Ein Grund dafür, warum die Veranstaltung diesmal im Hörsaal der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) stattfindet. 180 Menschen konnten sich vorher anmelden. Nur wenige Plätze bleiben leer. "Es ist das erste Mal, dass uns ein Botschafter aus Asien besucht und der erste einer Weltmacht", verkündet Stiftungsgründer Martin Hoeck.
Begrüßt wird  der 58-jährige Ken Wu, seit März Chinas Botschafter in Deutschland. Bevor der Diplomat das Rednerpult betritt, wird er auch von Bürgermeister Friedhelm Boginski und der HNE-Vizepräsidentin Heike Walk willkommen geheißen. Eberswaldes Stadtoberhaupt zeigt sich geehrt, lobt die Veranstaltung und hebt Chinas Bedeutung als Jahrtausende alte Kulturnation hervor, die Bauwerke und die effiziente Verwaltung der Volksrepublik. Auch Demokratie und Menschenrechte erwähnt er. Allerdings fordert Boginski mehr Zurückhaltung aus Deutschland. "Die Rolle als moralische Weltpolizei steht uns nicht zu", betont er. HNE-Vize-Präsidentin Heike Walk, die den an Grippe erkrankten Wilhelm-Günther Vahrsson vertritt, wünscht sich in ihrer Ansprache einen kritischen und transparenten Ausstausch.
Chinesischer Botschafter in Eberswalde

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Wohlstandgefälle
Dann gehört die Bühne dem Ehrengast und dieser will dem Publikum ein Chinabild zeigen, wie es in den Deutschen Medien kaum zu finden sei. Sein Land habe sich in 70 Jahren zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt entwickelt und 800 Millionen Menschen aus der Armut geholt. Das System zur sozialen Absicherung sei das weltweit größte. Gleichzeitig aber sei China ein Entwicklungsland. 600 Millionen Menschen in den ländlichen Regionen leben von einem Pro-Kopf-Jahreseinkommen unter 2000 Euro. Ken Wu spricht über Handelsbeziehungen und auch über die Lage in Hongkong. Er redet von gewalttätigen Randalierern, nicht von friedlichen Protesten und will das aber als innere Angelegenheit verstanden wissen. Es gebe auch in Deutschland viele Jahre nach der Wiedervereinigung noch ein Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West. Hongkong, bis 1997 britische Kolonie, sei erst seit 22 Jahren wieder zu China zurückkehrt. "Warum hat man nicht mehr Geduld",  stellt der Diplomat als Frage in den Raum.
Gefragt nach Verbesserungsvorschlägen für Deutschland, berichtet Wu, dass er mehr Bettler beobachtet als vor 30 Jahren. Und der Botschafter bemängelt das Verkehrsmanagement der Hauptstadt. So brauche sein Wagen für die 15 Kilometer von seiner Residenz in Zehlendorf bis zur Chinesischen Botschaft in Mitte manchmal zweieinhalb Stunden. Martin Hoeck schlägt ihm daraufhin vor, seine Residenz nach Eberswalde zu verlegen.
Auch die Religionsfreiheit und der Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren werden angesprochen, die in der Region Xinjiang in Internierungslagern sitzen. China und auch ihr Botschafter sprechen von Bildungszentren, die islamistischem Terror vorbeugen sollen. Ken Wu berichtet über Anschläge in der Region mit mehreren Hundert Toten. Die Einrichtungen, sagt er, seien eher wie Internate. Die Menschen dort hätten durchaus die Freiheit mit der Außenwelt zu kommunizieren.
Das muss an diesem Abend so stehenbleiben. Gleichwohl weist Martin Hoeck aber auch auf die Möglichkeit hin, bei einem Empfang im Anschluss die Gespräche zu vertiefen. Abschließend kann Ken Wu die Frage eines Gastes zu den im Berliner Zoo geborenen Pandabärenbabys klären und bestätigt, dass diese später nach China zurückkehren sollen. "Sie haben mich auf Menschenrechte angesprochen, aber ein Panda hat auch Pandarechte", leitet der Botschafter seine Erklärung ein und erntet Zustimmung aus dem Saal. Mit vier Jahren nämlich seien die Bären erwachsen und werden dann in ihre Heimat zurückgebracht, um selbst Nachwuchs zu bekommen.