Schon mit ihren ersten Worten hatte Kirsten Fuchs ihre Zuhörer für sich gewonnen. "Euch gratuliere ich zu dieser Veranstaltungsreihe und der Stadt zu diesem Publikum", sagte sie, bevor sie für mehrere Episoden aus "Mädchenmeute" in die Rolle der 15 Jahre alten Ich-Erzählerin Charlotte Nowak schlüpfte, die ihre Schüchternheit in einem wilden Sommer voller unfreiwilliger Abenteuer besiegt. Anfangs fühlt sich das Mädchen im Vergleich zu Älteren noch wie eine Fruchtfliege, später begegnet ihr sogar die erste Liebe ... Das alles ist treffend komisch beschrieben und weckt dennoch Sympathie.
Die Schriftstellerin unterbrach immer wieder kurz ihre Lesung, um die Besucher direkt anzusprechen. Als sie sich das erste Mal versprach, griff sie umgehend zu einem Glas Wasser. "Das halte ich immer so. Nur dass ich sonst ja meist eher abends auftrete und nach jedem Versprecher Bier trinke, was in der Konsequenz meine Fehler-Frequenz erhöht", scherzte Kirsten Fuchs.
Der Beifall des Publikums war ihr sicher - auch zur Freude des Guten-Morgen-Veranstalters Udo Muszynski, der innerhalb der Erfolgsreihe zwei-, dreimal pro Jahr zu Lesungen einlädt und mit der steigenden Resonanz durchaus zufrieden ist. "Die Aufgeschlossenheit für anspruchsvollere Kulturformate wächst", sagte er.
"Es ist doch gerade die Vielfalt, die jeden Sonnabendvormittag aufs Neue zum Erlebnis macht", fand Roland Krenz aus Bad Freienwalde, der von sich behauptet, bei den meisten der 404. Ausgaben dabei gewesen zu sein. Langeweile habe er hier noch nie erlebt. Auch für Susanne Potocsar aus Eberswalde ist Guten Morgen eine immer wieder überraschende Wundertüte. "Mit meinen Zwillingen gehe ich besonders gern zu Theatervorstellungen. Aber wir sind auch auf alle anderen Genres neugierig", verriet sie.
Am kommenden Sonnabend ist ab 10.30 Uhr das Red Dog Theater aus Berlin mit "Alice im Wunderland" zu Gast.
"Kaum macht man mal was falsch, ist das auch wieder nicht richtig", Voland & Quist, 2014, ISBN 978-3-86391-086-0, "Mädchenmeute", Rowohlt, 2015, ISBN 978-3-87134-764-1