Das Thema sei eigentlich „so toll“, dass es ihn wundert, dass sich bisher noch niemand darum gekümmert hat, meinte Landrat Daniel Kurth kürzlich bei einem Treffen im Eberswalder Bürgerbildungszentrum. Das Thema war die Vermarktung von Wildbret und kümmern will sich nun Kurths Parteikollege der SPD-Landtagsabgeordnete Hardy Lux. Zumindest wenn es darum geht, alle, die dieses Thema betrifft, an einen Tisch zu holen und vielleicht auch „nur“ eine lokale Lösung zu finden.

50 Cent das Kilo

Strecke machen, also Wild in Größenordnungen zu erlegen, ist schließlich das Gebot der Stunde. Zum einen im Sinne des Waldumbaus und dem Schutz junger Bäume vor Verbiss, zum anderen steht die Afrikanische Schweinepest weiterhin vor der Tür. Das Corona-Virus hat sie etwas aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt und aufgrund der zeitweise geschlossenen Gastronomie und fehlender Verträge mit Wildhändlern die Preise fürs Wildbret gedrückt. 50 bis 60 Cent gebe es derzeit fürs Kilo Schwarzwild, 1,80 Euro für Rehwild. 1 Euro für Rot- und Damwild. „Das war mal das Dreifache“, berichtet Claus Quahl als Vorsitzender des Eberswalder Jagdverbands in der von Hardy Lux geladenen Runde.

Angebot und Nachfrage

Die Preise gelten fürs Wild in der Decke beziehungsweise in der Schwarte, wie es beim Schwein heißt. Allein in Quahls Pacht von 14 000 Hektar Wald würden vier bis sechs Tonnen Wildbret im Jahr anfallen. Die Frage sei, was damit passiert. Torsten Pelikan, Inhaber des Bioladens Globus Naturkost in Eberswalde und ebenfalls Teil der Ideen-Werkstatt, hat Wildbret in Abständen in der Auslage , das sich gut verkaufe.
Angebot und Nachfrage stimmten also, stellte Hardy Lux fest. Nur fehle alles dazwischen. Und das sind regionale verarbeitende Betriebe, die das Wildbret in Größenordnungen in der Decke abnehmen und auch auf Schwankungen reagieren können. Diese Betriebe fehlen leider auch in der vom Landtagsabgeordneten organisierten Runde, zu der unter anderem die Landfleischerei Buckow eingeladen war.

Fleischer-Nachwuchs fehlt

Wie Torsten Pelikan aus Gesprächen mit Branchenangehörigen berichten kann, fehle es Fleischerei-Betrieben häufig an Nachwuchskräften. Für eine Lösung schlägt er den Kontakt zum Gut Kerkow in der Uckermark vor, zu dem der Bioladenbesitzer gute Beziehungen pflegt. Auch in Velten (Oberhavel) gebe es eine große Bio-Schlachterei.
Die Vermittlung zwischen Jagdverbänden und den Betrieben ist vielleicht eine kleine Lösung, die aus der Runde hervorgeht. Hanka Mittelstädt, die seitens des Verbands „pro Agro“ mit am Tisch sitzt, sieht Fallstricke. Sie bringt Zertifizierungen, Auflagen und Investitionen für die verarbeitenden Betriebe mit ins Spiel. Wer in den großen Einzelhandel wolle, müsse zudem kontinuierlich liefern. Die Kapazitäten des vorgeschlagenen Gut Kerkows hält sie für zu klein.

Radeberger oder Eberswalder

Jäger Claus Quahl sieht zumindest in der Lieferbarkeit kein Problem. Er hält den Wildanfall im Barnim für kalkulierbar und auch etwaige Engpässe für weniger problematisch. „Wenn es nicht da ist, ist es nicht da. Wir hatten früher auch nicht jeden Tag Radeberger. Da haben wir Eberswalder getrunken und sind trotzdem nicht verdurstet“, sagt er. Auch im Globus Naturkost, meint Torsten Pelikan, sei es kein Problem, wenn punktuell nichts kommt.
Wie in der Runde anklingt, sind Lagerkapazitäten des noch nicht aus der Decke geschlagenen Wilds ein Problem. Ob der Staat an dieser Stelle als Zwischenabnehmer fungieren kann, bis der Händler das Fleisch an den Endkunden bringt, ist bislang nicht abzusehen. Nun soll zunächst vielleicht doch mit Buckow, Kerkow oder einem anderen Betrieb regional vermittelt werden.

Was macht die WITO?

Landrat Daniel Kurth zeigte sich Willens, ein Pilotprojekt der regionalen Vermarktung von Kreisseite auch finanziell zu unterstützen. Die Barnimer Wirtschafts- und Tourismusentwicklungsgesellschaft WITO, ebenfalls Teil der Runde, sucht noch nach Möglichkeiten, wie sie sich ins Thema einbringen kann. Eine nächstes Treffen zum Wildbret will Hardy Lux zum Jahresende ins Leben rufen.
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