Der Eberswalder Binnenhafen wird auch in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben. Die Umschlagsmenge bis zum Jahresende liegt voraussichtlich bei 380 000  Tonnen, ein Ergebnis, das in der Regel nur große Häfen erreichen.
"2012 wird ein richtig gutes Betriebsjahr. Dabei profitieren wir vor allem von den Baumaßnahmen am neuen Schiffshebewerk und der noch laufenden Wasserbaumaßnahmen am Oder-Havel-Kanal", sagt Geschäftsführer Horst Schaefer. Spätestens zum Ende 2013 sollen die meisten Arbeiten abgeschlossen sein. Dann werden sich die Umschlagszahlen wieder "normalisieren". Mit 189 000 bewegten Tonnen seit Jahresbeginn weist die Bilanz schon jetzt 34 Prozent mehr als zum gleichen Zeitraum des Vorjahres aus. Seit Eröffnung im April 2000 bis zum 30. Juni dieses Jahres wurden gar 3,8 Millionen Tonnen umgeschlagen.
Transportgüter sind im Wesentlichen Wasserbausteine, Getreide, Soja und Splitte. Während das Getreide hauptsächlich weiter nach Hamburg verschifft wird, geht Soja, angeliefert aus dem Nordseehafen, direkt in die Verarbeitung bei Mega Tierernährung. Splittlieferungen sind für die Asphaltmischwerke beziehungsweise Kiesgruben Ruhlsdorf und Althüttendorf bestimmt. Auf den Stammholzumschlag wartet die Zelluloseverarbeitung in Stendal.
"Unser Planziel müssen wir in neun Monaten schaffen. Grund dafür sind zum einen die jährlichen Wartungsarbeiten am alten Schiffshebewerk, das dann geschlossen bleibt. Zum anderen führt auch die Oder-Havel-Wasserstraße in den Wintermonaten meist eine geschlossene Eisdecke", sagt Schaefer. Umso mehr freut er sich, dass die Umschlagszahlen stetig gewachsen sind. "Seit 2005 schreibt der Hafen keine roten Zahlen mehr", sagt der Geschäftsführer nicht ohne Stolz. Allein beim Umschlag finden inzwischen sechs Vollzeitbeschäftigte Lohn und Brot. In der Verwaltung dagegen wird mit einer Sachbearbeiterstelle auf Sparflamme gefahren.
Trotz der guten Betriebsergebnisse in den zurückliegenden Jahren sieht Horst Schaefer eher mit Sorge in die Zukunft. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) plant eine Neueinstufung der Wasserstraßen. Danach soll der Oder-Havel-Kanal als direkter Weg zur Ostsee nur noch als Kategorie C und damit als absolute Nebenstraße bewertet werden. "Damit würde das neue Schiffshebewerk völlig umsonst gebaut. Das gilt im Grunde genommen auch für alle anderen Investitionen, die bisher getätigt wurden. Die meisten Kilometer sind ausgebaut und verbreitert. Die Brücken wurden bis auf zwei noch ausstehende Maßnahmen angehoben. Mit der Abstufung des Oder-Havel-Kanals werden 450 Millionen Euro praktisch in den Sand gesetzt", macht Horst Schaefer die Rechnung auf.
Dabei gehört das Land Brandenburg zu den wasserreichsten Bundesländern Deutschlands. Das Netz schiffbarer Bundeswasserstraßen kommt immerhin auf 1100 Kilometer. Die schiffbaren Landeswasserstraßen umfassen weitere 300 Kilometer. Auf diesem Wassernetz werden jährlich rund zehn Millionen Tonnen Güter transportiert. 40 Prozent davon entfallen auf den Oder-Havel-Kanal. Nach jüngsten Prognosen sollen die Gütermengen nach dem Ausbau des Oder-Havel-Kanals insgesamt mehr als neun Millionen Tonnen erreichen.
Die Sorge um die Zukunft der Wasserstraßen in Richtung Ostsee teilt sich Horst Schaefer mit seinen Amtskollegen in der Arbeitsgemeinschaft öffentlicher Häfen Elbe-Oder mit Sitz in Dresden. Anfang des Monats war Eberswalde Gastgeber für die turnusmäßige Zusammenkunft. Ein Schwerpunkt auf der Tagesordnung war die geplante neue Kategorisierung der schiffbaren Wasserstraßen. "Setzt sich Ramsauer mit seinen Vorstellungen durch, wird der Osten komplett abgehängt", ärgert sich Schaefer.