Mit mitreißendem Blues, vorgetragen vom Saxophonisten Uli Kempendorff, ist am 6. März die schon 713. Ausgabe von Guten-Morgen-Eberswalde zu Ende gegangen. Bereits zum zehnten Mal wurde die Veranstaltungsreihe live aus dem Studio Halbelf gesendet, das sich im Café „Alte Post“ befindet. Mehr als 1000 Aufrufe verzeichnet das Format, das auf Youtube und auf Facebook zu empfangen ist, inzwischen Woche für Woche.

Ab Mai wieder Freilichtveranstaltungen angestrebt

Für die Guten-Morgen-Macher um Udo Muszynski sind die steigende Resonanz auf die Übertragungen und der noch größere verbale und finanzielle Zuspruch von Unterstützern längst mehr als ein schwacher Trost, obwohl es ihnen lieber wäre, endlich wieder im engen Kontakt mit dem Publikum kulturelle Interventionen anbieten zu können. „Derzeit gehen wir kühn davon aus, vielleicht ab Mai Freilichtveranstaltungen organisieren zu dürfen“, sagte der Organisator der Erfolgsreihe, die erneut einen spannenden Mix aus Gespräch und Musik bot. Bis Ende April bleibe das Studio Halbelf der Ort des Geschehens – allerdings mit zwei Ausnahmen, die für den 20. und 27. März vorgesehen sind. An diesen beiden Sonnabendvormittagen sollen im Familiengarten die Geschichten aus dem Eberswald fortgesetzt werden, die im November vorigen Jahres für Furore gesorgt hatten.

Noch ist das Crowdfunding-Minimal-Ziel nicht erreicht

Weil der Livestream außerhalb des Studios technisch aufwändiger und damit teurer ist, hatten die Veranstalter von Guten-Morgen-Eberswalde am 15. Februar über das Crowdfunding-Portal „99 Funken“ der Sparkassen die „Aktion Zwergenhilfe“ gestartet, mit der mindestens 3333 Euro, besser jedoch 6666 Euro aufgebracht werden sollen. Das auf diesem Weg erwirtschaftete Geld würde reichen, eine oder eben zwei der neuen Eberswald-Episoden zu produzieren, mit denen sich die Erlebnisse der Zwerge Meister Wagemut, Rausporn und Bruder Glimm weiterspinnen ließen.
„Bisher sind durch 17 Unterstützer 1100 Euro zusammengekommen“, verriet Julia Heilmann, die gemeinsam mit Udo Muszynski die 713. Ausgabe von Guten-Morgen-Eberswalde moderierte, die zugleich der 42. Live-Stream der Reihe war. Der Betrag sei schon ganz ordentlich, reiche jedoch leider noch nicht.
„Wir hoffen das Beste, suchen aber parallel nach Möglichkeiten der Querfinanzierung“, sagte der Organisator der Reihe am Rande der Aufzeichnung, in der übrigens viel von Eberswalde die Rede war.

Späte Rückkehr in die Geburtsstadt Eberswalde

So ist Linda Söffker 1969 in der heutigen Barnimer Kreisstadt geboren worden und aufgewachsen. Im Gespräch erinnerte sich die Leiterin der Sektion Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale daran, dass sie gemeinsam mit ihrem Bruder jeden Sonntagnachmittag im Passagekino verbracht hat. Während die Kultur- und Theaterwissenschaftlerin von ihrer unbeschwerten Kindheit schwärmte, erinnerte sie sich eher mit Grausen an die Nachwende-Jahre. „Eberswalde war damals wie viele Städte in Ostdeutschland sehr geprägt von einer allgemeinen Visionslosigkeit und davon, dass der Jugend die Perspektive fehlte“, blickte Linda Söffker zurück. Mittlerweile habe sich ihre Geburtststadt enorm zum Besseren gewandelt. „Und ich bin wieder fast jedes Wochenende hier – in meinem Kleingarten“, betonte sie.

Umjubelter Auftritt bei Jazz in E. vor fast zwei Jahren

Weil sich die Barnimer Kreisstadt in den vergangenen 30 Jahren „ungemein positiv“ entwickelt hat, ist auch Christoph Maskow, Jahrgang 1971, hiergeblieben. „Ich habe meine Frau beim Studium in Greifswald kennengelernt“, sagte der Inhaber der Forst- und der Gingko-Apotheke. Die Familie habe erwogen, sich an der Küste niederzulassen. Doch schließlich sei es gut gewesen, daran zu glauben, das Eberswalde eine Zukunft habe.
Die Eberswalde-Erfahrungen des Berliner Musikers Uli Kempendorff beschränken sich auf ein umjubeltes Gastspiel bei Jazz in E., das er 2019 mit seinem Projekt „Ernte“ absolvierte. Bei Guten-Morgen-Eberswalde erwies sich der Saxophonist als Meister der Improvisation. Und als witziger Gesprächspartner. „Ich war hoffnungslos untalentiert und unmotiviert, als ich im achten Lebensjahr den ersten Unterricht an meinem Instrument bekam“, berichtete der Jazzer, Jahrgang 1981. Wie gut, dass der Knoten bei ihm irgendwann geplatzt ist.