Drei Knotenpunkte für das Gratis-WLAN weist eine Internetkarte für Eberswalde bislang aus. Jeder kann dort online gehen, ganz ohne Passwort. An den zarten Anfängen des Umsonst-Netzes ist vor allem Mike Hartmann beteiligt. Seit einigen Jahren Neu-Eberswalder hat der 35-Jährige die Freifunk-Idee in Berlin kennengelernt. "Ich dachte, das wäre auch etwas für Eberswalde."
Das technische Verständnis bringt der freiberufliche Informatiker schon interessehalber mit. "Technisch affin war ich seit der Kindheit. Der Computer gehörte immer mit dazu." Die Arbeit bei einem Internetprovider führte dazu, dass er auch privat versuchte, sich mit Freunden zu vernetzen. "Da hat man dann mal einen Kilometer über die Dächer in Bremen gespannt."
In Eberswalde war es für das Freifunknetz soweit, als im vorigen Jahr über den Hebewerk-Verein mehrere Programmierer in einer Linux-Gruppe zusammenfanden. "Dort bin ich mit der Idee sofort auf technisch Interessierte gestoßen", so Hartmann.
Weil die Treffen anfangs im Studiclub in der Schicklerstraße stattfanden, stellten die Freifunkverfechter dort auch eines der ersten Zugangsgeräte, sogenannte Router, für das "eberswalde.freifunk.net" auf. Inzwischen sind es Hartmann zufolge eine Handvoll Router. "Und wir haben einige Interessenten." Für ein flächendeckendes Netz in der Stadt wären allerdings noch mehr Knotenpunkte nötig.
Wer seinen Internetanschluss zum Freifunken teilen will, stellt einen zweiten Router auf. So hat der Nutzer einen separaten Zugang zum Wireless Local Area Network (WLAN, deutsch: drahtloses lokales Netzwerk). "Das heißt, rechtlich muss man sich keine Sorgen machen", sagt Mike Hartmann. Haftet sonst in Deutschland der Anschlussinhaber, wenn etwa illegale Inhalte geladen werden, bauen die Extra-Zugangsgeräte Datentunnel auf. "Sämtlicher Datenverkehr landet beim Berliner Freifunkverein, und der fungiert selbst als Internetprovider."
Über die Software der Freifunker Berlin verbinden sich die verschiedenen Router. "Wer das nicht selbst installieren kann, kann sich auch von uns helfen lassen", wirbt Mike Hartmann für die Idee. Schon ab 15 Euro seien die Geräte zu haben.
"Wir haben den Router bei uns freigeschaltet und wollen auch andere Leute motivieren mitzumachen", sagt Michael Ahlers vom Grünen-Büro in der Friedrich-Ebert-Straße 2. Wer will, könne sich dort mit seinem Laptop auf die Bank vorm Büro setzen.
"Freifunk ist eigentlich das, was das Internet ursprünglich mal war - eine Bewegung von unten", sagt Ahlers, der für den Grünen-Fraktionschef im Landtag Axel Vogel das Büro organisiert. Und: "Deutschland hinkt meilenweit hinterher, was das Angebot an öffentlichen Hotspots angeht. Im digitalen Zeitalter ist das auch eine Frage von Lebensqualität." Für die Grünen sei es daher in einem Fachgespräch im Landtag bereits vor drei Jahren um den Netzausbau in Brandenburg gegangen. "Das Thema Freifunk wollten wir seitdem auch in Eberswalde angehen." So stießen die Engagierten um Mike Hartmann auf offene Türen.
Eine Gesetzesänderung könnte die Entfaltung der Bürger-Drahtlosnetze allerdings hemmen. Mit dem Entwurf will die Bundesregierung eigentlich mehr offenes WLAN fördern. Private Anbieter wären danach verpflichtet, die Namen aller Nutzer zu erfassen. "Wenn das Gesetz wird, behindert das die Freifunk-Initiativen", sagt Michael Ahlers. Er glaubt aber auch an die Kreativität der Initiativen, auch diese Hürden zu nehmen.
Für Eberswalde hofft Ahlers wie Mike Hartmann auf viele Mitstreiter. "Vielerorts sind es auch die Kommunen, die das Freifunknetz anbieten."