Das unscheinbare Gebäude in der Havellandstraße 15 im Brandenburgischen Viertel steckt voller Leben. Nicht nur als sich am Donnerstagvormittag der Brandenburgische Bildungsminister angekündigt hat, auch sonst gehen beim Verein Kontakt Eberswalde regelmäßig 200 Leute aus unterschiedlichen Nationen ein und aus. Wie viele verschiedene Länder vertreten sind, hat Vereinsvorsitzende Irina Holzmann nicht gezählt. "Die Leute brauchen hier keinen Lebenslauf zu erzählen", sagt sie. Das Haus bietet eine Möglichkeit zum Austausch, was über die unterschiedlichsten Freizeitaktivitäten funktioniert - von Qigong bis zum Sprachkurs.
Was Mitte der 90er Jahr als Bürgerinitiative begann, ist heute eine feste Institution in Eberswalde. Die Spätaussiedler, die sich anfangs trafen, um gemeinsam Anschluss in einer fremden Umgebung zu finden, helfen heute selbst bei der Integration neuer Flüchtlinge der Kreisstadt. 45 Mitglieder hat der Verein, viele davon Projektbetreuer. 30 Menschen engagieren sich als Dolmetscher. Andere bieten Computerkurse an.
Für ihre Arbeit erhielten sie alle am Donnerstag den Deichmann-Förderpreis für Integration in Brandenburg. Noch mehr als der 1000Euro-Scheck von Europas größter Schuhhandelskette wird dem Verein die öffentliche Anerkennung nutzen, die dadurch wiederholt zum Ausdruck gebracht wurde. Für Bildungsminister Günter Baaske (SPD) sind die Vereinsmitglieder um Irina Holzmann keine Unbekannten. Erst im Januar 2014 hatte er ihnen, damals noch als Sozialminister, den Integrationspreis der Landes überbracht.
"Ohne sie wäre das Klima in Sachen Integration in Eberswalde ein anderes", so der Minister in Richtung Verein. Damit diese gelinge, müsse Wunsch und Wille zur Teilhabe an der Gesellschaft sowohl aufseiten der Einheimischen als auch der Flüchtlinge vorhanden sein, machte er bei der Preisverleihung deutlich. Baaske verwies auf die heutige weltpolitische Lage, die niemand habe vorhersehen können. "Bei 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind die, die in Deutschland ankommen doch ein geringer Teil", gab er zu bedenken. 1000 Flüchtlingskinder stünden in Brandenburgs Kitas 180000 Kindern in den Einrichtungen insgesamt gegenüber. In den Schulen sei das Verhältnis 3000 zu einer Viertelmillion. Der Minister versprach in diesem Zuge, Lehrkräfte einzustellen, um dieser Herausforderung zu begegnen, wollte den Bevölkerungszuwachs im Land aber in erster Linie als Chance verstanden sehen. Eine halbe Million Arbeitsstellen könnten 2030 ohne Zuwanderung in Brandenburg nicht mehr ausgefüllt werden, so die Prognose.
Dass die Arbeit diesbezüglich längst Früchte trägt, bewiesen mehrere junge Erwachsene, deren Familien beim damaligen Modellprojekt im Brandenburgischen Viertel Unterstützung fanden und mittlerweile studieren oder eine Ausbildung machen. Einige von ihnen waren extra für die Preisverleihung angereist. Sie waren es auch, die die heutige Vereinsarbeit weiterentwickelten. "Impulse dazu, was gemacht wird, kommen immer von außen", sagte Irina Holzmann. Auf diese Weise sei irgendwann die Hausaufgabenhilfe, der Gitarrenunterricht oder das Bewerbungstraining entstanden. Im Verein, der in Eberswalde mittlerweile auf ein breites Netzwerk aus Unterstützern aufgebaut hat, werde jedem die Möglichkeit gegeben, sich auf seine Weise zu integrieren, so Irina Holzmann. Die Arbeit sei auf die Bedürfnisse der Hilfesuchenden ausgerichtet. "Und es wird viel gelacht. Auch in schwierigen Situationen", verriet die Vorsitzende am Rande der Veranstaltung.
Neben Deichmann-Vertreter und Minister überbrachten auch Barnims Integrationsbeauftragte Marieta Böttger und Eberswaldes stellvertretender Bürgermeister Bellay Gatzlaff ihre Glückwünsche.