An der L23 zwischen Joachimsthal und der Auffahrt auf die A11 verweist ein Schild auf einen Zeltplatz in 200 Metern. Wer nicht gut schätzen kann oder kein Navi hat, läuft Gefahr dran vorbeizufahren. Von der Landesstraße führt nur ein Waldweg hinein, der mit dem Auto normalerweise gar nicht befahren werden darf. Es sei denn als Gast des Campingplatzes am Tiefen Bugsinsee. Dort zwischen alten Buchen und Kiefern soll er schon seit den 70er-Jahren existieren.

Werbellinsee und großer Grimnitzsee als Nachbarn

Vielleicht liegt es an der prominenten Nachbarschaft – dem Touristen-Magneten Werbellinsee und dem großen Grimnitzsee im Norden, dass der kleine See mit seinen wilden Badestellen kaum beachtet wird. Das mit der Tiefe ist am Tiefen Bugsin auch so eine Sache. Erfahrene Angler wollen mit Sonar gemessen haben, dass die angeblichen neun Meter bei weitem nicht mehr erreicht werden.
Der Blick auf die Karte zeigt, den Tiefen Bugsin durch einen Bahndamm in zwei Hälften geschnitten. Früher soll er mal zusammengehört haben. Auf der anderen Straßenseite der L23 befindet sich dann noch das Pendant, der Flache Bugsinsee, mittlerweile fast vollständig verlandet. Es ist ein Schicksal, das bei weiteren trockenen Jahren auch dem Tiefen Bugsinsee droht. Wie schnell das Wasser verschwindet, zeigt ein Ponton, der nun auf dem Trockenen steht, und einst im See geschaukelt sein soll, berichtet der Vize-Chef des Campingplatzvereins Reinhard Otto (67).

Zelt, Klappfix, Wohnwagen

Als wir ihn und den Vorsitzenden Bernd Schmidt (69, Name auf Wunsch geändert) vor Ort treffen, wird es allmählich schummrig. Bernd ist Berliner und fährt erst seit sechs Jahren raus an den Bugsinsee. Reinhard schon seit 1980 – erst mit Zelt, später mit Klappfix, heute mit dem Wohnwagen. „Damals gehörte der Platz zum Zweckverband Erholungswesen Altenhof“, erklärt der Wandlitzer mit dem sächsischen Akzent. Heute ist das Areal mit einer maximalen Personenzahl von 48 in der Hand des Vereins, der es von der Forst pachtet.
Die Campingsaison ist nun fast vorbei. Der Platz darf nur saisonal genutzt werden. Offiziell ist daher in weniger als zwei Wochen Schluss. Noch harren trotz der kühleren Abende einige Camper aus. Sie sitzen am Feuer oder im Vorzelt und sind, soweit das zu sehen ist, alle in bequeme Freizeitkleidung gehüllt. Das mag am Wetter liegen, handelt es sich doch ausdrücklich um einen FKK-Campingplatz.

Kein Anschluss für Strom und Wasser

Doch beschränkt sich das Nacktsein im Wesentlichen aufs Bad im See. „Jeder kann, keiner muss“, sagt Bernd Schmidt. „Ich setze mich auch nicht nackend an den Tisch. Das habe ich noch nie gut gefunden“, so der Vereinsvorsitzende weiter. Daher wird niemand, der sich verhüllt, schief angeguckt. Nur muss die Freikörperkultur der anderen akzeptiert werden.
Je weiter die Dunkelheit über dem Wäldchen am See hereinbricht, umso deutlicher wird eine zweite Besonderheit des Platzes. Es gibt keinen Strom – abgesehen von dem, den sich die Camper selbst mitbringen, etwa in Form von Generator oder Solarzellen. Ein Anschluss fehlt. Das gilt auch fürs Wasser. So bleibt auch der Strahl aus der Duschbrause oben am Platz kalt. Mittels Pumpe wird das Wasser hinauf bis in die Behälter auf dem Dach des Toilettenhauses befördert.

Vier Plumpsklos, viele Gäste

Dort sind eine Dusche und ein Waschbecken angeschlossen, freistehend unterm Dach der Äste. Bei den vier Toiletten handelt es sich um Plumpsklos, darunter eine Grube, die, so meint Bernd Schmidt, zwei Mal im Jahr geleert wird. Nichts für empfindliche Nasen. Es riecht, als wäre baldige Abholung angebracht.
Das mag auch mit daran liegen, dass im Corona-Sommer besonders viele Gäste am versteckten Fleckchen im Barnim Urlaub machten. „Sehr viele Radfahrer, die den Usedom-Radweg genommen haben, aber auch andere, die auf halber Strecke zur Ostsee nochmal einen Zwischenstopp eingelegt haben“, sagt Bernd Schmidt. Hinzukomme, dass der wohl einzige andere FKK-Campingplatz weit und breit in Herzsprung (Uckermark) keine Tagesgäste zugelassen habe. „Die kamen alle zu uns“, sagt er. 720 Übernachtungen und mehr als 300 Gäste wurden von Mai bis Anfang August gezählt.

Grillplatz, Sauna, Trampolin

Die Preise sind überschaubar. Der Komfort eben Geschmackssache. Der Platz wirkt aufgeräumt, es gibt einen Grillplatz, eine Sauna, ein Trampolin für Kinder und, so der Wind nicht ungünstig steht und Geräusche der A11 von der anderen Seeseite herüberweht, ein Naturerlebnis in einzigartiger Abgeschiedenheit. „Vereinsmitglieder könnten es etwas mehr sein“, sagt Reinhard Otto. Derzeit gebe es davon nur elf. Sie können für einen Mitgliedsbeitrag von 200 Euro im Jahr die komplette Saison an der Bugsine Urlaub machen, halten aber auch das Gelände in Schuss und teilen sich die Aufgabe des Platzwarts als Ansprechpartner für Urlaubsgäste.
Wer nun Interesse hat, findet den Campingplatz übers Internet mittlerweile leichter als über die spärliche Beschilderung an Landesstraße und Waldweg: www.naturcamping-schorfheide.de oder Bugsine googeln.