Der See gilt als Hotspot für Ausflügler. Ob Baden, Boots- und Schiffstouren oder einfach nur an der Promenade spazieren, viele Menschen nutzen ihre freie Zeit zur Entspannung rund um das Gewässer. Ob alle Regeln dabei eingehalten werden, sei schwierig zu erkennen, sagt Dirk Protzmann, Amtsdirektor von Joachimsthal. "Das können wir gar nicht leisten. Das Ordnungsamt kontrolliert stichprobenartig. Wir haben eineinhalb Stellen und natürlich noch weitere Aufgaben. Wir können keine anderen Kräfte abstellen. Aber wenn Verstöße festgestellt werden, dann werden die auch geahndet. Mir sind keine Vorkommnisse in unserem Bereich bekannt."

R-Wert sollte unter 1 bleiben

Auch der Altenhofer Ortsvorsteher Wolfram Malkus sieht die Menschenansammlungen entspannt. "Das ist ja für uns ein ganz normaler Zustand. Soweit ich weiß, war aber bei uns alles in Ordnung. Es ist bei dem Wetter aber auch verständlich, dass es die Leute nach draußen zieht."
Klar ist, dass mit großen Menschenansammlungen ein steigendes Infektionsrisiko verbunden ist. Weniger Kontakte führen zu weniger Ansteckungen. Die Erkrankten-Zahlen sind so niedrig wie seit Ende März nicht mehr. Die Reproduktionszahl liegt aber über dem R-Wert 1,0. Dieser gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Das Ziel müsste aber ein Wert unter 1,0 sein, um die Epidemie abzuschwächen, so die Empfehlung des Robert Koch-Instituts. Epidemisch verlaufende Infektionskrankheiten verschwinden mit der Zeit, wenn der Reproduktionsindex dauerhaft unter 1 ist. Das haben Beispiele wie die Vogelgrippe oder die Schweinegrippe gezeigt.
Klar ist aber auch: Ohne Ausflügler und Touristen gibt es keine Einnahmen. Auf dem Werbellinsee gibt es ein Fahrgastschifffahrtsunternehmen, das fahrplanmäßige Rundfahrten und Charterfahrten durchführt. 162 Passagiere können eigentlich dort untergebracht werden. Durch die aktuellen Bestimmungen sind es derzeit aber weit weniger Fahrgäste. Ansonsten könnten die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden. An den Ufern befinden sich zudem Campingplätze. Diese haben ebenfalls wieder geöffnet und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Viele spontane Besucher am Werbellinsee

"Ich mache mir keine Sorgen wegen Corona", sagt Heike Schulz aus Bernau. "Soweit ich weiß, flauen die Zahlen bei uns ab. Das gibt schon eine gewisse Sicherheit." Dass die Situation durch den Andrang problematisch werden könnte, glaubt auch Dirk Protzmann nicht. Zudem könne man die Menschen auch nicht von den Ausflügen abhalten. "Menschenansammlungen können nicht verhindert werden. Wie denn auch? Wer sich Sonnabendnachmittag spontan ins Auto setzt und zum See fährt, der fährt halt hin. Da kann man nichts machen. Und die meisten Leute kommen halt spontan aus der Umgebung."
Es sei zudem nicht das Ziel, Menschen davon abzuhalten die Region zu besuchen. Solange es keine Vorkommnisse gibt, sei jeder willkommen, so Protzmann "Es gibt am gesamten See viel Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. Und ich denke, die Menschen sind mittlerweile auch sensibilisiert genug. Die Leute wollen bei sonnigem Wetter einfach raus und die Natur genießen. Wir sollten uns vielmehr darüber freuen, dass solche Ausflüge wieder möglich sind. Die Menschen wissen auch, dass die Regelungen eingehalten werden müssen, damit das so bleibt."