Viel ist von der einstigen "Dachpappe", wie die Eberswalder die Fabrik an der Heegermühler Straße unweit des Bahnhofes nannten, nicht mehr zu sehen. Drei Einkaufsmärkte haben längst die Betriebsgebäude am Eingang abgelöst. Doch dahinter sowie im Boden lagern nach wie vor Überreste jener Fabrik, die bereits 1980 ihre Produktion eingestellt hat. Dachpappenreste, Teer- und Bitumenprodukte, Asche, Schlacke, Müll und Bauschutt waren seinerzeit in Gruben verfüllt worden. Die insgesamt rund 20 000 Quadratmeter große Fläche harrt der Sanierung bzw. der Sicherung.
Die Stadt Eberswalde, in deren Eigentum sich gut 12 000 Quadratmeter befinden (und zwar der hintere Bereich, der sich bis zum Luisenplatz erstreckt), will jetzt für ihre Fläche die Sanierung in Angriff nehmen. Während der jüngsten Bauausschusssitzung stellte das Dezernat den Abgeordneten dazu die Pläne und die Varianten vor.
Das Areal der früheren "Dachpappe" ist als Altlastenverdachtsfläche im Kataster des Landkreises geführt. Laut einem Gutachten von 1993 wird vor allem die Belastung mit zwei Arten von Kohlenwasserstoffen als kritisch eingestuft. Von einer "erheblichen Überschreitung der Prüfwerte" ist die Rede. Zudem wurden durch die Anlage einer weiteren Grundwassermessstelle im Hangbereich "Teerpappenreste und ganze Teerklumpen" freigelegt, was den Handlungsdruck auf die Stadt offensichtlich erhöht hat.
Die Altlasten an jener Stelle müssen zügig "entfernt" werden. Und es ist eine "Sicherung des Geländes in den Jahren 2015/16 durch Inanspruchnahme von Fördermitteln" zu realisieren. So lautet das Fazit der Dezernatsleitung. Zur Diskussion stehen für die Sanierung drei Möglichkeiten, drei Varianten, die sich in puncto Umfang und folglich Kosten unterscheiden. Die Spanne reicht von einer Komplettsanierung für zirka 37 Millionen Euro bis zur "Teildekontamination" besagter Stelle und der Oberflächenabdichtung mit Beton für etwa 1,2 Millionen Euro.
Das Rathaus favorisiert einen Mittelweg: die "Teildekontamination" des erkundeten Punktes sowie die Abdeckung der städtischen Fläche mit Kunststoff-Dichtungsbahnen, inclusive Bodenschicht und Rasenansaat. Die geschätzten Kosten würden sich dabei auf rund 1,6 Millionen Euro belaufen. Als Vorteil bei dieser Variante sieht die Verwaltung die Revitalisierung der Bodenfunktion an sowie die Begrenzung des Regenwassers, das abzuleiten ist. Nachteilig wirken sich hingegen die erforderlichen Pflegearbeiten aus. Denn es müsse sichergestellt werden, dass sich keine tiefwurzelnden Pflanzen ansiedeln, heißt es.
Gleichwohl sieht das Fachamt in dieser Variante eine Kompromisslösung, die Eberswalde leisten kann und die gleichzeitig dem Sicherungsbedarf und der Forderung des Landkreises Rechnung trägt. In einem ersten Schritt will man unverzüglich die Altlasten an dem kritischen Punkt entsorgen und dort weitere Untersuchungen anstellen. Die dafür nötigen Mittel - geschätzt 200 000 Euro - stellt die Stadt aus dem Haushalt bereit. Voraussichtlich kommende Woche sollen die Arbeiten öffentlich ausgeschrieben werden. Das Rathaus strebt eine Realisierung über den Winter (Dezember 2014/Januar 2015) an. Parallel sollen aus einem EU-Fonds für Altlastenbeseitigung Fördermittel beantragt werden. Je nach Bewilligung ist dann im zweiten Schritt das Abdecken des Grundstückes für 2015/16 geplant, so die Intention des Rathauses.
Die Arbeiten, so ist zu erfahren, erfolgen ausschließlich unter Umweltschutzaspekten. Das Grundstück werde auch nach der Sanierung nicht nutzbar sein. Weder als Standort für Eigenheime noch als Verkehrsfläche.