Ohne Bert, wer weiß, wäre die Ehrung vielleicht jemand anderem zugefallen. Ausgestattet mit einem GPS-Sender durchstreift der Elchbulle seit mehr als einem Jahr Brandenburg – und steuerte so Datenmaterial zur aktuell besten Abschlussarbeit an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde bei. Mit dem Gunther-Wolff-Preis zeichnete die Hochschule am Mittwochabend Carolin Berndt für ihre Bachelorarbeit am Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz aus, in der es um potentielle Lebensräume für Elche in Brandenburg geht.
Vergeben wurde der mit 1000 Euro dotierte Preis im Rahmen der Hochschulreihe Sustainability Lectures. Eine Würdigung in Abwesenheit der Autorin, die inzwischen Wildtiermanagement in Schweden studiert. Ihre Dankesworte vor einem verschneiten schwedischen Wald richtete sie per Videoeinspieler an den vollbesetzten Hörsaal auf dem Stadtcampus.
Eine entscheidendes Detail zu ihrer Arbeit trug dagegen ihr betreuender Professor und Laudator Ulrich Schulz vor Ort bei: "Zur Themenfindung kam es ursprünglich aufgrund einer Wette", erzählte er. "Wenn ich einen Elch sehe, mache ich einen Schwedisch-Kurs", habe Carolin Berndt vor einer Exkursion gesagt. Es ging in eine Region Ostpolens, wo die Tiere frei leben. "Deshalb sah sie sehr schnell einen Elch und machte schnell einen Schwedisch-Kurs", so Schulz. Für die hohe Qualität ihrer Bachelor-Arbeit spreche auch, dass sie zu Teilen in einer Fachzeitschrift publiziert werde.
Ebenfalls mit starken Leistungen punkteten 44 Studierende aus allen Fachbereichen vor einer Jury, die das Deutschland-Stipendium der Hochschule zu vergeben hatte. Sie bekommen nun ein Jahr lang die monatliche Finanzspritze von 300 Euro. Das Stipendium, für das es knapp 120 Bewerbungen gab, kann die Hochschule nur vergeben, wenn sie private Förderer findet. 18 sind es in diesem Jahr, darunter Privatpersonen, aber auch Unternehmen und Organisationen, die mehrere Förderungen mitfinanzieren.
Mit der hohen Anzahl der Stipendien spiele die Hochschule bundesweit in der ersten Liga, erklärte Hochschulpräsident Wilhelm-Günther Vahrson. "In den letzten Jahren haben wir so fast 1,1 Millionen Euro umgesetzt." Förderer und Studierende hatten im Anschluss an die Veranstaltung bei einem Speed-Dating am Bio-Buffet in der Aula noch Gelegenheit, sich kennenzulernen.
Star des Abends war Niko Paech, der an der Uni in Siegen als außerplanmäßiger Professor in Pluraler Ökonomik lehrt und forscht. Vahrson führte Paech als einen der bedeutendsten Nachhaltigkeitsforscher und Wachstumskritiker ein, der seine Sicht auf eine entschleunigte und entrümpelte Welt aufzeige – und damit wohl den Wohlstandsschrott meine.
Zum Nachhören auf Youtube
Paech ruft nicht nur in seinen Büchern wie "Die Befreiung vom Überfluss" Menschen dazu auf, ihr Leben radikal zu verändern. In Eberswalde spricht er unter anderem über die gescheiterte Hoffnung auf ein "grünes" Wachstum und die große Gerechtigkeitsfrage, vor der wir stehen: Was darf sich der einzelne an materiellen Freiheiten nehmen, ohne sozial und ökologisch über seine Verhältnisse zu leben? Er wirft die These auf, dass wir derzeit eine Renaissance des katholischen Ablasshandels erleben. In der einen Waagschale: Kreuzfahrten, SUVs, viel Fleisch, in der anderen: "Bionade, T-Shirts von Hess Natur und das Passivhaus". Der Umweltökonom plädiert für Genügsamkeit und wagt den Rundumschlag zu einer Welt nach der Wachstumswirtschaft.
Wer Paech verpasst hat, kann den Vortrag demnächst nachhören. Ein Mitschnitt soll über den Hochschulkanal auf der Internetplattform Youtube veröffentlicht werden.