Dietmar Ortel ist immer noch entsetzt. Dabei ist es schon ein paar Tage her, dass der Inhaber von Optic Ortel, der zudem als Stadtverordneter in der CDU-Fraktion mitwirkt, mit dem Zug dienstlich nach Berlin fahren und dabei erschrocken feststellen musste, wie verwahrlost der Eingangsbereich und die Wartehalle des Bahnhofs in Eberswalde aussehen. „Alles ist voller Taubenkot. Selbst der Platz vor dem Fahrkartenautomat. Und die Vögel sind überall“, beschreibt Dietmar Ortel seine erschütternden Eindrücke.

Dietmar Ortel warnt vor Krankheitserregern im Vogeldreck

Der Stadtverordnete sieht es als seine oberste Pflicht an, Alarm zu schlagen. Schließlich würden im Bahnhof täglich tausende Fahrgäste ein- und ausgehen, deren Gesundheit durch die Tauben-Invasion gefährdet sei. Im Kot entstünden Keime und Krankheitserreger. Zudem würde weiteres Ungeziefer angezogen. „Dort ist sofort Abhilfe zu schaffen“, fordert Dietmar Ortel, der es nicht mit dem Bauchgefühl begründet, dass er sich sorgt. Sein Vater, Prof. Dr. med Siegfried Ortel, sei an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale am Institut für Mikrobiologie und Epidemiologie tätig gewesen und habe schon damals auf die bakterielle Verunreinigung des Taubenkots hingewiesen und davor gewarnt, dass durch diese Hinterlassenschaften Krankheitserreger übertragen werden könnten.

Kritiker sieht Parallelen zur Corona-Pandemie

„Und heute leben wir in einer Pandemie, von der angenommen wird, dass sie durch die unsachgemäße Haltung von Tieren entstanden ist“, betont der Geschäftsmann und Stadtverordnete, der hofft, dass die Deutsche Bahn AG umgehend tätig wird. Zudem sollte das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Barnim schnellstmöglich den Missstand in Augenschein nehmen und dafür sorgen, dass dieser beseitigt wird. Es liege garantiert auch nicht im Interesse der Stadt Eberswalde, dass der Bahnhof als wichtiges Eingangstor derart verkommen aussehe.

Deutsche Bahn verspricht kurzfristige Säuberung

Ein Sprecher der Deutschen Bahn AG, der im Regionalbüro Berlin arbeitet und nicht namentlich zitiert werden möchte, teilt auf Anfrage der Märkischen Oderzeitung mit, dass das Bahnhofsmanagement in Eberswalde die Verunreinigung durch Taubenkot als Problem erkannt habe. „Eine Säuberung ist kurzfristig vorgesehen“, verkündet er. Darüber hinaus werde sich das Unternehmen auch für Eberswalde grundsätzlich zum Thema Taubenabwehr und -vergrämung Gedanken machen. „Unser Ziel ist es, langfristig zu einer Lösung zu kommen, die für alle bei diesem Thema einzubeziehenden Partner tragbar ist“, gibt der Bahnsprecher bekannt.

Barnims Amtsärztin: Tauben sind keine Gesundheitsschädlinge

„Wir haben noch keine Hinweise oder Beschwerden zur Verunreinigung durch Taubenkot am Bahnhof erhalten“, sagt Heike Zander, die das Verbraucherschutz- und Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Barnim leitet. Sollte das Problem aber an die Behörde herangetragen werden, sei diese zu einem schnellen Ortstermin bereit. Grundsätzlich sei der Eigentümer in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass von seinem Grundstück oder Besitz keine Gefahr für Dritte ausgehe. Am Bahnhof könnten Vergrämungsmaßnahmen eingeleitet werden, schlägt die Amtsärztin vor. Auch biete es sich an, Nistmöglichkeiten entgegenzuwirken. Gesundheitshygienisch relevant sei Taubenkot erst, wenn bei langanhaltender Trockenheit Staub aufgewirbelt und eingeatmet werde, falls dieser mit Krankheitserregern belastet sei. „Die Tauben selbst gehören nicht zu den Gesundheitsschädlingen und dürfen deshalb auch nicht bekämpft werden“, betont Heike Zander. Es sei nur die Vergrämung gestattet.

Eberswalde trifft Vorkehrungen gegen Brutversuche

Für die Stadt Eberswalde weist Rathaussprecher Johan Bodnar darauf hin, dass der Bauhof den Bahnhofsvorplatz täglich reinige. „Für den eigentlichen Bahnhof ist die DB zuständig“, erklärt er. Zudem habe das Tiefbauamt unter der Bahnhofsbrücke Vorkehrungen dagegen getroffen, dass Tauben Nistplätze anlegen, um dort zu brüten.

Von wegen „Ratten der Lüfte“


Der Naturschutzbund Deutschland nennt es einen Mythos, das Tauben gefährlich sein, weil sie Krankheiten übertragen würden, Bereits vor 30 Jahren habe das Bundesgesundheitsamt bestätigt, dass lediglich Taubenhalter ein erhöhtes Infektionsrisiko hätten. Für alle anderen Stadtbewohner seien Tauben nicht gefährlicher als Amsel, Drossel, Fink oder Star.

Zur gleichen Einschätzung kommt auch der Avian-Vogelschutzverein Berlin, der sich um verletzte Stadttauben kümmert. Solange man sich auf die Idee komme, die Tauben-Exkremente zu verschlucken, bestehe keine Gesundheitsgefährdung. Das Robert-Koch-Institut weise jeden Fall von Ornithosen, also von durch Vögel auf Menschen übertragene schwere Krankheiten aus. Deswegen lasse sich belegen, dass es deutschlandweit seit mehr als zehn Jahren kein solches durch Tauben verursachtes Vorkommnis gab.

Bei der Abstimmung zum Bürgerhaushalt Eberswalde hatte es einen Vorschlag zum Bau von Taubenschlägen am Hauptbahnhof und im Stadtgebiet gegeben. Das Ziel war es, so durch die Entnahme von Gelegen den Bestand regulieren zu können. Doch die dafür abgegebenen elf Stimmtaler reichten nicht dazu, die Idee umzusetzen.