Im Moment halten sich, zumindest in der öffentlichen Debatte, Befürworter und Gegner der Telekomstraße die Waage. Während Geschäftsleute und Unternehmer sich mit dem Ausbau der Straße wirtschaftliche Vorteile versprechen, befürchten Anwohner zunehmende Verkehrsbelastungen. "Die Interessengemeinschaft wird sich mit Vertretern beider Seiten an einen Tisch setzen. Geschichtlich gesehen, war die Ortsverbindung immer eine Handelsstraße. Deshalb gibt es auch in Biesenthal sehr viele Unterstützer für die Wiederertüchtigung der Straße", sagt Holger Kalinka, der in Rüdnitz zu Hause ist, in Finow auf dem Flugplatzgelände aber seit Jahren seine Firma Kapi-electronics betreibt. Das Thema Telekomstraße habe auch schon das Mittelstandshaus Bernau sowie die SPD-Fraktion der Biesenthaler Stadtverordnetenversammlung beschäftigt, fügt der ehrenamtliche Gemeindevertreter hinzu.
Am Freitag soll es außerdem ein Treffen mit dem Lions Klub des Niederbarnims geben. "Wir wollen uns Leute ins Boot holen, die etwas bewegen wollen. Mit der Telekomstraße gebe es eine schnellere Anbindung an den Verkehrslandeplatz, an die Autobahn, an die S-Bahn Bernau und umgedreht an Familiengarten und Schwimmbad baff. Unterm Strich hätten vermutlich die Finower weit mehr Vorteile von der Ortsverbindung", fügt Kalinka hinzu.
Ein Verfechter der kurzen Ortsverbindung nach Biesenthal ist auch Optikermeister Dietmar Ortel. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Interessengemeinschaft. "Verkehrsverbindungen der Region untereinander sind enorm wichtig", sagt Ortel und hat dabei auch die medizinische Versorgung im Blick, die im Stadtteil Finow seiner Meinung nach um einiges schlechter geworden ist.
Für den Vorstand des CDU-Stadtverbandes, der sich Anfang des Monats mit dem Infrastrukturprojekt beschäftigt hat, könnte die Straße für Finow durchaus förderlich sein. . "Sie wäre eine direkte Verbindung zwischen dem Ober- und Niederbarnim und davon könnte der gesamte Landkreis profitieren", ist auch CDU-Bundestagsabgeordneter Jens Koeppen nach einer Probefahrt überzeugt. "Die Entscheidungsträger sollten nun versuchen, einen Konsens herzustellen und das Machbare für alle beteiligten hinzubekommen und dabei die Interessen der Anwohner, der Unternehmen in Eberswalde, Finow und im Landkreis, aber auch die der Natur einbeziehen", seine Empfehlung.
Doch genau da liegt die Schwierigkeit. Noch ist die Telekomstraße, die auf Vorschlag der CDU in Barnimstraße umbenannt werden soll, eine Straße des Landes, fällt damit in die Zuständigkeit des Landesbetriebes Straßenwesen. Eine Umstufung als kommunale Straße soll erst erfolgen, wenn die B 167 neu gebaut wird. Der Kreistagsbeschluss, die Ortsverbindung dann auszubauen, ist mittlerweile auch schon zehn Jahre alt.
Bei den Stadtverordneten wird die Straße im Herbst wieder eine Rolle spielen. Zurzeit prüft die Verwaltung vier mögliche Varianten: Entwidmung der Straße, Ausbau als Ortsverbindungsstraße, als Fahrradstraße oder als reiner Radweg. "Wir werden in aller Sachlichkeit alle möglichen Szenarien mit ihren Vor- und Nachteile ermitteln. Eine Empfehlung muss der Bauausschuss geben", sagt Baudezernentin Anne Fellner. Am Dienstag hat sie sich dazu auch mit dem Amtsdirektor von Biesenthal-Barnim André Nedlin und Biesenthals Bürgermeister André Stahl getroffen. Gespräche soll es jetzt auch mit dem Landesbetrieb Straßenwesen und dem Infrastrukturministerium in Potsdam geben. "Wenn die Ortsverbindung ausgebaut wird, müsste auch die Biesenthaler in Angriff genommen werden. Das heißt, auf die Anwohner kommen Kosten zu", nennt Anne Fellner eine mögliche Auswirkung.