Plötzlich war da vor ein paar Wochen dieser Brief in seinem Briefkasten. Damit fing alles an. Der Absender: Deutscher Fußball-Verbund. Rödl runzelte die Stirn. Was will denn der DFB von mir, dachte er sich im ersten Moment. Dann riss er den Brief auf. Er las - und verstand.
Dass Rödl Post vom DFB bekam, hat er seinem eigenen Klub zu verdanken. Der FSV Lok Eberswalde nämlich hatte Rödl - ohne sein Wissen natürlich - vor einigen Monaten für den DFB-Ehrenamtspreis vorgeschlagen. Und das mit Erfolg, wie sich jetzt herausstellte. Der Brief war eine Art Glückwunschschreiben. "Da war ich natürlich überrascht", gibt der 27-Jährige mit einem Lächeln zu.
Jedes Jahr zeichnet der DFB 280 Preisträger mit dem Ehrenamtspreis aus. Und dass Rödl einen solchen Preis verdient hat, steht praktisch außer Frage, wenn man sich anguckt, was er alles leistet für den FSV. Er ist der Lokführer. Der Mann, der Dampf macht. Jörg Thormann, der Trainer der 1. Männer des FSV, nennt ihn einfach nur "Mr. Lok". "Er kümmert sich um alles, er hat alles im Blick", sagt Thormann.
Kümmern tut sich Rödl als Sportwart zum Beispiel um den laufenden Trainings- und Spielbetrieb bei Lok Eberswalde, er erstellt Pläne für die Platzbelegung, spricht Hallenzeiten ab, organisiert Trainerversammlungen und managt das komplette Passwesen des Fußballklubs. Rödl sitzt auch im Vorstand und ist die Schnittstelle zwischen Verein und Stadt. Wenn es sein muss, mäht er im heimischen Fritz-Lesch-Stadion notfalls auch mal selbst den Rasen. Und obendrein trainiert er noch die D-Junioren, quasi nebenbei. "Trotz seiner jungen Jahre opfert er all seine Freizeit für seinen Verein", schreibt Lok-Jugendtrainer Markus Haase und Initiator der Ehrenamtspreis-Bewerbung in seiner Begründung an den DFB.
Wirklich all seine Freizeit? Rödl lacht. "Ich bin sieben Tage die Woche auf dem Platz", sagt er.
Wenn man mit ihm eine Weile zusammensitzt, spürt man: Da brennt einer für die Sache. Und für seinen Klub. Sein persönlicher Leitspruch lautet: "Na vonne!" - nach vorne.
Rödl, der als studierter Verwaltungs-Betriebswirt bei der Stadt arbeitet, kommt eigentlich aus Schwedt. Als er elf war, zog die Familie nach Eberswalde. Wenig später fing er beim FSV an, bei den C-Junioren. Er durchlief alle weiteren Jugendteams, spielte dann 1. Männer. Auch jetzt hilft er dort immer mal aus, wenn in der Innenverteidigung Not am Mann ist.
Doch Rödl ist nicht nur Organisationstalent, Trainer und Spieler - er ist auch Initiator. Sein wichtigstes Baby ist sicher das bereits oft beschriebene Integrationsteam Lok Eberswalde III, das in der 2. Kreisklasse antritt und sich speziell an Flüchtlinge richtet. Im vergangenen Sommer hatte es Rödl gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden des Vereins, Götz Herrmann, initiiert.
Ein zweites Baby von Rödl ist die Wiederbelebung der deutsch-polnischen Freundschaft. Nach Jahren des Stillstands initiierte er jüngst ein Freundschaftsturnier, an dem Teams aus der polnischen Partnerstadt Barlinek und des FSV Lok teilnahmen.
All das macht Rödl bei Lok zum Lokführer. Und als solcher soll er nun kommende Woche geehrt werden. Am 24. März soll das passieren, im Rahmen der jährlichen Mitgliederversammlung von Lok. Für diese hat sich bereits ein Vertreter des DFB angekündigt, der Rödl den Ehrenamtspreis überreichen will.
Da der Lok-Sportwart auch in den "Club 100" aufgenommen wird, kann er sich noch in diesem Jahr auf einen besonderen Höhepunkt freuen: den Besuch eines Länderspiels der deutschen Nationalmannschaft. Wann genau er die DFB-Elf um Weltmeistertrainer Joachim Löw hautnah erleben kann, ist allerdings noch offen. "Bei der EM in Frankreich wäre super", sagt Rödl mit einem Grinsen.
Apropos EM. Das neueste Projekt von "Mr. Lok" für dieses Jahr heißt Kita-EM 2016. Die Vorbereitungen laufen schon. Natürlich mit Rödl als Dampfmacher.