Goethes Dramen, Englisch, Spanisch und Französisch, "Holzhandel" und eine "Einführung in die Pflege des Kindes" gehörten dazu. Im Winterhalbjahr 1919/20 legte die Volkshochschule in Eberswalde ihr erstes Programm vor. 29 Kurse waren damals im Angebot. Zur Abendschule ging man ins Städtische Lyzeum, in die Bürgerschule am Grabowplatz, ins Gymnasium an der Eisenbahnstraße und in die Forst-akadamie.
Wie viele andere Volkshochschulen bundesweit feiert die Kreisvolkshochschule (VHS) Barnim mit den Standorten Eberswalde und Bernau in diesem Jahr also ein besonderes Jubiläum. Bildung für alle – der Gedanke geht auf die Weimarer Republik zurück. "Das Preußische Bildungsministerium wollte damals höhere Bildung auch an neue Schichten der Bevölkerung herantragen, um sich die Staatsbürger im Sinne dieser neuen Republik zu bilden", sagt Christine Schäfer, die die Barnimer Einrichtung in ihrer heutigen Form leitet.
Lange Nacht zum Geburtstag
Mehr über die Geschichte der Volkshochschule ist bei einer Jubiläumsveranstaltung am 1. November im Paul-Wunderlich-Haus zu erfahren. Sie blickt auf 100 Jahre Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen zurück. Geburtstag gefeiert wird zudem am 20. September. Zur ebenfalls deutschlandweit ausgerichteten "Langen Nacht der Volkshochschulen" gibt es in Bernau einen Workshop zur Chinesischen Kalligraphie und in Eberswalde eine Nachtwanderung durchs Schwärzetal. "Dafür kann man sich auch noch kostenfrei anmelden", sagt Christine Schäfer. "Das ist sozusagen unser Jubiläumsgeschenk an die Teilnehmenden."
Auf das besondere Jubiläum verweist zudem die große "100" auf dem aktuellen Programm. Die gerade erschienene Broschüre, die vielerorts zum Mitnehmen ausliegt, ist weitaus üppiger als die damals 40 Pfennig teure des Gründungsjahres. Insgesamt 524 Bildungsangebote stehen Besuchern im Volkshochschuljahr 2019/20 zur Wahl.
Die Teilnehmerzahl sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt Schulchefin Schäfer. 2018 etwa haben mehr als 4400 Barnimer die Kurse belegt. Mit knapp 2000 kam die Hälfte dabei aus Eberswalde. Weiblich, berufstätig und im mittleren Alter, so lässt sich der typische Kursbesucher beschreiben. Frauen stellen zwei Drittel der Teilnehmer. Am stärksten vertreten unter ihnen sind die 35- bis 64-Jährigen.
Das Hauptinteresse gilt heute wie einst den Sprachen. "Nach wie vor sind diese Kurse unser stärkstes Segment", sagt Christine Schäfer. Deutsch und Englisch liegen vorn. Gebärdensprache ist eine der Besonderheiten im Programm. Neu dabei ist Persisch – neben Chinesisch und Arabisch ein eher exotisches Angebot.
Stärker ausgebaut habe die Einrichtung aktuell Angebote wie "Auftanken im Berufsalltag" oder "Stressreduktion im Berufsleben", die als Bildungsurlaub anerkannt sind. Neu hinzugekommen ist im frisch gedruckten Programm zudem der komplette Bereich "Persönlichkeitsentwicklung und Psychologie".
Die große Diskussion zu digitalen Angeboten der Volkshochschulen gehe auch am Barnim nicht vorbei, bestätigt Christine Schäfer. Der kaufmännische Bereich etwa werde mit bundesweiten Webinaren des VHS-Verbandes abgedeckt, die online zuhause besucht werden. "Das ist sinnvoll, weil wir im ländlichen Bereich Schwierigkeiten haben, Dozenten zu gewinnen", sagt die Volkshochschulleiterin. Darüber hinaus sei der Tenor bei Befragungen aber ein anderer: "Die Teilnehmenden schätzen es sehr, dass es das Angebot und den persönlichen Kontakt vor Ort gibt."
Das Gros der Kurse startet im September. Anmelden kann man sich online unter www.kvhs.barnim.de.