Aus dem Lautsprecher klingt Musik von "Simon and Garfunkel", Lehrer, Schüler und Eltern tummeln sich harmonisch beim Hoffest der Freien Gesamtschule Finow. Vor zehn Jahren öffnete die Privatschule die Tore für zehn Schüler der Klassenstufe sieben, heute zählt sie 126 Schüler von der Klassenstufe sieben – diese ist in diesem Schuljahr erstmals zweizügig – bis 13. Aus drei Lehrern wurden 20. Nach zehn Jahren steht die Schule offenbar inzwischen stabil da.
"Es gab auch schwere Zeiten", erinnert sich Günter Schumacher, der die ersten fünf Jahre als Schulleiter tätig war und heute noch als Stellvertreter von Rektorin Katrin Steguhn agiert. "Nach der Gründung hatten wir die Kredite bewilligt bekommen, um den Betrieb für zwei Jahre finanzieren zu können", erzählt Schumacher. Freie Schulen mussten sich früher zwei Jahre selbst finanzieren. Dann kam der Erlass des Bildungsministeriums, dass aus den zwei plötzlich drei Jahre wurden. Damit stand das gesamte Projekt der Privatschule auf der Kippe. Zum Glück habe die DKB sofort den Kredit für ein weiteres Jahr bewilligt und die Schule gerettet.
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Die Idee für die Privatschule sei während der Umstrukturierung der Schullandschaft in Eberswalde im Jahr 2006 entstanden, erzählt Katrin Steguhn. Mit der Umstrukturierung sei auch die Schließung der Albert-Einstein-Gesamtschule beschlossen worden. Diese Entscheidung habe zum Schulstreik geführt und die Idee der Freien Gesamtschule Finow sei geboren worden. Es gründete sich ein Trägerverein aus Eltern, Schülern und Unterstützern und so wurde aus einer Vision Realität. "Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen." Das Hesse-Zitat auf der Homepage der Schule ist gleichzeitig deren Motto.
Maximal 20 Schüler pro Klasse, kaum Unterrichtsausfall, Frühstück und Mittagessen in der Ganztagsschule, ein Miteinander auch jahrgangsübergreifend, das Tragen von Hausschuhen in der Schule und das Mithelfen beim Saubermachen seien Merkmale, erzählt die Schulleiterin. Klingt beinahe ein wenig nach Astrid Lindgrens Kindern von Bullerbü. "Das ist tatsächlich so", Ulrike Witthuhn muss bei diesem Vergleich lachen. Sie hat ein Kind in der Klasse acht. Die Schule habe etwas Familiäres, sei übersichtlicher und geschützter.

Privatschule für jeden

Ein Eindruck, den Amina Soschinski bestätigt. Sie hat im vergangenen Schuljahr ihr Abitur gemacht und für sie war die Freie Gesamtschule Finow "wie ein zweites Zuhause". Die junge Frau kam erst nach der Klassenstufe zehn an die Schule und empfand die Atmosphäre dort viel entspannter, als an ihrer vorherigen Schule. Gemeinsam mit ihrem Bruder kam sie an die Schule. Zwei Kinder an einer Privatschule, können sich doch bestimmt nur reiche Eltern leisten. "Wir sind überhaupt nicht reicht", räumt Amina mit dem Vorurteil auf, dass Privatschulen immer teuer sein müssen. Sie hätten sich die Schule nur leisten können, weil das Schulgeld nach dem Einkommen der Eltern bemessen wird. Selbst Kinder von Hartz-IV-Empfängern hätten die Schule schon besucht. "Da muss man dann eben andere Wege finden, woher das Geld kommt, aber Bildung darf nicht vom Wohlstand abhängig sein", so die Schulleiterin.