Fast mädchenhaft wirkt Renée Reichenbach. Dabei steckt in der Hallenserin, die gebürtig in Jena ist, über den Töpferhof Römhild ihren Weg zur Burg Giebichenstein fand und heute der International Académy of Céramique in Genf angehört, sehr viel Zielstrebigkeit und Kraft. Denn ihren Ton schlägt sie mit einem Nudelholz weich, ehe er zu Platten verarbeitet und später zu keramischen Gebilden konstruiert wird. „Ton-Räume“ heißt die Schau, die bis 2. November im Kloster Chorin zu sehen ist. Die Objekte hat die 64-Jährige, die mit dem renommierten Bildhauer Christoph Reichenbach verheiratet ist, eigens für diese Räume gefertigt.

Reichenbach hat sich politisch nie verbiegen lassen

Egal, ob die Gefäße und Gebilde rund oder elliptisch daherkommen, von goldenen Krönchen verziert oder Abdrücke von Naturmaterialien und Stoffen tragen: Alles fertigt die Künstlerin aus Tonplatten. Kristine Bake, die zur Vernissage im Kloster die Laudatio hielt und viele Gespräche mit der Hallenserin geführt hat, bezeichnete die Objekte als einzigartig. „Aus einem Klumpen Ton entstehen Kunstwerke“, sagte die Freundin. Obwohl Renée Reichenbach auch Generationen von Studierenden betreut und mit Nachwuchskeramikern gearbeitet hat, ließ sie sich nie verbiegen, so Bake. Sie war nie für ein Themenjahr tätig oder wollte dem politischen Trend gefallen. Stattdessen verfolgte sie ihre Intention und fand eine eigene Formensprache.

Ambivalenz des Themas Grenze

Manchmal besprüht sie die Arbeiten mit hauchdünnem, flüssigen Porzellan. Ein anderes Mal legt sie Intarsien ein oder verschiedene Muster. Sogar Nägel werden eingeschlagen, um später mit dem Ton zu verschmelzen. Die Objekte muss der Betrachter entdecken. Sie nennt sie Signum oder fordert zum Denken heraus. Die Panzersperren ähnelnden Arbeiten setzen bewusst das Thema Grenze in Bezug – ob im Innersten des Menschen oder als Grenze des Lebens. Ihre Arbeiten sehen architektonisch durchgeplant, ja gebaut aus und lassen doch so viel Spielraum für den freien Geist. Es gibt zarte Kannen, Elfenbeinzähne, geschwungene, ja subtile Formen und Sprachen darin.

Filigranes hinter den Mauern des Klosters Chorin

Bescheiden antwortet Renée Reichenbach auf Fragen der Besucher. Sie hat wie alle Künstler schwierige Zeiten hinter sich und freut sich über die Möglichkeit, an dem faszinierenden Ort auszustellen. Mehrmals hat sie die Räume angeschaut. nun stehen riesige Vasen und zarte Gebilde in den roten Backsteinmauern. Für die Choriner Klosterleiterin Franziska Siedler ist die Ausstellung, die als erste seit Ende 2018 wieder im Infirmarium zu sehen ist, ein großes Glück. Alle Objekte sind auch käuflich zu erwerben. Zu sehen ist die Ausstellung täglich von 9 bis 18 Uhr und ab 25. Oktober bis 2. November von 10 bis 16 Uhr im Infirmarium des Klosters in Chorin.