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Bauleiter Andreas Heuer von der Firma Strabag schaut auf die Uhr. Nicht zum ersten und erst recht nicht zum letzten Mal an diesem Vormittag. Weitere Zeichen von Nervosität zeigt der Mann nicht, dessen Kommando auf der Baustelle am Finowkanal jeder befolgt. "Wir liegen noch ganz gut in der Zeit", sagt Andreas Heuer.
Eigentlich hätten die Arbeiten zur Montage der Fußgängern und Radfahrern vorbehaltenen Brücke bereits um 5 Uhr in aller Frühe beginnen sollen - mit dem als Einschwenken bezeichneten Manövrieren des 33 Tonnen schweren und 30 Meter langen Mittelteils der Brücke von der Bergerstraße zum am südlichen Ufer aufgestellten Autokran. Drei Stunden Verzug gab es, weil an der Bergerstraße zunächst widerrechtlich geparkte Autos abgeschleppt und dafür Ordnungsamt, Polizei und Abschleppdienst angefordert werden mussten.
Gegen 10.30 Uhr endlich hängt das Mittelteil, gesichert von vier Stahlketten, am Kran, den ein Gegengewicht von 90 Tonnen stützt. Es gibt einen kritischen Augenblick, der selbst Kranfahrer Torsten Juska von der Berliner Firma Lex, sonst die Ruhe in Person, die Schweißtropfen auf die Stirn treibt: Minutenlang ist nicht klar, ob die Tragkraft reicht, die Brücke auf dem eng begrenzten Areal bis zu den Widerlagern zu befördern. Als sich alle vorher angestellten Berechnungen schließlich als korrekt erweisen, atmen nicht nur Bauleiter und Kranfahrer auf. Auch Karsten Neick vom Oderberger Stahlbau fällt ein Stein von Herzen.
"Für uns ist dies ein wichtiger Auftrag, weil die Brücke für die Region bestimmt ist", sagt der Vertriebsleiter des Betriebs, dessen 90 Mitarbeiter in diesem Jahr bereits Stahlträger für die Autobahn von Ulm nach Augsburg und eine Stahlbogenbrücke für Wolfsburg gefertigt haben. Derzeit produziert das Oderberger Unternehmen im Auftrag der Flensburger Schiffsbaugesellschaft Bauteile für eine Fähre.
Die stundenlange Vorbereitung zahlt sich aus: Das 33 Tonnen schwere Stahlteil schwebt am Haken dahin, als wiege es nichts. Es ist 11 Uhr, als der Baukörper das erste Mal die Widerlager auf beiden s berührt. Bis der Kran das Brückenteil freigeben kann, vergeht indes eine weitere halbe Stunde, in der Schweißgeräte zum Einsatz kommen, um für Passgenauigkeit zu sorgen.
Danach sind die beiden je zehn Tonnen schweren und zwölf Meter langen Verbindungsteile der Brücke an der Reihe.
Die Zaungäste an beiden Uferseiten haben sich ohnehin in Geduld zu üben. "Wir erfüllen den Auftrag der Stadt, die Brücke in den kommenden Tagen auf eine provisorische Nutzung vorzubereiten", sagt der Bauleiter Andreas Heuer. Die vorläufige Freigabe des Übergangs werde für den 20. Dezember angestrebt. Vorher müsste unter anderem der Stahlbau noch die Brückenteile mit Schweißnähten verbinden. Im kommenden Frühjahr mache sich für die Restarbeiten erneut eine etwa einwöchige Sperrung erforderlich.
An der Baustelle ist Siegfried Hartwig aus Britz eher zufällig vorbeigekommen. Fasziniert bleibt er stehen. "So etwas sieht man ja nicht alle Tage", erklärt er seine Neugier. Seiner Auffassung nach hätte es sich angeboten, gleich eine richtige Brücke zu errichten, die auch von Autofahrern genutzt werden könnte.
Und Jörg Gehrke aus dem Leibnizviertel fragt sich, warum die Brücke überhaupt erneuert werden musste. "Der Vorgängerbau sah doch noch gar nicht so schlecht aus", findet er.
33 Tonnen am Haken: Das Mittelteil der neuen Fußgängerbrücke schwebt über dem Finowkanal. Stundenlange Vorbereitungen waren dafür erforderlich. Von einem Ufer zum anderen wird es der Übergang auf eine Länge von 54 Metern bringen. Fotos (2): Andreas Karpe-Gora
Was nicht passt, wird passend gemacht: Ein Bauarbeiter bringt mit dem Schweißgerät das Widerlager in Form.
Kran bringt in drei Etappen 53 Tonnen Stahl auf den Finowkanal / Vorläufige Freigabe noch im Dezember