„Wegen Krankheit geschlossen“ hieß es am Montag im Hort „Am Albrechtsberg“. Sämtliche Erzieherinnen sind ausgefallen. Der Träger konnte nach eigener Aussage keinen Ersatz beschaffen, bemüht sich aber. Die Eltern sind zum Teil außer sich.
Die Hiobsbotschaft erreichte die Eltern am Freitag. Per Post von der Amtsverwaltung aus Britz. Zudem prangte an der Einrichtung ein Schild: „Liebe Eltern, der Hort bleibt ab 12. März 2018 geschlossen. Die Hortleitung“. Nadine Lemcke, deren achtjährige Tochter die Einrichtung besucht, ist fassungs- und beinahe sprachlos. Wie bloß sollen die Betroffenen übers Wochenende eine Betreuung für den Nachwuchs organisieren? Viele sehen sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Träger sperre zu, und die Eltern müssten nun sehen, wie sie das Problem lösen.
„Dabei hat sich das schon über Wochen angedeutet.“ Seit Längerem gebe es im Hort personelle Schwierigkeiten, zwei der vier Erzieherinnen fielen aufgrund von Krankheit nicht nur kurzzeitig aus. „Weshalb man uns bereits gebeten hat, wenn möglich, die Kinder früher aus dem Hort abzuholen“, schildert Lemcke die Situation. „Und Hausaufgaben wurden zuletzt auch nicht mehr erledigt.“ Üblicherweise sei die Kita „Oderberger Rasselbande“, etwa im Fall planmäßiger Schließzeiten, die Alternative für den Hort gewesen. „Aber auch in der Kita sind nur noch zwei Erzieherinnen. Die Einrichtung steht selbst kurz vor der Schließung, wie das Amt in dem Schreiben vom 8. März angedeutet hat, so dass diese Variante ausscheidet.“
Wie also sich behelfen? Nadine Lemcke hat nach eigener Aussage „noch Glück“. Die 38-jährige Oderbergerin, obwohl alleinerziehend, habe zum einen einen „kulanten Arbeitgeber“, zum anderen eine Großmutter im Ort. „Ich fange morgens halt später an, damit ich früh noch meine Tochter zur Schule bringen kann. Und nach dem Unterricht holt die Oma, die nur bis mittags arbeitet, die Kleine wieder ab.“ Andere Eltern indes, weiß Lemcke, seien in der Klemme, wüssten sich kaum noch einen Rat. „Keine Frage: Für den Krankenstand kann niemand etwas. Aber durch das Hortteam ist aufgrund der Engpässe immer wieder Verstärkung angefordert worden. Es ist einfach nichts passiert“, ärgert sich die Mutter, die auf die Betreuung angewiesen ist, da sie auswärts arbeitet. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die vollen Platzgebühren kassieren, und dann …?!“ Da am Freitag im Rathaus Britz niemand mehr erreichbar gewesen sei, haben sich die betroffenen Eltern wegen des Dilemmas an den Barnimer Kita-Elternbeirat gewandt.
Jörg Matthes, Amtsdirektor von Britz-Chorin-Oderberg, ist sich nach eigenem Bekunden der „prekären Situation“, die durch die Schließung des Hortes für die Eltern entstanden ist, durchaus bewusst. Aber ganz ohne Personal ginge es nun mal nicht. Am Freitag hätte sich eine Kollegin, die letzte, „noch krank“ zur Arbeit geschleppt, um zumindest an dem Tag die Betreuung abzusichern. Erzieherinnen von anderen Kitas konnte das Amt nicht abziehen. Aufgrund der grassierenden Grippe sei die Lage überall äußerst angespannt. In der Oderberger Kita arbeiten in der Tat momentan nur zwei Erzieherinnen, so Matthes am Montag. Für Dienstag erwartet er dort Verstärkung aus Brodowin.
Und im Hort? „Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, und zwar einer möglichst schnellen“, versicherte der Verwaltungschef. Man versuche, pensionierte Kita-Erzieherinnen zu gewinnen. Der Amtsdirektor hofft, dass ehemalige Kollegen kurzfristig in die Bresche springen und der Hort wieder geöffnet werden kann. Gleichzeitig wolle man das Ehrenamt einbinden. Damit greift die Verwaltung offenbar einen Vorschlag der Eltern selbst auf. Die haben laut Lemcke zum Teil ehrenamtlichen Einsatz in der Not angeboten. „Alles ist besser als eine Schließung“, so die Mutter. Am Nachmittag hieß es dann aus dem Rathaus: „Ab Dienstag ist im Hort eine Aufsicht sichergestellt.“
Die aktuelle Krankheitswelle zeige, dass die Personalreserve für die Kitas nicht ausreicht, räumte Matthes ein. Das Amt halte anderthalb Stellen über dem gesetzlich vorgeschriebenen Maß vor. „Wir werden uns dort also langfristig Gedanken machen müssen, auch im Sozialausschuss des Amtes.“
In Eberswalde war es vorige Woche wegen der Grippe in der Kita „Regenbogen“ kurzzeitig im Hort zu einem Personal-Notstand gekommen. Der Träger, die Volkssolidarität Barnim, bat die Stadt um Hilfe, die die Betreuung übernahm.