"Den Kollegen geht es nicht um mehr Lohn", erklärt Jens Gröger, Landesfachbereichsleiter Verkehr bei der Gewerkschaft Ver.di, sogleich. "Unsere Forderung lautet: Abschluss eines sogenannten Sicherungstarifvertrages." Mit dem Streik wolle man den Druck auf den Bundesverkehrsminister erhöhen. Im Zuge der aktuellen Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung drohe ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen gerade im Osten, erklärt Gröger. Minister Peter Ramsauer (CSU) habe zwar den Beschäftigten in einem Schreiben versichert, dass sie sich nicht um ihre Jobs sorgen müssten, weiß der Ver.di-Frontmann. Allein: "Solch ein Schreiben, solch ein Versprechen ist rechtlich überhaupt nichts wert." Es zähle nur ein Tarifvertrag. Und den habe Ramsauer bislang abgelehnt bzw. die Verhandlungen an Bedingungen geknüpft.
"Das ist mit uns nicht zu machen. Wir fordern Gespräche ohne Vorbedingungen zur sozialen Absicherung der Kollegen." Dabei ginge es u. a. um sozialverträgliche Lösungen, um Altersteilzeitmodelle und um die Frage von Versetzungen.
Eine Angst, die vor allem auch die Mitarbeiter in Eberswalde umtreibt. Mit der geplanten Einstufung des Oder-Havel-Kanals als "sonstige Wasserstraße" sei doch klar, dass es hier in den nächsten Jahren keine Investitionen und keinen Ausbau mehr gibt, ergänzt Harald Rothmeier, Schichtleiter am Hebewerk und Vertrauensmann. Die Folge könnte eine Versetzung von Fachkräften aus dem Barnim nach Bayern oder ins Rheinland sein. "Wir reformieren uns ständig", macht Rothmeier deutlich. Seit etwa zehn Jahren gebe es z. B. für Kollegen, die in Rente gehen, kaum mehr Ersatz. So sei die Mannschaft des WSA Eberswalde von ursprünglich mal 580 Mitarbeitern auf jetzt 480 geschrumpft. Ohne dass sich allerdings die Aufgaben reduziert hätten. Zudem kritisiert der Vertrauensmann den Umgang mit Lehrlingen. Selbst bei einem guten Abschluss werden ihnen nur befristete Arbeitsverträge für ein Jahr angeboten. Weshalb auch Azubi Martin Busch aus Altranft, angehender Wasserbauer, streikt. Der 19-Jährige würde gern beim WSA bleiben - mit einer festen Anstellung.
Die Binnenschiffer, so heißt es, waren bereits am Montag über die Sperrung des Hebewerkes informiert worden. "Es liegt lediglich ein leerer Schubverband im oberen Vorhafen. Der hatte Kohle nach Berlin gebracht, ist jetzt auf der Rückfahrt", so Schichtleiter Rothmeier.