagel in der Decke. Und dann sind wir auch noch 25 Jahre am Start“, sagt die Leiterin. Zu einem Tag der offenen Tür empfing die Einrichtung deshalb am Mittwochnachmittag viele Gäste, vor allem Kooperationspartner wie das Team vom Barnimer Netzwerk für Gesunde Kinder. „Unsere Paten, die ja Kinder von null bis drei Jahren und deren Familien betreuen, werden von der Frühförderstelle geschult“, sagt Netzwerk-Koordinatorin Katrin Kaplick. „Je früher Eltern Informationen zu diesem Angebot bekommen, desto besser“, erklärt die Gratulantin.
Die AWO-Stelle ist Anlaufpunkt für Eltern, wenn Schwierigkeiten vor, während oder nach der Geburt auftraten oder wenn sie den Eindruck haben, dass sich ihr Kind auffällig entwickelt. Natürlich auch, wenn schon eine Behinderung festgestellt wurde, ergänzt Andrea Bubnow, die wie der Großteil der insgesamt zwölf Mitarbeiter selbst Diplom-Heilpädagogin ist.
Die meisten Kinder kommen in die Einrichtung. „Wir kommen aber auch in die Kita oder nach Hause“, sagt sie. Spielerisch wird genau das gefördert, was für das jeweilige Kind schwierig ist. „Das können Wahrnehmungsschulungen, motorische Angebote oder Konzentrationstraining sein.“ Für die Bereiche Hören, Sehen und Autismus haben sich Mitarbeiter speziell qualifiziert.
Die Räume – unter anderem ein Psychomotorik- und ein Snoezelenzimmer – sind bewusst reizarm gestaltet. So könne die Umgebung für jedes einzelne Kind und jede Förderstunde gezielt vorbereitet werden, sagt Bubnow. Mit Therapien wie etwa Ergotherapie und Logopädie sei das Angebot aber nicht zu verwechseln. „Uns unterscheidet, dass immer die Eltern mit dabei sind und der Beratungsanteil der Eltern auch eine große Rolle spielt.“ Zudem gehe es immer um eine ganzheitliche Förderung.
Mit den neuen Räumen in Eberswalde hat sich die Einrichtung zwar nicht vergrößert. Andrea Bubnow und ihr Team sind dennoch sehr zufrieden. An der früheren Adresse mussten Eltern auf dem Weg zur Frühförderung erst einmal alle Büros passieren. „Die Struktur ist jetzt viel klarer.“