Wo jetzt auf knapp 6000 Quadratmetern nur Unkraut wuchert, könnte mitten im Brandenburgischen Viertel ein Gemeinschaftsgarten entstehen. Dafür sucht Kati Partzsch, Studentin an der Hochschule in Eberswalde, tatkräftige Verbündete.
In ihrem Studium befasst sich Kati Partzsch im sechsten und letzten Semester mit den riesigen Herausforderungen, vor die der blaue Planet durch den Klimawandel und das ungehemmte Bevölkerungswachstum gestellt wird. Global Chance Management heißt ihre Fachrichtung. Für ihre Master-Arbeit hat sich die 28-Jährige eines Themas angenommen, das nur auf den ersten Blick weniger global wirkt: Sie lotet die Chancen dafür aus, die Freifläche der einstigen Albert-Einstein-Oberschule für alle Bewohner der größten Plattenbausiedlung Eberswalde nutzbar zu machen. „Dieses Projekt könnte aus vielen Gründen einen kleinen Beitrag dazu leisten, die Welt zu retten“, sagt Kati Partzsch, die für ihr Studium aus Niederschöna bei Freiburg in Sachsen in den Barnim kam.
Da wäre zum Ersten der Ansatz, mit dem Anbau von Obst und Gemüse nach ausschließlich biologischen Kriterien für mehr Sauerstoff und weniger Kohlendioxid im Viertel zu sorgen. Die eigene Ernte wäre zum Zweiten ein Beitrag zu einer gesunderen Ernährung und könnte zum Dritten jedem Selbstversorger helfen, Kosten zu sparen. Zum Vierten wäre die Arbeit im Gemeinschaftsgarten sinnerfüllend und dazu geeignet, dem ebenso monotonen wie anstrengenden Alltag vieler Hartz-IV-Bezieher wieder mehr Struktur zu geben.
„Bisher bin ich mit meinem Projekt vor allem bei Vereinen und Institutionen auf viel Sympathie gestoßen“, freut sich die Studentin, die auch schon bei etlichen Bewohner des Brandenburgischen Viertels Neugier und leichtes Interesse geweckt hat.
Das große Vorbild für das Projekt ist der Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg, der seit 2009 besteht und inzwischen von einer gemeinnützigen GmbH geführt wird, die das auf ebenfalls 6000 Quadratmetern angebauteObst und Gemüse vermarktet und ein Gartencafé betreibt. „Auch die Leute dort haben ganz klein angefangen, indem sich einfach Gleichgesinnte gesucht und gefunden haben“, sagt Kati Partzsch. So ähnlich, wünscht sie sich, könnte es auch in Eberswalde laufen. „Für den Anfang allerdings wäre es wohl von Vorteil, wenn die Gruppe ehrenamtlicher Gärtner in einer bereits bestehenden Struktur tätig würde“, betont sie. Gleich zu Beginn einen Verein oder gar eine GmbH zu gründen, hätte Züge von Überforderung an sich.
Zumal der Projektentwicklerin in Gesprächen gerade mit Bewohnern des Viertels neben Lob auch ein wenig Angst und Skepsis entgegenschlägt. „Viele Langzeitarbeitslose haben die Zuversicht verloren, selbst etwas bewegen zu können“, sagt Kati Partsch. Wer sich aber immer tiefer in sein Schneckenhaus zurückziehe, traue sich irgendwann gar nichts mehr zu. „Das ist ein Teufelskreis, der sich mit einem Engagement im Gemeinschaftsgarten durchbrechen ließe“, findet die Studentin.
Spätestens im Frühjahr, hofftdie Wahl-Eberswalderin, wird der Gemeinschaftsgarten das Projekt-Stadium verlassen. Dann hätte Kati Partzsch ihre wissenschaftliche Ausbildung an der Hochschule längst hinter sich gebracht. Doch ihr schwebt vor, sich auch nach Abschluss ihres Studiums weiter einzubringen.
Aktuell erkundet Kati Partzsch die Eigentumsverhältnisse für die fast ein Fußballfeld große Freifläche. Sie spricht mit Vertretern der Stadtverwaltung und Lokalpolitikern. Und hat sich fest vorgenommen, möglichst bald zu einem ersten Arbeitseinsatz einzuladen. Dabei wäre vor allem Unkrautzupfen angesagt.