Drinnen entstehen gerade neue Routen. Die Klettergriffe an der „3,70er“, der hinteren Hallenwand unter der Galerie, werden versetzt. „Wir machen das wöchentlich“, sagt Bloc-48-Chef Sven Unger. Reihum komme jeder Klettersektor mal dran. „Nach zwölf Wochen hat man alles einmal komplett umgeschraubt.“
Draußen vor der Halle ist Unger selbst im Einsatz – in anderer Angelegenheit, letztlich aber auch, um neue Wege zu erschließen. Der Boulderhallen-Betreiber und Mitinhaber York Krüger schachten einen Graben aus. Die Männer wuchten Erde und Rohre. „Die Küche hat noch kein Abwasser“, erklärt Unger.

Nach „Corona-Blackout“ mehr anbieten

Hinter den Kulissen des Cafés an der vor einem Jahr eröffneten Freizeiteinrichtung laufen größere Umbauarbeiten. Bis Oktober soll die Küche auf Restaurantpotential anwachsen. „Wir wollten den Corona-Blackout nutzen, um danach stärker aufzutreten“, sagt Unger, der in dem Industriegemäuer aus der Gründerzeit künftig auch für Nichtboulderer eine Anlaufstelle sieht. „Gut essen gehen“, heißt dann die Devise – „anstelle der Tiefkühlkost, wie wir sie anfangs angeboten haben“. Im Juli hat die Bouldercrew deshalb Küchenchef Jens Knappe an Bord geholt.
Am späten Mittwochvormittag wartet der 37-jährige Koch, hochgekrempelte Hemdsärmel, Tätowierungen an Hals und Armen, eine Schiebermütze auf dem Kopf, noch auf Gäste. Geöffnet ist ab elf. Die Boulderhalle macht erst drei Stunden später auf. „Ich bin am Überlegen, ob man die Öffnungszeiten nicht auf den Abend legen und erst am Nachmittag aufmachen sollte“, sagt Knappe. Bisher ist Küchenschluss um 18.30 Uhr, danach gibt es nur noch Getränke.

Café war im Awerk der Billardraum

Platz wäre in dem Raum mit den hohen Decken für 40 Gäste. Zu Zeiten des Awerks standen hier Billardtische. Noch bevor es die seit Langem stillgelegte Diskothek gab, die schließlich zur Kletteradresse wurde, soll die Schweißerei vom Rohrleitungsbau Finow darin gewesen sein, hat Unger gehört. Halle 48, nach der die Boulderhalle benannt ist, war erst die Gießerei, später die Rohrbiegehalle. Nun ist Loftambiente eingezogen. Die wiederhergestellte Front historischer Fabrikfenster lässt viel Licht herein.
An der unverputzten Ziegelwand hinter der Theke hängt die Speisekarte, weiße Kreide auf schwarzer Tafel. Das Angebot zu fairen Preisen zwischen 2,50 Euro und 5,50 Euro ist übersichtlich. Es gibt Croque Monsieur, die französische Variante des Sandwiches, die vor über 100 Jahren in den Pariser Cafés Einzug hielt, eine Tagessuppe, Flammkuchen – ein Fingerzeig darauf, dass Jens Knappe derzeit unter seinen Möglichkeiten kocht wie auf seine Leidenschaft für die französische Küche gleichermaßen.

Von Spitzenkoch David Baillet gelernt

Gelernt hat der gebürtige Nauener ursprünglich Beikoch. Kurz nach der Lehre eröffneten zwei seiner Ausbilder ein Hotel in Wincheringen an der Mosel (Rheinland-Pfalz), der ältesten Weinbauregion Deutschlands im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg. „Zur Hoteleröffnung holten sie mich als Hilfe“, erzählt Knappe. „Zwei Jahre lang habe ich dort mit dem Franzosen David Baillet gekocht und mir so vieles aneignen können.“
Knappe ist fortan Jungkoch, holt die Kochprüfung nach. Er ist viel unterwegs in Deutschland, arbeitet mal in namhaften Hotels, mal in Cafés. Eine Zeitlang holt ihn Baillet, inzwischen als Spitzenkoch betitelt, im Rheinhotel Schulz in Unkel (Rheinland-Pfalz) wieder an seine Seite. Nachdem er sich dort in der Gardemanger und Patisserie, der Kalten Küche also und den Süßspeisen, bewiesen hat, steigt Knappe zum Sous-Chef auf. Zuletzt habe er unter anderem als Küchenchef in einem Frühstücksrestaurant nahe des Mauerparks im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg agiert, berichtet er.

Wenig Fleisch, mehr Veganes und Vegetarisches

Nach all diesen Erfahrungen zwischen gehobener französischer Küche und Cafébetrieb hätte er auch mal Lust auf etwas Eigenes. „Nur finanziell ist das leider nicht möglich“, sagt der Neu-Eberswalder, der vor zwei Jahren mit seiner Frau aus Biesenthal in die Waldstadt zog. „Deswegen ist die Stelle hier aber interessant.“ Im Bloc-Café sind Knappes Ideen gefragt. „Für mich ist jeder Teller eine Kopfsache, über die ich drei, vier Tage nachdenke, bevor ich überhaupt gekocht habe“, sagt der Koch.
Sobald die Küche fertig sei, wolle er eine „einfache, moderne, tolle Speisekarte“ einführen. Er denke in die Richtung französische Bistroküche, „vielleicht ein bisschen Streetfood-Style“, dazu eine begrenzte Zahl „schöner Tellergerichte“. Fleisch aus Massenproduktion werde es nicht geben, dafür Veganes und Vegetarisches. „Ich finde, Köche sollten sich darauf einstellen, ohne Fleisch zu kochen“, sagt Knappe. „Die Zeit ist im Wandel.“

Menüs zu Livemusik und DJ-Events

Eine echte Restaurantkarte werde hier nie möglich sein, mutmaßt der Gastro-Chef. Zu seinem Konzept gehören deshalb auch Veranstaltungen mit Livebands, die im Herbst starten sollen. Über die Vier- oder Fünf-Gänge-Menüs zu Jazz, Blues oder DJ-Musik könnte man den Laden zum Tragen bringen, später auch Leute unter der Woche anziehen, hofft er. Und Knappe könnte sich als Koch mit Anspruch beweisen. Die geplante Küche sei schon auf Erweiterung angelegt. Schon bald solle zudem die Terrasse mit derzeit drei Tischen erweitert werden.

Boulderhalle erwartet mehr Gäste

Auch Sven Unger geht natürlich davon aus, dass sich in die dezentrale Lage an der Coppistraße kulinarisches Publikum locken lässt. Zumal er demnächst wieder mehr Boulderer erwartet. Das Ausbleiben großer Besucherströme in der Halle selbst nach dem Lockdown sieht der 49-jährige Bernauer, der seit 2012 auch den Kletterwald Schorfheide betreibt, nicht nur corona-, sondern auch saisonbedingt. Im Sommer zieht es Kletterfans schlicht ins Freie. Der Kletterwald sei voll ausgelastet. „Und gerade an den Regentagen ist bei uns die Halle auch jetzt schon voll.“

Kurse im September gestartet

In den ersten fünf Monaten habe die Boulderhalle bereits 15.000 Besucher gezählt. „Das war schon fast der Trend, den wir uns im Businessplan vorgenommen haben“, so Unger. „Angepeilt hatten wir 45.000 Besucher im Jahr.“ Im Herbst solle in der Halle der erste Wettkampf stattfinden, freut sich der Betreiber. „Und jetzt im September gehen unsere Kurse endlich wieder los – auch der Kids-Club-Kurs mit 14 angemeldeten Kindern.“
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Mehr zu Öffnungszeiten und Kursen unter www.bloc48.de