Die Nachfrage nach Pflegefachkräften in Berlin und Brandenburg reißt nicht ab. Sie werden in allen Kliniken dringend gebraucht. Die neue generalistische Ausbildung, die von der Akademie der Gesundheit an den drei Standorten Bad Saarow, Berlin-Buch und Eberswalde seit Oktober 2020 angeboten wird, hat dem Interesse noch einen Schub gegeben. Denn nach dreijähriger Ausbildung können sich die Fachkräfte zwar auf Pädiatrie, Geriatrie oder Erwachsenenpflege spezialisieren, müssen es jedoch nicht und sind dafür überall einsetzbar. Für die Eberswalder Campus-Leiterinnen Birgit Roth und Wilma Möhring läuft trotz Corona der Ausbildungsapparat auf Hochtouren.

Zahlreiche Kurse laufen parallel und sorgen für Nachschub

Zurzeit befinden sich immerhin 260 Pflegefachkräfte, ein Kurs läuft berufsbegleitend, in der Ausbildung. Drei Kurse mit insgesamt 60 Teilnehmern wollen Entbindungspfleger und Hebamme werden. Zum Notfallsanitäter durchlaufen aktuell 45 Frauen und Männer die dreijährige Spezialisierung. 36 Logopäden verlassen über die nächsten drei Jahre hin die Akademie in der Schicklerstraße. Mehr als 20 Lehrer stehen in der Einrichtung bereit, um aktuell online, aber auch im direkten Kontakt zu den Ausbildungsbetrieben und Schülern das Wissen zu vermitteln.

Kliniken von Sommerfeld bis Strausberg nutzen die Akademie in Eberswalde

Zu den Kliniken, die sich ihre Fachleute aus der Eberswalder Pflegeschmiede holen, gehören das Sana-Klinikum Sommerfeld, die Krankenhäuser aus Märkisch-Oderland in Strausberg und Wriezen, die Brandenburgklinik Bernau und die Eberswalder Krankenhäuser Forßmann sowie Gropius. Neu hinzugekommen seit der generalistischen Ausbildung sind die AWO Nordost mit Pflegeeinrichtungen in Oderberg, Hohensaaten und Angermünde, die Barnim Pflege Bernau mit zwei großen Häusern Ulmenhof und Regine Hildebrandt, die Volkssolidarität mit Einrichtungen in Biesenthal, Eberswalde und Oderberg sowie Vivatas Eberswalde. Weitere Anfragen an den Bildungsverbund gibt es bereits. „Doch wir stoßen an unsere Grenzen“, macht Wilma Möhring deutlich.

Fertigkeiten am Übungsbett im Campus trainiert

Noch ehe sich die Fachkräfte in der Praxis bewähren können, müssen sie am Campus Stationen durchlaufen. Lebensecht liegen Puppen in den Krankenbetten. Vom PC aus lassen sich Blutdruck und viele andere Werte steuern, sodass die Auszubildenden nötige Handgriffe, sogenannte Skills, verinnerlichen. Mit Corona ging vieles an Übungen vor allem online vonstatten, berichtet Birgit Roth. Doch auf einige Skills lässt sich nicht verzichten. Eine Herz-Druck-Massage oder auch das Agieren bei einem Zuckerschock müssen die Schüler trainieren. „Wir arbeiten dabei mit der Praxis Hand in Hand“, berichtet Roth.

Enge Vernetzung zu Praxisanleitern in Kliniken

21 Praxisanleiter, die regelmäßig ihren Wissensstand in Weiterbildungen auffrischen müssen, gehören quasi zum Ausbildungsteam. Sie begleiten die Schüler in der Praxis auf den Stationen. „Wir lehren einen praktischen Beruf. Der Transfer am Trainingsort und in den Kliniken ist mit Arbeits- und Lernaufgaben auch als Rücklauf zur Akademie jederzeit gewährleistet“, sagt die für die Anleiterinnen verantwortliche Roth.
Über eine Lernplattform wird jede Klasse in einen eigenen virtuellen Raum geführt. Nach drei Monaten in der virtuellen Lehre im vergangenen Jahr ging es im Januar für die zukünftigen Pflegefachfrauen und -männer in die Praxis. Der Rücklauf sei immer gesichert, betont Wilma Möhring. Allerdings „müssen wir unsere Schüler auch auffangen“. So hätten einige Schüler auf Corona-Stationen gearbeitet. Das sei gerade am Anfang der Ausbildung nicht einfach.

Studiengänge und berufsbegleitende Kurse im Angebot

Demnächst soll es auch möglich sein, einen Bachelor-Studiengang zu belegen. Dazu würden gerade Überlegungen angestellt, betont die Campusleiterin Wilma Möhring. „Die Ausbildung orientiert sich an der Praxis“, macht sie klar. Der krisensichere Beruf sei attraktiv. Zwölf Ausbildungsgänge gibt es an den drei Standorten. Bewerber gebe es genug, doch diese müssten sich auch eignen. Auch berufsbegleitende Ausbildungen kommen immer stärker in den Fokus. Wer als Medizinpädagogin lehren möchte, muss ein Hochschulstudium durchlaufen. Vorher sei der Grundberuf Bedingung. So haben es auch Wilma Möhring und Birgit Roth gemacht. Auch Praxisanleiter auf den Stationen und in Pflegeeinrichtungen würden immer gesucht. Eine 300-Stunden-Schwerpunktausbildung sei dafür nötig.

Virtuelles Unterrichten hat auch Vorteile

Viele Schüler nehmen weite Fahrwege auf sich, um an den drei Standorten der Akademie der Gesundheit ihre Ausbildung zu absolvieren. Da sich das virtuelle Unterrichten in der Corona-Zeit auch bewährt habe, wolle die Akademie in Eberswalde davon einiges auch in der Zukunft beibehalten.