Im Ergebnis einer europaweiten Ausschreibung, an der sich sieben Interessenten beteiligten, habe sich das Unternehmen K&S durchgesetzt, teilt die Kreisverwaltung mit. Der Betreiber des Übergangsheimes Althüttendorf habe nicht nur das wirtschaftlichste Angebot abgegeben, sondern auch die „inhaltlich überzeugendste Konzeption zur sozialen Betreuung der Flüchtlinge“ geliefert, heißt es. Per 1. August erhalte K&S einen Fünf-Jahres-Vertrag zur Weiterführung der Einrichtung.
Gleichzeitig verweist die Verwaltung darauf, dass dem Verfahren ein „intensiver inhaltlicher und finanzieller Abwägungsprozess“ im Sozialausschuss vorausgegangen war. Überlegungen in Richtung einer gemeinsamen Lösung mit der Uckermark scheiterten genauso wie Erwägungen einer dezentralen Unterbringung der Flüchtlinge in Eberswalde. Die angebotenen Wohnungen seien „nicht geeignet“ gewesen. So habe sich der Ausschuss letztlich erneut für eine Gemeinschaftsunterkunft und die Ausschreibung ausgesprochen. Die Kriterien orientierten sich dabei an den „geltenden Bedingungen“ und den vom Kreistag formulierten Qualitätsanforderungen, schreibt die Pressestelle.
Trotz dieser Beteuerungen kann der Flüchtlingsrat Brandenburg die Entscheidung der Kreisverwaltung offenbar nicht nachvollziehen. In einem offenen Brief an den Landrat und die Abgeordneten kritisiert das Gremium die Vergabe. Die Unterzeichner des Briefes fragen vor allem, warum der Standort des Heimes in der Ausschreibung keine Rolle spielte. „Die Lage der Unterkunft wird von den Bewohnern als sehr bedrückend erlebt und stellt eine gewaltige Hürde für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben dar“, heißt es. So gebe es in Althüttendorf z. B. keine Einkaufsmöglichkeiten und keinen Arzt. Zudem sei der bauliche Zustand der Unterkunft nicht tragbar. „Es bestehen begründete Zweifel, dass der Betreiber mit den zur Verfügung stehenden Mitteln eine hinreichende Sanierung vornehmen kann.“
Der Flüchtlingsrat äußert seine Empörung ob der Fortführung des Heimes und kündigt gleichsam an, die Situation der Bewohner in Althüttendorf „wachsam beobachten“ zu wollen. Darüber hinaus macht das Gremium gegenüber dem Landkreis Barnim konkrete Forderungen auf. So sollen im Vertrag mit dem Betreiber verbindliche Fristen für die nötigen Baumaßnahmen festgelegt werden, verbunden mit Sanktionen bei Verstößen. Die maximale Aufenthaltsdauer soll auf ein Jahr begrenzt werden. Und statt Gutscheine sollen die Flüchtlinge Bargeld erhalten.
Das Heim Althüttendorf ist die einzige Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im Barnim. Angemeldet sind derzeit dort etwa 100 Bewohner.