Der Regen prasselt aufs Zirkuszelt, Windböen zausen an den bunten Planen. Doch drinnen ist die Stimmung gut. Die Musik vom Band läuft immer schneller, während Valentin Müller und Farhan Hassan zeigen, was sie eingeübt haben.
Valentin Müller ist Teilnehmer des Projekts "Circus Movies", das sich an Kinder aus dem Brandenburgischen Viertel zwischen acht und elf Jahren richtet. Auf einem Stock dreht er rote, grüne, blaue, gelbe Plastikteller und hievt sie dann mit einem mutigen Ruck auf den Kopf von Farhan Hassan.
Inmitten der prächtigen Afro-Frisur des Somaliers türmen sich die Teller auf, zuletzt 21 Stück, bis sie Hassan, der 24-jährige freiwillige Helfer, mit einer unbekümmerten Verbeugung auf den Boden krachen lässt. Sehr zur Freude der jungen Projektteilnehmer, die um die beiden herumsitzen. Auch sie tragen am Sonnabendnachmittag zum Programm des "Circus Movies"-Festes bei.
Mit weißen Masken, die sie selbst gebastelt haben, führen sie Pantomime auf, um danach ihr sportliches Können unter Beweis zu stellen. Rolle vorwärts, Rolle rückwärts, Standfiguren, Brücke und sogar Spagat zeigen die jungen Zirkusleute. Perfekt muss das alles nicht sein.
Vielmehr ist es die Idee der Initiatoren von Wuckizucki - eines Vereins zur Nachwuchsförderung, der seit 2011 in Biesenthal ansässig ist -, Zirkus nicht als Leistungssport zu verstehen. "Du hast zwei Stunden geübt, damit kannst du dich schon zeigen", erklärt Mitglied Beate Gollnast. Ihre Mitstreiterin Christina Wendt ergänzt: "Die wichtige Arbeit findet jeden Dienstag statt, nicht bei der Präsentation."
Seit Januar sind sie dienstags in der Reki-Sporthalle im Brandenburgischen Viertel zu Gast, um den Kindern von 15.30 bis 17 Uhr die Gelegenheit zu bieten, sich unter professioneller Anleitung in etlichen Spielarten auszuprobieren: von Sport über Akrobatik und Clownerie bis hin zu Jonglage und Theater. Alles unentgeltlich, anfangs als ehrenamtliches Projekt, mittlerweile aber gefördert über das Programm "Kultur macht stark" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. "Wir haben in dem Dreivierteljahr bestimmt schon 100 Kinder erreicht, die aktiv teilgenommen haben", sagt Beate Gollnast.
Dabei geht es aber nicht nur darum, den Kindern neue Betätigungsfelder zu erschließen, sondern auch darum, ihre Wahrnehmung des Wohnumfeldes zu schärfen. "Wir wollen die Kinder für ihr Viertel sensibilisieren", erklärt Vereinsmitglied Sarah Haller. Deswegen hat sich ans "Circus Movies"-Projekt auch eine Fotoaktion angeschlossen: Mit Einwegkameras sind die Kinder durchs Brandenburgische Viertel gelaufen, haben ihren Alltag fotografiert und anschließend darüber gesprochen, was ihnen gut gefällt und was eher nicht. Die Ergebnisse sind am Sonnabend in einer kleinen Ausstellung zu sehen.
Ursprünglich sollte diese Aktion mit Filmkameras stattfinden - daher auch der Zusatz "Movies" im Titel des Projekts. Doch dann haben sich die Initiatoren dafür entschieden, die bewegten Bilder auf Fotos abzuspecken; einfach, damit die technischen Hürden so niedrig wie möglich sind. "So konnten wir eine Komplett-Beteiligung ermöglichen", sagt Beate Gollnast.
Dass sich das Ganze überhaupt im Brandenburgischen Viertel abspielt, hat einen einfachen Grund. Gestartet ist die Aktion in der inzwischen geschlossenen Notunterkunft für Geflüchtete in der Eisenbahnstraße. "Von dort kam der Wunsch, etwas für die Kinder anzubieten", erklärt Christina Wendt. In der Folge seien die Familien nach und nach ausgezogen und größtenteils im Brandenburgischen Viertel gelandet. "Dann ist der Zirkus mit den Kindern mitgezogen."
Fürs "Circus Movies"-Fest kooperiert der Verein Wuckizucki nun auch mit der Stadt Eberswalde und anderen Gruppen, die vor Ort aktiv sind. So bietet das Quartiersmanagement auf der Wiese Waffeln an, der Verein Palanca übernimmt den Getränkestand.
Die gemeinsame Feier bedeutet aber nicht, dass das Zirkusprojekt sein Ende gefunden hat. "Die Halle ist bis Dezember gebucht", sagt Christina Wendt. Doch auch darüber hinaus soll es weitergehen, notfalls wieder ehrenamtlich. "Die Kinder fragen nach und wollen weitermachen", berichtet sie.
Nun hofft die Gruppe auf eine Anschlussfinanzierung, da die Fördermittel bereits in diesem Monat auslaufen. Auch zusätzliche Helfer sind sehr willkommen, wie Christina Wendt erklärt: "Wir suchen Freiwillige, die Lust haben, uns zu begleiten."
Kontakt: Telefon 0177 3733467, www.wuckizucki.wukania.net