Vor mehr als hundert Jahren forderte Clara Zetkin auf einem Kopenhagener Kongress für Frauen "keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte". Die deutsche Sozialistin schlug außerdem vor, einen internationalen Frauentag ins Leben zu rufen. Seitdem hat sich zumindest für Europäerinnen in puncto Gleichberechtigung vieles verbessert. Allerdings müssen Frauen weltweit immer noch um ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit fürchten. Weibliche Neugeborene werden bei lebendigem Leib begraben und Frauen von Männergruppen vergewaltigt.
Täglich werden rund 40 000 Mädchen unter 18 Jahren zwangsverheiratet. Nicht einmal 20 Prozent der afrikanischen Mädchen aus ärmeren Schichten beenden die Grundschule, steht in einer aktuellen Studie der Entwicklungsorganisation One. Laut dem Bericht werden Frauen in 155 Ländern gesetzlich diskriminiert, eine halbe Milliarde Frauen kann nicht lesen. Am schwersten haben es Frauen der Studie zufolge in den afrikanischen Staaten Niger, Somalia und Mali. Aber auch Länder wie Afghanistan oder Pakistan tauchen auf der Liste der Organisation auf.
Für Andrea Metzner von Dreist, einem Eberswalder Verein für geschlechtsspezifische Bildungsarbeit, ist es aber auch in Deutschland noch ein weiter Weg bis zur völligen Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft. "Bis dahin ist für mich jeder Tag Frauentag", so die Sozialarbeiterin. Damit sei allerdings weniger ein Frauentag mit Blümchen gemeint als vielmehr echte Geschlechtergerechtigkeit. Laut dem statistischen Bundesamt verdienen Frauen in Deutschland nach wie vor rund 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, erinnert Metzner. Laut dem Bundesfamilienministerium wird hierzulande jede vierte Frau Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt.
Die Menge derer, die durch Sprüche sexuell belästigt oder an Brust oder Hintern begrapscht werden, ist unzählbar. Besonders schlimm: Bei sexuellen Übergriffen wie dem Begrapschen von Körperteilen geht der Täter nach gängigem Sexualstrafrecht oft straffrei aus.
Astrid Gohlke, Vereinsvorsitzende von Für Frauen - dem Träger des Frauenhauses Barnim - berichtet, dass diejenigen, die im Frauenhaus Schutz suchen, oft in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Partner stehen. Die Frauen würden für ihre Kinder sorgen und hätten deshalb oft kein eigenes oder nur ein geringes Einkommen. "Die finanzielle Unabhängigkeit vom Partner ist eine wichtige Voraussetzung, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können", so Gohlke. Doch der deutsche Arbeitsmarkt erschwert Frauen immer noch vieles, findet sie. Besonders Alleinerziehende haben ihrer Meinung nach zu kämpfen. So seien die Ausübung eines Berufs und die Kinderbetreuung bisher oft schwer zu vereinbaren.
"In kaum einem anderen Land der Europäischen Union ist die Arbeitszeit zwischen den Geschlechtern so ungleich verteilt wie in Deutschland. Jede zweite weibliche Beschäftigte arbeitet in einem Teilzeitjob - und das oft ihr gesamtes Leben lang", kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund Ostbrandenburg.
Die Barnimer Gleichstellungsbeauftragte Marieta Böttger ist aktuell dabei, nach einer Lösung für die Betreuung von Flüchtlingskindern zu suchen. "Die geflüchteten Frauen müssen ebenso wie ihre Männer die Möglichkeit haben, die Integrationskurse zu besuchen", so Böttger.
Für die städtische Gleichstellungsbeauftragte Barbara Bunge ist vor allem die Präventionsarbeit ein wichtiges Thema: "Gleichberechtigung muss vom Kindesalter an gelernt werden."