Noch habe er kein Konzept gesehen, bei dem er "Hurra" schreie, sagte Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm  Boginski im öffentlichen Gespräch zur Bebauung Friedrich-Ebert-Straße. Am Ende werde es, wie so oft, wohl einen Kompromiss geben, glaubt das Stadtoberhaupt. Längst ist der Bebauungsplan für die 8000-Quadratmeter-Fläche auf den Weg gebracht worden. Allerdings wurde auch in der Vergangenheit betont, dass noch nicht entschieden ist, ob auf der Wiese neben der Hochschulbibliothek überhaupt etwas Neues entsteht. Und auch im Interview mit Julia Heilmann auf eben jener Fläche am Sonnabend im Anschluss an Guten Morgen Eberswalde vermittelte Boginski den Eindruck, als sei noch alles offen.
Behutsamkeit und Miteinander lautet das Gebot, denn die Kritik an der Versiegelung der Grünfläche war ein Grund für den kurzen Bürgerdialog zum Thema. Vor allem mit einer möglichen Bebauung neue Ladenflächen zu schaffen, wird angesichts von Leerstand in der Stadt mit großer Skepsis gesehen. Die erste Wortmeldung aus dem Publikum dazu kam von jemandem, der die Grünfläche im Namen trägt. Bäckermeister Björn Wiese zeigte große Zweifel am viel beschriebenen Ankermieter – sprich einem Geschäft mit Magnetwirkung für die Innenstadt, von dem auch andere profitieren würden.
Zu wenig Gründungen kritisiert
C&A und H&M wurden als große Namen in der Vergangenheit bereits ausgeschlossen, da diese derzeit nicht expandierten. Doch ganz gleich, welcher Anker Interesse zeigt – ist er nach zehn Jahren vielleicht wieder weg, gebe es erneut das Problem des Leerstands, gab Wiese zu bedenken. Er sei eher für Kleinzelligkeit. Außerdem kritisierte Wiese, dass es zu wenig Gründungen aus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung heraus gebe.
Boginski nahm die HNE in Schutz. Sie sei das größte Geschenk nach der Wende gewesen. Stadt und Hochschule würden an vielen Stellen kooperieren. Auch er finde kleine Geschäfte charmanter. "Aber du musst die Leute ja erstmal nach Eberswalde kriegen", sagte er. Wer mit 30 Einzelhändlern zu diesem Thema spreche, erhalte 30 verschiedene Meinungen.
An Fragen aus dem Publikum mangelte es auch nicht. Leerstand in der Rathauspassage und im Heidewaldcenter im Brandenburgischen Viertel wurden als Ge-genargument zur Schaffung weiterer Geschäftsflächen vorgebracht. Doch sei die Einflussmöglichkeit der Stadt begrenzt, erklärte Boginski. Heidewald gehöre einem privaten Investor, an den das Rathaus nicht herankomme. Die Stadt selbst hätte Räume im Center anmieten wollen. Sogar auf die Offerte, für ein Gespräch nach Dänemark zu kommen, habe es "null Reaktion" gegeben.
In der Rathauspassage sei es eine Investorengruppe und die Stadt bereits größter Ankermieter. Seitens der Stadt werde mit Events versucht den Einzelhandel zu beleben. Doch müssten, so Boginski, auch von Innen heraus Aktivitäten entwickelt werden. Einzelhandel, betonte das Stadtoberhaupt, sei allerdings ein schwieriges Geschäft und Leerstand ein Problem mit dem alle Innenstädte zu kämpfen hätten.
Holz statt Beton gefordert
Ungeachtet der späteren Nutzung sprach sich HNE-Professor Jürgen Peters aus dem Publikum heraus grundsätzlich für eine Verdichtung von Innenstädten aus statt größere Flächen außerhalb zu zersiedeln. Trotzdem würde er weniger Beton begrüßen. Auf der Internationalen Bauausstellung in Hamburg sei gerade ein sechsgeschossiger Bau aus Holz präsentiert worden.  Auch das Eberswalder Vorhaben sollte, wenn es zur Bebauung kommt, ein Vorzeigeprojekt sein.
Friedhelm Boginski wies auf das Fahrradparkhaus aus Holz hin, das die Stadt gerade am Bahnhof plane. Auch dort beobachte er sehr unterschiedliche Meinungen. Als Beispiel für Sogwirkung von neuen Gebäuden nannte er das Paul-Wunderlich-Haus. "Lasst den Wald in die Stadt", habe es damals vor dem Bau geheißen. "Heute hat das Paul-Wunderlich-Haus sehr zur Innenstadtbelebung beigetragen".
Eberswaldes Bürgermeister kündigte an, dass es weitere Bürgerbeteiligung zur Frage der Bebauung in der Friedrich-Ebertstraße geben werde. Das würden sowohl offene als auch durchmoderierte Veranstaltungen sein.