Das Vorhaben, die im April 1945 von Feuersbrünsten und Fliegerbomben gerissenen städtebaulichen Lücken zu schließen, ist ebenso anspruchsvoll wie teuer. Noch steht das Investitionsvolumen zwar nicht fest. Aber dass mehrere Millionen Euro ausgegeben werden müssen, räumen Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner und Rainer Wiegandt, Geschäftsführer der stadteigenen Wohnungsbau- und Hausverwaltungsgesellschaft (WHG), ohne Umschweife ein. Kommune und WHG treiben das Projekt voran – und dies mit dem Ziel, zentrumsnah und auf hohem Niveau Platz für Wohnen und Gewerbe zu schaffen.
Der Architektenwettbewerb wird gerade vorbereitet. Ausgewählte Büros aus Eberswalde, dem Barnim, Brandenburg und ganz Deutschland sollen die Chance bekommen, ihre Vorstellungen über das Wie der Bebauung zu erarbeiten. Zu den Vorgaben von Kommune und WHG gehört, dass die Wohn- und Geschäftshäuser im Erdgeschoss Läden und Büros sowie in vier weiteren Etagen etwa 150 barrierefrei zugängliche Wohnungen enthalten sollen. Wie viele Gebäude auf dem 6400 Quadratmeter großen Grundstück zwischen der Einmündung zur Puschkinstraße und der Bibliothek der Hochschule errichtet werden, sei im Zuge der Ausschreibung zu klären, sagt Anne Fellner.
„Standorte in der Innenstadt sind unglaublich gefragt“, betont die Baudezernentin. Das Vorgehen des Brandenburger Infrastrukturministeriums, eben nicht nur den auch in Eberswalde weiter nötigen Abriss von Wohnblöcken jenseits der Zentren zu fördern, sei daher nur zu begrüßen. Es gehe darum, an geeigneter Stelle auch mehr energetisch effizienten und für alle Generationen nutzbaren Wohnraum zu schaffen, fügt die Baudezernentin hinzu. Sie sei daher froh darüber, dass das Projekt für die südliche Friedrich-Ebert-Straße von Bauminister Jörg Vogelsänger mit einem von drei Preisen bedacht wurde.
„In dem Glückwunschreiben aus Potsdam ist die Zusage enthalten, dass uns von den 150 geplanten neuen Wohnungen etwa 50 gefördert werden“, sagt Rainer Wiegandt. In Euro und Cent lasse sich der Preis allerdings noch nicht ausdrücken, schränkt der WHG-Geschäftsführer ein. Grundsätzlich stimme es ihn stolz, dass die Stadt ihr Tochterunternehmen mit einem so ambitionierten Auftrag betraue. Da wirke sich der WHG-Erfolg bei der Wiederherstellung der historischen Messingwerksiedlung in Finow aus. „Den Lückenschluss an der südlichen Friedrich-Ebert-Straße werden wir jedoch nur in Angriff nehmen können, wenn wir das Projekt durchfinanziert bekommen“, betont Rainer Wiegandt.
Für die Baudezernentin wäre es wünschenswert, den Architekturwettbewerb bis zur parlamentarischen Sommerpause abzuschließen. „Viel Zeit bleibt da nicht“, sagt Anne Fellner, die ankündigt, im April den städtischen Bauausschuss über die Grundzüge des Vorhabens zu unterrichten.
Der WHG-Geschäftsführer geht davon aus, dass mit den Bauarbeiten frühestens im Sommer kommenden Jahres begonnen wird.
Ein möglicher Mieter der neuen Geschäftspassage im Zentrum hat sein Interesse bereits signalisiert: Vertreter des Energiekonzerns EWE hatten bei der Eröffnung des Servicepunktes am Markt ihre Absicht bekundet, im Neubauprojekt der WHG zusätzlich ein Kundenzentrum zu installieren.