Jörg Renell kennt die kleinen Besucher im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Eberswalde. Es liegt mitten im Brandenburgischen Viertel. Da, wo sich Jugendgruppen zum Chillen treffen und viele Familien nicht wissen, wie sie durch den Alltag steuern sollen. Deshalb ist er schon jetzt wegen der steigenden Corona-Zahlen gewarnt.

Aufruf an die Ärmsten für ein warmes Mittagessen

„Wir rufen Familien dazu auf, zu uns zu kommen, um sich zu registrieren“, sagt der Sozialarbeiter. „Wir wollen Mittagessen anbieten, falls es dazu kommt, dass Schulen oder Kitas schließen. Diesmal wollen wir gut vorbereitet sein“, sagt er. Denn viele Kinder, die täglich ein warmes Mittagessen im Haus einnehmen, sind sonst nicht gut versorgt. Eltern kochen oft nicht, weil das Geld fehlt oder der soziale Zusammenhalt in der Familie.

Corona-Zeit treibt viele soziale Probleme weiter voran

„Es ging vielen Kindern und Jugendlichen nicht gut. Sie konnten nicht lernen, weil die Rahmenbedingungen fehlten. Aber oft war einfach auch niemand da, der sich gekümmert hat, oder das Geld fehlte für die nötigsten Sachen.“ Seit gut drei Jahren ist der Groß Schönebecker im Bonhoeffer-Haus und koordiniert die Projekte. Ehrenamtliche Helfer, darunter auch zwei Frauen in der Küche, unterstützen die soziale Einrichtung, die konfessions- und familienoffen arbeitet.

Schleusenkrug-Wirt aus Eberswalde sieht sich in der Pflicht

Das findet der Eberswalder Gastronom Michael Otto gut. Er hat selbst Familie und schwierige Zeiten hinter sich. „Hier zu helfen, wo sich Menschen freuen und die Hilfe wirklich benötigen, das macht mich reich“, sagt er. Vielleicht auch deshalb bietet er seit Jahren ein Weihnachtsgans-Essen in seinem Schleusenkrug in Eberswalde an. Dieses Jahr will er es für die Kinder im Bonhoeffer-Haus ausrichten. Schoko-Weihnachtsmänner bringt er sowieso jedes Jahr vorbei. „Als Wirt habe ich eine Verantwortung, die ist nicht politisch, sondern menschlich“, macht der Familienvater klar. Auch der Aufruf unter den 147 Mitgliedern der Kreisverbände Barnim und Uckermark des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands (BVMW), war erfolgreich. Der Eichhorster Mike Marschke, der dem Kreisverband vorsteht, hat gestaunt, wie schnell reagiert wurde.

Weitere Hilfen der Barnimer Firmen schon im Gespräch

1500 Euro kamen zusammen für ein Sonnensegel am Bonhoeffer-Haus. Der Spielplatz liegt in der prallen Sonne, Renell freut sich über die Idee. „Hier kommen viele Nachbarn zusammen, wir sind ein offenes Haus. Neben den Kirchengemeinden in Finow und Eberswalde leben wir jedoch fast nur von Spenden“, erzählt der Sozialarbeiter. So machen Gelder der Vereinigung Children for a better world die Mittagessen möglich. Bis zu 25 Mädchen und Jungen nutzen dieses Angebot täglich. Von Eintöpfen bis zu Eierkuchen dürfen sie so viel essen, bis sie satt sind.

Viele Gruppen unter einem Dach im Brandenburgischen Viertel

Aber auch viele andere Institutionen und Gruppen nutzen das Haus in der Frankfurter Allee. Ob Theatergruppe, Seniorensport oder die Stadt für Treffen, das Eltern-Kind-Zentrum und Ausstellungen, viele Veranstaltungen finden ein Dach. Hilfe braucht die Einrichtungen in jedem Fall. So sind längst Sanierungsarbeiten notwendig. Die Küche soll ein Fenster bekommen. Vielleicht hat der BVMW auch hierfür ein offenes Ohr.

BVMW hat 150 Mitglieder in Barnim und Uckermark

Denn als Netzwerker und Interessenvertretung haben die Barnimer und Uckermärker schon anderen oft geholfen. Parteiunabhängig sei der Verein, sagt Marschke. Allein im Barnim gibt es 90 Mitstreiter quer durch die verschiedenen Gewerke und Berufsgruppen. Kooperiert wird mit dem Unternehmerverband. Jörg Renell sieht sich als Ankerplatz für viele Menschen im Quartier. Jede Zusammenarbeit ist ihm da willkommen. „Wir beraten viele Menschen, wissen, wie schwer es ist, aktuell durchzukommen. Corona hat viele Probleme noch potenziert“, sagt der 55-Jährige.