Das Tor zur Provinz wird abgebaut. Der rote Teppich ist eingerollt, ebenso wie die Leinwand. Der Saal gehört wieder der Kreisverwaltung und der Politik. Die 16. Ausgabe des Eberswalder Filmfestes "Provinziale" ist Geschichte.
Am Samstagabend fand sie im Paul-Wunderlich-Haus – nach sieben langen Filmabenden und 15 Wettbewerbsblöcken – mit der Preisverleihung und einer großen Party ein rauschendes Finale. Doch bevor die Juroren und die Organisatoren das Geheimnis um die Gewinner lüfteten, zog Festivalleiter Kenneth Anders ein erstes Resümee: "Nicht zu laut, nicht zu leise" sei es gewesen, das Filmfest 2019. Kritisch und zugleich humorvoll. "Genau so, wie wir es haben wollten." Und: Ein Festival der Kommunikation.
Lob für Eberswalder Festival
Sowie ein Wettbewerb mit Beiträgen, die es der Jury wieder einmal richtig schwer gemacht haben. Etwa den Preisrichtern in der Kategorie Sonderpreis "Der Stachel", gestiftet von der HNE für Filme, die in besonderer Weise den Blick auf das Thema Nachhaltigkeit, auf das Unbequeme, richten. Erst ein Perspektivwechsel, so erzählte Jurorin Anja Neumann, der Aufstieg auf den Turm der Maria-Magdalenen-Kirche, habe unter den Nominierten die Entscheidung gebracht. Für "Der einsame Kampf des Thomas Ried". Eine Dokumentation, die die einsame Schlacht eines irischen Farmers gegen die Versuche der staatlichen Landbeschaffung rekonstruiert. Regisseur Feargal Ward bedankte sich per Videobotschaft. Seinen Preis, das "e", persönlich entgegennehmen konnte indes Regisseur Ibadylla Adjibaev. Seine Kurzdoku "Lehrer" gewann einen Publikumspreis. "Ich habe mich so verliebt in diese kleine, ruhige Stadt", machte der Kirgise Eberswalde und den Eberswaldern ein Kompliment. Adjibaev, erstmals bei der Provinziale vertreten, war das gesamte Festival über vor Ort und er habe er sich viele Beträge angeschaut. Das Besondere am Eberswalder Wettbewerb sei der "familiäre" Charakter. "Man findet hier Freunde", erzählte er später beim Abschlussfest. Und er habe sehr viel gelernt, freute sich der Filmemacher.
Traktorenballett ausgezeichnet
Völlig überrascht zeigte sich ebenso die Gewinnerin des Hauptpreises. Des "e" in der "Königsdisziplin": langer Dokumentarfilm. Die Trophäe, dotiert mit 4000 Euro, ging an Jasmina Wójcik für "Symphonie der Ursus  Fabrik", eine Doku, die vom Aus der Landmaschinenfabrik Ursus und dem industriellen Strukturwandel in Polen erzählt. Aus Danzig bedankte sich die Regisseurin. Nach der Fertigstellung ihrer Doku habe sie zunächst gedacht, ihr Film sei "zu hermetisch", zu "lokal", bekannte sie. Jetzt könne sie feststellen, dass der Film "doch universell" sei.
Das sah auch die Jury so. "Rituell empfinden sie (die früheren Mitarbeiter – d. R.) einen früheren Arbeitstag nach, gipfelnd in einem aufwändigen Traktorenballett, das jedem hochbudgetierten Hollywoodmusical zur Ehre gereichen würde", hieß es in der Begründung. Das Preisgeld, so verriet Wójcik, ermögliche ihr das nächste Projekt. Eine Doku, die vielleicht bei der 17. Provinziale zu sehen ist.

Die Preisträger auf einen Blick


Jurypreis Dokumentation lang: "Symphonie der Ursus Fabrik", Polen

Jurypreis Kurzspielfilm: "New Year’s Eve", USA

Publikumspreis Doku lang: "Wenn Tomaten auf Wagner treffen", Griechenland

Publikumspreis Dokfilm kurz: "Lehrer", Kirgisistan

Publikumspreis Animationsfilm: "Unvergesslich", Frankreich

Publikumspreis Kurzspielfilm: "2. Klasse", Schweden

Sonderpreis "Der Stachel": "Der einsame Kampf des Thomas Reid", Irland red