Aber kein Wunder, dass der Kleine traurig ist: Für Kinder gibt es viel zu entdecken auf dem verwinkelten Festgelände. Neben klassischen Attraktionen - Ständen mit Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, einem Karussell und einer Hüpfburg in Giraffenform - ist schon am Eingang eine Neuerung nicht zu übersehen. Vorm Hintergrund des vielen Grüns fliegen Kinder in die Höhe, gehalten von Bändern, die links und rechts an einem Gurt befestigt sind. Als Bungee-Trampolin haben die Veranstalter, der Stadtteilverein Westend, diesen Programmpunkt angekündigt.
Einer der Organisatoren ist Danko Jur. Er hat die Gruppe vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Mittlerweile findet das Parkfest, dieser "Höhepunkt des Vereinsjahres", wie Jur sagt, zum vierten Mal statt. "Man merkt auch in den Gesprächen der Besucher: Die Veranstaltung hat sich etabliert", konstatiert er.
Tatsächlich ist der Zuspruch beträchtlich, wohl auch, weil das Wetter freundlich bleibt. Nach Zählungen der Veranstalter kommen am Freitagnachmittag bis zu 400 Menschen zum traditionellen Tortenanschnitt und der Kaffeehausmusik des Brandenburgischen Konzertorchesters. Am Abend seien es sogar doppelt so viele, als die Band Steppenwolf Songs von Peter Maffay covert. Dahinter verbirgt sich das Berliner Double Andreas Engel, nicht die gleichnamige US-Rockband, die in den 60er-Jahren Hits wie "Born To Be Wild" hatte.
Noch größer ist der Andrang am Sonnabend, als nach einem familiären Nachmittag mit Kindershow und Clownereien, Dixie-Kapelle und Fritz Derkows Heimatliedern die Queen-Tribute-Band Break Free ihren Auftritt hat. Mehr als 1500 Menschen drängen sich vor der Bühne oder schauen von den Bierbänken davor zu, wie die italienische Kombo die Hits von Freddie Mercury zelebriert.
Dass der Verein das Programm bei freiem Eintritt anbieten kann, ist laut Jur der Unterstützung durch die Stadt und einem Dutzend lokaler Unternehmen zu verdanken. Den Rest stellen die Initiatoren selbst auf die Beine. "Ich bewundere alle, die so was ehrenamtlich organisieren", sagt Melanie Glawion, die mit ihrem Mann Günter zum Fest gekommen ist. Aber kann es dem Verein auf diesem Weg gelingen, den Bewohnern des Stadtteils zu mehr eigener Identität zu verhelfen? "Das ist schon ein Weg, ja", findet Günter Glawion, der seit 1954 in Westend lebt.
Aus Ostend sind Evelyn Baumann und Guido Rücker angereist. "Wir verbinden das immer mit einer Radtour", sagt er. "Im letzten Jahr waren wir auch schon hier", ergänzt sie. Dass die Organisatoren beim Parkfest so stark auf Kontinuität setzen, sieht Evelyn Baumann nicht nur positiv: "Es könnte auch mal etwas anderes geben", sagt sie. Hauptgrund für ihr Kommen sei aber sowieso ihr Sohn, der sechsjährige Tim. Und was hat ihm am besten gefallen? "Alles", antwortet er und versteckt sich hinter seinem Softeis.