Wer bei Rot geblitzt wird, für den kann es teuer werden und er muss mit einmonatigem Fahrverbot rechnen. Doch was ist, wenn man dringend auf die Toilette muss? So geschehen bei einem 83-jährigen Mann aus Eberswalde, der kürzlich die MOZ aufgesucht hat. Sein Name ist der Redaktion bekannt, allerdings möchte er anonym bleiben.
Knapp 120 Euro muss der Rentner bezahlen, nachdem er vom städtischen Ampelblitzer am Bahnhof Richtung Stadt fotografiert wurde. 90 Euro Geldbuße, der Rest Gebühren und Auslagen. Ein Fahrverbot wurde nicht verhängt. Die Rotphase dauerte beim Überfahren der Kreuzung weniger als eine Sekunde.
Als schwerbehindert eingestuft
Wäre er nicht gefahren, so sagt er, hätte er sich in die Hose gemacht. Die Erklärung kommt nicht von ungefähr, denn der Fahrzeugführer leidet nach eigenen Angaben an der  chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Colitis Ulcerosa. Wie er beschreibt, die Vorstufe von Morbus Crohn. "Medikamente, Einläufe, Endoskopie. Ich wünsche es wirklich keinem", berichtet er. Deshalb fahre er keine großen Strecken mehr. Seit 40 Jahren leidet der Fahrer darunter, ist als schwerbehindert eingestuft und verfügt auch über einen entsprechenden Parkausweis. Nachdem er geblitzt wurde, habe er bei Edeka in der Alten Brauerei anhalten und dort auf der Toilette seine Notdurft verrichten können.
Zahlen, so soll es bei seiner Vorstellung im Ordnungsamt geheißen haben, müsse er trotzdem. Die Darmkrankheit, die er als Erklärung vorbrachte, solle keine Rolle gespielt haben. Das ist die Schilderung des Rentners gegenüber der MOZ. Und das habe er so nicht akzeptieren wollen.
Auf Nachfrage im Rathaus teilt die Pressestelle allerdings mit, dass der Betroffene die Geldbuße bezahlt und keinen Einspruch eingelegt habe. Er war für Rückfragen seitens der Zeitung nicht zu erreichen. Mit diesem Stand, gilt die Sache als abgeschlossen.
"Ob im Einzelfall heranzuziehende Rechtfertigungsgründe vorliegen, wird im Rahmen des Anhörungsverfahren beziehungsweise im weiteren Ordnungswidrigkeitenverfahren nach erfolgtem Einspruch geprüft", heißt es auf Rückfrage im Rathaus. Sicherlich könne eine akute Erkrankung auch zu einem verkehrsrechtlichen Fehlverhalten führen, das im Rahmen des geltenden Opportunitätsprinzips zu einer Reduzierung der Sanktion bis hin zur Einstellung des Verfahrens führen kann. Dies hänge stets von einer Prüfung des konkreten Einzelfalles ab. Das Überfahren einer roten Ampel könne sowohl für den betroffenen Verkehrsteilnehmer, wie auch die anderen bei grüner Ampel querenden Verkehrsteilnehmer eine erhebliche Unfallgefahr hervorrufen. Kennt der Betroffene seine körperliche Einschränkung, so werde es ihm zum Schutz dritter Verkehrsteilnehmer und auch zum eigenen Schutz zuzumuten sein, sich beim Autofahren entsprechend darauf einzustellen oder sogar von der Fahrt abzusehen.