Götz Herrmann, dem Vorsitzenden des FSV Lok Eberswalde, ist nicht entgangen, was da vor zwei Wochen in der Zeitung stand. Er hat das Interview mit Alfred Gebhardt, dem Jugendauschussvorsitzenden des Fußballkreises Barnim, genau studiert. Gebhardt hat gesagt, eine Fusion, oder zumindest eine Kooperation in Form von Spielgemeinschaften der beiden Stadtrivalen würde sportlich Sinn machen. Vor allem, weil es in strukturschwachen Regionen wie rund um Eberswalde immer weniger Kinder gebe. Wörtlich sagte Gebhardt: "Es geht ganz einfach um den Erhalt des Fußballsportes in der Region."
Herrmann reagiert bei solchen Sätze empfindlich. Er sagt ganz offen: "Es nervt mich ein bisschen." Gebhardt sei nicht der einzige, so der FSV-Vorsitzende, der diese Ideen derzeit an Lok herantrage. Auch Politiker sollen ihn schon angesprochen haben, sagt er. Und auch Gerhard Müller, der ehemalige Geschäftsführer des Kreissportbundes, hat vor einiger Zeit öffentlich kundgetan: "Beide Vereine schwächen sich gegenseitig. Würden sie zusammenarbeiten, wären sie unschlagbar."
"Das ist ja nett, wenn sie das so sehen", findet Herrmann, aber: "Wir sind von den Lok-Mitgliedern gewählt worden, um unseren Verein nach vorn zu bringen. Das hat Priorität. Und wir glauben, dass Eberswalde zwei große Fußballvereine vertragen kann."
285 Mitglieder stark ist der FSV Lok derzeit. Und 70 Prozent davon sind laut Herrmann unter 18 Jahre alt. "Wir haben genug Kids, wir sind da auf Preussen nicht angewiesen, deshalb sehen wir aktuell auch kein Gesprächsbedarf", sagt Herrmann.
Die Gegenseite sieht das ganz ähnlich. Fragt man Danko Jur, Präsident des FV Preussen, was er von den Fusionsvorschlägen hält, entgegnet er: "Wir haben derzeit alle Altersklassen mit Teams besetzt, einige sogar doppelt. Auch sportlich läuft es. Wir setzen auf unseren Nachwuchs, unsere Kinder." In Zahlen ausgedrückt: Von etwa 320 Mitgliedern sind laut Jur gut 180 Kinder und Jugendliche. "Wir haben eine starken Zulauf an Kindern", sagt der Preussen-Präsident.
Zwischen den Zeilen lässt sich da herauslesen: Fusion? Nein Danke!
Aber ist die Tür für Gespräche damit für alle Zeit dicht? Nein, sagen beide Vereins-Bosse. Danko Jur, der Preussen-Chef, formuliert es so: "Punktuell sind wir für Gespräche offen." Vor allem mit Blick auf den Großfeldbereich. "Da wäre Lok sicher ein geeigneter Partner und Gespräche denkbar", sagt Jur
Lok-Mann Götz Herrmann betont ebenfalls, dass für die Zukunft alles möglich sei. Er sagt aber auch: "Wir sind anders als Preussen." Und darauf legt man bei Lok auch Wert. Preussen stehe eher für Leistungsorientierung, "wir bei Lok wollen aber auch die Kids erreichen, die einfach nur Spaß haben wollen".
Und dann ist da noch die Sache mit den A-Junioren vor ein paar Jahren. Die halbe Mannschaft hat der Stadtrivale Preussen damals abgeworben. Und zwar auf einen Schlag, in der Sommerpause. "Das war nicht die feine Art", sagt Herrmann. Damals sei Vertrauen verloren gegangen. Deshalb solle jetzt erst einmal zwei bis drei Jahre Ruhe einkehren in die gespannten Beziehungen. Man solle fair miteinander umgehen, was heißt: keine Abwerbeversuche mehr hinter dem Rücken. "Dann können wir weitergucken", sagt Lok-Vorsitzender Herrmann.
Danko Jur entgegnet auf den Vorwurf mit den unfairen Abwerbeversuchen übrigens wie folgt: "Den schwarzen Peter haben wir zu Unrecht. Auch von uns sind Spieler weggelockt worden."
Nach Annäherung, soviel ist klar, klingt das noch nicht.